Mit „Serengeti„ von Darwin nach Malé
Seereisebericht von Rudi Diethart
27. September bis 2. Dezember 2000
Skipper:
Toni Bozic
Crew:
Rudi Diethart
Vorwort
Im
August 2000 habe ich nach einigen Monaten Kampf mit mir selber und meinem
Chef beschlossen, mich beruflich zu verändern. Nur wenige Wochen später
bin ich unterwegs nach Australien, um mit Toni Bozic und seiner Serengeti
den Indischen Ozean zu überqueren.
Seit sieben Jahren segle ich Urlaubstörns, seit drei Jahren auch als
Skipper mit meiner eigenen Crew. Mein nächstes großes Ziel sollte
irgendwann die Überquerung eines Ozeans sein. Dass dieser Traum so rasch
Realität wurde und dass es gleich der Indische Ozean sein würde, war
nicht vorhersehbar und planbar. Mehrere Umstände und Zufälle sind hier
zusammengelaufen und erforderten eine kurzfristige Entscheidung. Ich habe
sie getroffen, und muss auch die Konsequenzen zur Kenntnis nehmen.
Daß meine Beziehung zu meiner Lebenspartnerin Gerti diesen Törn nicht überleben
sollte, war für mich ebenso unvorstellbar und undenkbar. So ist es aber
gekommen und ich habe lange mit mir selbst gekämpft, ob ich nicht die
doch sehr persönlichen Abschnitte aus meinem Tagebuch auslassen soll.
Schließlich aber habe ich mich nach einigen Monaten entschlossen, bei
meiner ganzen Wahrheit zu bleiben. Die nachfolgenden Seiten sind die ungekürzte
und subjektive Niederschrift meines persönlichen Log- und Tagebuchs. So
wie ich diese Tage und Wochen erlebt und gefühlt habe und so wie ich
regelmäßig meine Eintragungen gemacht habe.
Herzlichen Dank an Toni Bozic und seiner Serengeti und Mast- und
Schotbruch! Vielleicht passt es wieder einmal.
Rudi Diethart
März
2001
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Donnerstag, 12.9. – eine kurze Planungszeit
Das Abenteuer kann beginnen. Gestern habe ich Ticket, Visum und Globus übernommen,
heute die Schutzimpfungen gegen Typhus, Diphtherie, Hepatitis, Kinderlähmung
und Tetanus. Es sind noch zwei Wochen bis zu meinem Abflug, die
Vorbereitungen aber schon fast abgeschlossen. Was noch nicht fertig ist,
ist fix geplant und terminisiert. Es kann eigentlich nichts mehr schief
gehen. Halt - ach ja, noch eine Kleinigkeit: Der Eigner und Skipper der
Serengeti, Toni Bozic, weiß ja noch gar nichts von seiner mitreisenden
Deckshand. Was also, wenn ....?!?
Die finalen Arbeiten im Büro machen Spaß. Dass ich über meine
berufliche Zukunft im Moment gar nichts weiß, beunruhigt mich überhaupt
nicht. Mal schauen, wie es mir Anfang Dezember damit geht. Es ist ein
wunderschöner Herbsttag in Oberösterreich, die Welt ist lebenswert. Zwei
Wolken gibt es noch: Gertis Eltern werden sicher nichts Negatives sagen,
aber bestimmt nicht einverstanden sein. Thomas hat sich noch immer nicht
bei mir gemeldet und ich hoffe doch sehr, wenigstens noch zu einem vernünftigen
Gespräch mit ihm zu kommen. Es ist mir trotz aller Hilflosigkeit
meinerseits sehr wichtig zu sehen, dass er sein Leben auf die Reihe
kriegt.
16.9. - 17.9. : Reith im Kamptal
Weinseglertreffen und Leseeinsatz mit der gesamten Crew - nur Gerti muss
leider arbeiten. Aber auch wir schöpfen fleißig, haben viel Spaß. Ich
glaube, unsere Crew ist bereits eine gerngesehene und auch gute
Weinlesehilfe. Meine bevorstehende Abreise steht natürlich im
Mittelpunkt, interessiert alle im Detail.
Kalenderwoche 38
Ganz schön stressig so eine Urlaubswoche: zweimal Arbeitsamttermin, noch
ein letztes Gespräch mit dem Chef, letzte Arbeiten im Büro (im Urlaub
natürlich!?), Familienfototermin, Gespräch mit Thomas in Spittal.
Letztlich alles erledigt, außer dem Familienfoto, das von der Fotografin
so arg vermurkst wird, dass wir es nicht kaufen.
Und als Höhepunkt der Woche kommt die erste Mail von Toni, der am 20.9.
in Darwin eingelaufen ist und erstmalig von meiner Planung hört. Er freut
sich riesig auf mich, und so fällt mir auch dieser letzte Stein vom
Herzen. Und - Zufall oder was? - Ein
paar Stunden später gewinnen die Österreicher Hagara und Steinacher die
erste Goldmedaille in Sydney 2000 - im Tornadosegeln. Einige Mails gehen
zwischen Darwin und Gunskirchen noch hin und her, einige Besorgungen für
Toni erledige ich noch gerne, dann viele Verabschiedungen und Glückwünsche
und los geht's.
27.9.
Linz – Darwin: eine mühsame Anreise
Abschied! Gerti bringt mich zum Flughafen nach Linz, noch ein schneller
Kaffee, und dann weinen wir beide ein bisschen. Ich liebe sie, und es fällt
mir nicht leicht, jetzt zu fahren. Aber ich liebe sie, auch weil sie mir
wirklich keine Prügel in den Weg gelegt hat, weil sie von Anfang an wusste,
wie viel mir daran liegt und weil sie schließlich keine pathetischen
Worte verloren hat.
Die Lauda Air, die den Flug der AUA nach Frankfurt "operated"
hat 45 Minuten Verspätung. Im Landeanflug kommt noch einmal eine halbe
Stunde dazu. Jedenfalls ist die Singapur Airlines gerade weg, als wir
durch den Terminal hetzen. Wir, das sind mittlerweilen Heli und ich. Heli
ist ein Linzer, der mehrmals im Jahr beruflich in Singapur zu tun hat.
Gemeinsam schauen wir also unserer Singapur Air nach und hetzen dann
wieder in den anderen Terminal, weil wir vielleicht auf der
Lufthansa-Maschine mitgenommen werden, die in einer Stunde startet. So ist
es dann auch und bald sitzen wir nebeneinander erste Reihe fußfrei - vor
uns fast 12 Stunden reine Flugzeit. Wir machen uns gleich einmal bekannt
und siehe da, Heli ist auch ein begeisterter Segler, hat den B-Schein seit
sechs Jahren, segelt auch mit eigener Crew zumindest einmal im Jahr und würde
sofort mit mir tauschen. Ich aber nicht!
Morgens um acht Uhr landen wir dann pünktlich in Singapur. Schlafen war
überhaupt nicht, vielleicht eine halbe Stunde gedöselt. Unser
kurzfristiges Umbuchungsmanöver von SQ auf LH hat das Gepäck natürlich
nicht mitgemacht; es kommt erst am Nachmittag mit der nächsten
LH-Maschine nach. Tschüs, Heli, war nett mit dir zu fliegen. Vormittag 9
Uhr, bin doch müde; aber ich will nach Darwin. Der nächste Flug geht
aber erst am Abend um 22.35 Uhr, also 13 Stunden Wartezeit am Flughafen.
Wenigstens ist das Ticket um gut öS 2.500,- billiger, als wenn ich es
gleich in Österreich gebucht hätte. Dann kaufe ich mir einmal eine
Telefon-Card und rufe in Darwin an, um Toni meine Ankunft für den nächsten
Morgen zu avisieren.
Singapur ist ein Wahnsinn: mehr als 13 Stunden habe ich jetzt am Flughafen
zugebracht, aber eigentlich nie das Gefühl eines Flughafens empfunden.
Eher schon ein über-dimensionales Wohnzimmer, sauber und gemütlich, gut
klimatisiert, dezente Hintergrundmusik, freundliche Leute und überall
dienstbare Geister, die ihren Job gewaltig ernst nehmen. Ob sie gerade die
hektargroßen Fliesenböden sauber machen oder die Hydrokulturen pflegen,
die überdimensionalen Balkonpflanzen am benachbarten Parkhaus zurückschneiden
- man kann nur staunen, mit welcher Genauigkeit und welchem Ernst auch die
scheinbar mindeste Arbeit erledigt wird.
Mit dem Fliegen habe ich kein Glück: nachdem schon das erste Gerät, die
Lauda-Maschine defekt war, ist auch die Maschine nach Darwin wegen eines
Bremsdefektes verspätet. Das hat man erst nach dem "boarding"
festgestellt und mitgeteilt. Verspätung für den Austausch der Maschine:
1 Stunde. "Due to technical
reasons..." ich kann es schon nicht mehr hören, denn inzwischen
wurde der Abflug noch zweimal verschoben. Wenigstens bieten sie jetzt
Erfrischungen an. Im Restaurant komme ich mit einer Australierin ins Gespräch.
Sie ist gerade vor 5 Wochen von einem längeren Törn mit ihrem Mann zurückgekommen.
Im September sind sie in Spanien gestartet, über Karibik, Panama und Südsee
nach Cairns gesegelt, ein harter Törn, wie sie sagt in knapp zehn
Monaten. Die Oyster 46 und die zusätzliche Deckshand lassen allerdings
auf ganz gute Verhältnisse und nicht allzu viel Härte schließen.
Tatsächlicher Abflug nach Darwin ist dann um zwei Uhr morgens - ich kann
dann wenigstens zwei Stunden schlafen, bis wir um sieben Uhr Ortszeit in
Darwin landen.
Du darfst in Australien keine Lebensmittel einführen – absolut nichts.
Als mein Seesack dann ziemlich zerrissen ankommt, heißt es gleich einmal
alles auspacken. Die Hälfte fliegt mir schon so entgegen. Die junge Zöllnerin
(ein Lehrling?) will es genau wissen und alles sehen. Während sie die
Sachen auseinander nimmt, fragt sie mich nach Dauer und Länge meines Törns.
Als sie die Packelgerichte sichtet, will sie zum wiederholten Male wissen,
wie und wo ich Toni kennen gelernt habe usw. usf. Schließlich nehmen sie
mir die Reisfleischpackeln ab, den Zwei-Komponenten-Kleber beschlagnahmen
sie einmal. Die Oberzöllnerin belehrt mich inzwischen über Ausmaß und
Wahnsinn meines strafbaren Vergehens, eine brennbare Substanz ins Flugzeug
geschmuggelt zu haben. Was da passieren kann; unentschuldbar ist das
sowieso. Schließlich wird der oberste Zollmanager geholt, er belehrt mich
noch einmal 5 Minuten lang, dann darf ich – für mich schon überraschend
- inklusive Kleber gehen. Man hilft mir dann wenigstens mit zwei Kartons
aus, damit ich mein Zeug halbwegs wegtragen kann, da mein Seesack völlig
unbrauchbar geworden ist. Abgerissen, mit zwei Kartons Wäsche, einem
kaputten Seesack, einem Plastiksackerl und meinem Handgepäck entere ich
nun ein Taxi und lasse mich beinahe schon willenlos zum Treffpunkt mit
Toni in die Wharf kutschieren.
Freitag, 29.9.: Darwin, Northern Territory
Um zehn Uhr kann ich dann endlich Toni begrüßen. Nach einem kurzen
Verschnaufen bei Eiskaffee geht es dann erstmalig raus zur Serengeti, die
ungefähr 400 m weit draußen vor Anker liegt. Ich werfe einmal meine
Sachen hinein, auspacken kann ich später auch noch. Am Nachmittag machen
wir einige Besorgungen in Darwin - für mich ist es fürchterlich heiß
und irre anstrengend. Übermüdung und Klimaschock fordern ihren Tribut.
Abends essen wir gebackene Shrimps in der Wharf, wo auch gleichzeitig ein
kleiner Tanzabend stattfindet. Viel kriege ich aber nicht mehr mit, um 10
Uhr sind wir bereits an Bord und ich kurz darauf in der Koje. Koje ist
nicht ganz richtig, denn wir schlafen ja im Cockpit, Toni auf Steuerbord
(=die Kapitänsseite) und ich auf der Backbordbank.
Samstag,
30.9.
Erstmalig wieder ausgeschlafen geht es mir gleich wieder besser. Wir
machen wichtige Einkäufe in Darwin. Zollfreien Alkohol bunkern steht am
Programm; denn so günstig wird der Alkohol bis ins Mittelmeer wohl nicht
mehr sein. Am Abend kocht Smutje Toni: seine hervorragenden Rumpsteaks
werden gleichsam auf Vorrat gegessen, weil wir in den nächsten zwei
Monaten wohl kein frisches Fleisch mehr kriegen werden.
Sonntag, 1.10.: Crocs im Nationalpark Lichfield
Schon um halb sechs ist Tagwache und eine Stunde später Abfahrt zu
unserem Touristenausflug in den Nationalpark Lichfield. Erste Station
machen wir bei den Wangi-Falls, einem kleinen See mit zwei spektakulären
Wasserfällen. Wir baden und planschen im bacherlwarmen, und doch
erfrischenden Süßwasser. Weiter geht es dann per Bus zu einem größeren
Fluss, den wir per Aluboot befahren. Sharon chauffiert nicht nur souverän
den Bus, sondern hat auch den Außenborder bestens im Griff, ebenso wie
ihre humor-volle Reiseleitung. Krokodile sehen wir allerdings nur in
Miniversion bis auf zwei ca. dreimetrige Crocs, an die wir aber nicht
wirklich nahe herankommen. Beeindruckend allerdings ist die Flora und
Fauna insgesamt: Seeadler, Reiher, Kraniche, Jesusbirds u.v.m. können wir
ganz nahe bewundern. Auch der Mittagslunch stammt von unserer universellen
Sharon, bevor wir dann am Nachmittag mehrere Pools besuchen. Wie
Naturstein-Badewannen bildet der kleine Wildbach in kurzen Abständen Tümpel
– das fließende Wasser hat mit ungefähr 25° die ideale Temperatur zum
Planschen. Ich glaube, ich genieße schon heute das Badevergnügen der nächsten
beiden Monate im Voraus. Denn dann wird es für Körperpflege nur mehr
Meerwasser geben.
Zwei junge Brasilianer – Fernando und Luciano – lernen wir unterwegs
ganz gut kennen. Die beiden haben die Olympischen Spiele in Sydney besucht
und sind gerade auf einer vierwöchigen Tour durch Australien. Fernando
hat eine österreichische Großmutter und spricht nicht nur hervorragend
deutsch, sondern hat auch verblüffende aktuelle Kenntnisse. Jedenfalls
haben wir viel Spaß zusammen. So beschließen wir, nach der Rückkehr
nach Darwin noch gemeinsam auf ein Bier zu gehen. Sharon empfiehlt uns das
„Vic„, und wie zufällig erhalten wir auch Gutscheine für ein
Gratis-Abendbuffet. Das Buffet ist zwar nicht überragend, erfüllt aber
den Zweck optimal: das Bier fließt in Strömen! Übrigens ist hier grundsätzlich
Selbstbedienung; du holst dir den 1140 ml-Krug mit kleinen Gläsern an der
Theke. Der Krug um S 60,- ist für Australien wahrlich günstig. Der DJ
ist auch Animateur und ein echtes Original. Ständig promotet er
irgendwelche Publikumsspiele, und die Aussies sind voller Begeisterung
dabei. Zum Beispiel werden auf der Bühne drei Ein-Mann-Minizelte
bereitgestellt und drei Paare erhalten gemeinsam je ein Zelt. Dann heißt
es ab in das Zelt und die Kleidung des Partners anziehen. Unglaublich, was
sich da sowohl auf der Bühne als auch unter den Zuschauern abspielt. Die
Stimmung kocht und das Bier fließt in Strömen. Toni und ich brechen um
Mitternacht gerade noch rechtzeitig, aber schon gut illuminiert auf. Die
Serengeti erwartet uns schon sehnsüchtig. Vorher rufe ich aber noch Gerti
an - mit Tonis Hilfe bringe ich dann endlich eine Verbindung zusammen:
Sie ist recht überrascht und hört sich sehr gut an am Telefon - und: ich
vermisse sie schon.
Montag, 2.10.: Einkaufen für zwei Monate
Vormittag ist großes Zusammenräumen. Da wir für zwei Monate bunkern müssen,
manche Waren schon bis zum Mittelmeer eingekauft werden, will auch
ausreichend Platz geschaffen sein. In die Backbord-Achterkabine kommen die
Alkoholika: 20 Karton Bier (mal 24 Dosen), 12 Flaschen Whisky, 12 Flaschen
Gin, 12 Flaschen Rum. In die Vorschiffkabine stauen wir nur Lebensmittel.
Nudeln beispielsweise sind noch ausreichend seit Panama an Bord. Alles
andere aber kommt auf die große Einkaufsliste, mit der wir uns schließlich
beim Manager des Supermarktes einfinden. Aufgrund unseres beabsichtigten
Großeinkaufs überlassen wir es ihm, ob er uns einen großzügigen Rabatt
geben oder alle Waren gratis an den Steg liefern will. Er entscheidet sich
für die Gratislieferung, und wird diese auch selbst mit seinem Privat-PKW
übernehmen. Vor dem Einkaufen gehen wir noch rasch in den Internet-Shop,
Gertis erste Mails abrufen und letzte Infos heimschicken. Bis zu den
Malediven wird es dann keinen Kontakt mehr geben können.
Mehr als zwei Stunden fegen wir dann kreuz und quer durch den Supermarkt,
fünf große Trolleys werden angefüllt. Gar mancher beobachtet uns etwas
verwundert. Des Managers Auto ist schließlich randvoll, Toni und ich drängen
uns gerade noch gemeinsam auf den letzten freien halben Meter. Brutal
schweißtreibend wird dann der Weg vom Auto zum Dingi. Da geht es doch
rund 50 m weit über einen schmalen Steg hinunter, und die zahlreichen
Kartons sind in der Nachmittagshitze nicht wirklich leicht. Toni und ich
sind im T-Shirt wenigstens vernünftig gekleidet, Managers weißes Hemd
ist in Kürze total verschwitzt, wenigstens die Krawatte hat er selbst
schon vorher weggegeben. Ich glaube, er bereut seine Entscheidung schon.
Persönlich wäre er mit einem Rabatt wirklich besser weggekommen.
Gottseidank brauchen wir dann nicht mit dem eigenen kleinen Dingi den
Transfer zum Boot durchführen; das hätte wenigstens vier bis fünf
Fahrten bedeutet. Auf Anfrage ist uns der benachbarte Ausflugsboot-Skipper
behilflich, was gleich mehrere Vorteile hat: es ist leicht zu beladen, wir
bringen alles in einer einzigen Fahrt zur Serengeti und können auch
wieder fast waagrecht entladen. Kurz nach sechs Uhr abends haben wir dann
alle Kartons im Cockpit. Systematisch und flott packen wir es an, der
Schweiß rinnt in Strömen, aber um acht Uhr sind wir ziemlich fertig. Der
Großteil ist bereits an Ort und Stelle gestaut. Wir sind richtig
zufrieden und körperlich wohl ebenso fertig. Noch rasch mit den leeren
Kartons zur Wharf fahren, dann gönnen wir uns zum Abschied die letzten
gegrillten Scampi und eine schöne Flasche Chardonnay zur Feier des
letzten Tages an Land.
Dienstag, 3.10. – 1. Seetag: Leinen los in Darwin!
Um halb sieben ist Tagwache, einen schnellen Kaffee und schon geht es los:
Dingi aus-einandernehmen und verstauen, Wassertank und Kanister mit
frischem Wasser füllen, Cola und Softdrinks stauen usw. Um halb neun
verholen wir dann zum Zollsteg in der Cullen Bay. Pünktlich um neun
werden dann unsere alkoholischen Einkäufe angeliefert; auch die
Zollformalitäten sind rasch erledigt. Wasser bunkern inklusive
Reservekanister auffüllen dauert da schon einiges länger. Auch Benzin
und Diesel werden aufgefüllt. 40 l Diesel in Kanistern als Reserve. Um
elf Uhr sind wir schließlich fertig. Das heißt, jetzt haben wir keine
Eile mehr und wir gönnen uns noch einen besonders leckeren Brunch: Räucherlachs
mit Toast und Eiern – ein Gericht, das wir wohl auch in den nächsten
beiden Monaten nicht am Speisezettel finden werden.
Kurz nach Mittag heißt es für uns dann definitiv „Leinen los„ mit
dem Ziel Ashmoor Reef, ungefähr 500 Seemeilen genau westlich von Darwin.
Mit einer leichten Brise nehmen wir Kurs aus dem Hafen hinaus. Toni
beginnt gleich einmal recht scharf und droht, mich zum Einhandsegler
auszubilden: ganz allein muß ich das Großsegel setzen, während Meister
Toni gemütlich im Cockpit sitzt und ab und zu mit Anweisungen auf sich
aufmerksam macht. Die Akklimatisation habe ich noch immer nicht hinter
mir; ich leide nach wie vor ganz schön unter der Hitze und bin extrem
kurzatmig. Schließlich dümpeln wir bereits um vier Uhr nachmittag fast
ohne Fahrt nur rund sieben Meilen von der Küste entfernt. Und dennoch
genieße ich jeden Augenblick und kann mich rundherum einfach nicht satt
sehen. Es sind so viele verschiedene Eindrücke und Gedanken, die mich
beschäftigen.
Toni
hat inzwischen begonnen, mich mit seinen Freunden an Bord bekannt zu
machen. Da wäre einmal Gusti, der Eiserne; der unter Motor Kurs hält, während
sein Vetter Vasco (da Gama) als Windfahnensteuerung geboren wurde. Vasco
ärgert uns momentan ganz schön, weil er bei so geringem Wind einfach
Probleme hat, den Kurs zu halten. Herrlich aber ist die kleine Plattform
unter Vasco, denn dort sitzt man mit den Füßen im Wasser und holt sich
mit einer kleinen Plastikflasche Wasser herauf zum Duschen und Abkühlen.
Aufgrund der großen Hitze und der geringen Fahrt habe ich heute auch
meinen Pyjama ausgepackt. Er ist wunderbar leicht, eine Nummer zu groß
und schön weit und schützt mich zusammen mit den Radlerhandschuhen
bestens gegen die Sonnenallergie, vor der ich ganz schön Angst habe. Außerdem
wird mit 20er-Faktor Sonnencreme auch nicht gespart. Eine Fehlinvestition
allerdings war der Sonnenspray, weil man beim Aufsprühen sofort fettige
Finger kriegt, der Sprühknopf verdreht sich aber regelmäßig und so
braucht man erst wieder beide Hände und die ganze Flasche ist geschmiert
und glitschig.
Australien
Von Australien habe ich ja wirklich nicht viel gesehen: Ankunft am Freitag
morgen und Abfahrt am Dienstag. Aber eines ist mir schon aufgefallen, und
wird auch von Toni, der ja eine Woche länger hier war, bestätigt: es
gibt unglaublich viele Vorschriften im ganzen Land – für alles und nix.
Die Aussies selbst fühlen sich auch ‚overregulated‘, aber sie nehmen
es sehr humorvoll und locker, vor allem aber ohne irgendeinen Protest hin.
Und die Aussies sind durch die Bank sehr freundlich und kommunikativ. Du
kommst mit jedermann sofort und ganz leicht ins Gespräch. ‚Have a good
time‘ wird hier wirklich gelebt, außer von den Aborigines. Hier gibt es
augenscheinlich große gesellschaftliche Probleme. Sehr häufig sind die
versoffenen Sandler Aborigines. Eine Problematik und ein Schicksal, wie es
auch bei den Indianern in Nordamerika bekannt wurde. Die Problematik der
Aborigines dürfte durch die aktuellen Olympischen Spiele eher noch
weiteren Zündstoff erfahren haben, weil eine noch breitere Öffentlichkeit
jetzt aufmerksam wird. Der Konflikt aber ist schon viel älter. Ich habe
persönlich eher den Eindruck gewonnen, daß trotz aller Bemühungen und
guten Mienen beide Seiten in Wirklichkeit aufgegeben haben. Man lebt halt
im selben Land und nebeneinander, aber man versteht sich gegenseitig nicht
wirklich und will es scheinbar auch gar nicht (mehr).
Beeindruckt hat mich der Nationalpark Lichfield. Nicht nur wegen der
Natur, sondern auch wie die Aussies damit umgehen. Sie gehen gern und oft
in den Park, nicht um ihn zu bewundern, sondern um in ihm zu leben und
sich zu entspannen. An allen stark frequentierten Stellen des Parks gibt
es vorgefertigte Grillstellen. Da kommen sie dann, werfen ihre Steaks auf
den Grill, planschen in den Pools und genießen den Tag. Man bedenke, daß
hier Trockensaison ist. Der Busch ist völlig dürr. Bei uns hätte man längst
„Waldbrandgefahr – offenes Feuer strengstens verboten„ verordnet.
Die Aussies aber haben verstanden, daß man einen Waldbrand nicht einfach
verbieten kann, daß man ihn aber durch vorgefertigte Stellen weitgehend
vermeiden kann. Das entspricht viel besser dem Freiheitsstreben jedes
Menschen. ‚Prohibited areas‘ und eingezäunte Waldstücke gibt es
dennoch mehr als genug. Toni hat sich bei den Wangi-Falls einen Weg durch
das Gehölz über die Wasserfälle hinauf verschafft. Als er oben so
herumspaziert, und Fotos von den Planschenden unten macht, stößt er plötzlich
auf ein Schild, das ihm mitteilt, daß er sich auf heiligem Boden der
Aborigines befindet. Betreten wird mit AUD 20.000,- (ca. S 180.000,-)
bestraft! Verdammt schnell und überaus leise hat er umgedreht. Sie sind
halt einfach recht widersprüchlich, die lieben Aussies, nichtsdestotrotz
aber ein unheimlichlockerer und liebenswerter Menschenschlag.
Mittwoch,
4.10. – 2. Seetag
Neun Uhr vormittag, das Handwerk ist getan und der Skipper meint, ich könne
für den Rest des Tages nun frei machen. Wir dümpeln bei ganz leichtem
Wind aus WNW mit ca. zwei Knoten Fahrt dahin. Unser Kurs 270 ist nicht zu
halten, wir haben 240 anliegen, aber kein Problem, weil die
Generalrichtung stimmt und bei dem Tempo das Ziel noch verdammt weit weg
ist. Schön, aber nun der Reihe nach. Was hat sich seit gestern abend so
alles getan?
Blutrot ist um 18.45 Uhr die Sonne im Meer versunken. Achteraus stehen über
dem Festland riesige Quellwolken in der Abendsonne und irgendwo an Land muß
es ein Buschfeuer geben, das wir noch lange in der Nacht sehen können.
Mit einer leichten Brise versuchen wir Kurs West zu machen. Als der Wind
dann ganz einschläft, starten wir nochmals den Motor, um den Abstand zum
Land noch etwas sicherer zu machen. Derzeit sind wir erst 7 – 8 sm
entfernt. Schön ist auch die Skyline von Darwin, wie sie langsam in der
Kimm versinkt.
Und dann sind wir plötzlich ganz allein – kein Land mehr zu sehen und
zu spüren. Dafür aber regt sich eine schöne raume Brise, wir bergen das
Groß und segeln unter Genua genau auf Westkurs 270. Der Wind ist aber
recht instabil sowohl in Stärke wie auch in Richtung: von SE bis N und
von 0 – 3 Beaufort (bft). Der Wechsel erfolgt oft im Viertelstundentakt.
Schon um neun Uhr abends fallen mir erstmals die Augen zu. Übrigens habe
ich die Steuerbord-Achterkabine bezogen, d.h. hier habe ich meine persönlichen
Utensilien gelagert. Ich selbst schlafe ja auf der Backbordbank im Cockpit
unter freiem Himmel. Unter mir eine ca. ¼ aufgeblasene Luftmatratze,
darauf der Schlafsack und zum Zudecken ein Leintuch. In den Schlafsack
schlüpfe ich nur hinein, wenn es wirklich etwas kühler wird und das wird
recht selten der Fall sein. Die Nacht ist einfach herrlich, weil angenehm
kühl, wenn der Wind etwas auffrischt. Romantisch ist es auf jeden Fall:
Sterne schauen, Wind und Boot beobachten und schlafen. Also, um neun Uhr
fallen mir die Augen erstmalig zu. Wir fahren ohne Positionslichter, um
Strom zu sparen. Und weil wir noch ziemlich dicht unter Land sind, heißt
es öfter mal einen Rundblick machen. Es verwundert mich aber schon, daß
hier so überhaupt gar kein Schiffsverkehr ist. Die ganze Nacht über
sehen wir ein einziges Segelboot am Horizont, das offensichtlich auf
Gegenkurs nach Darwin ist. Als auch Toni dann schnarcht, schaue ich einmal
auf Kurs und in die Runde: nichts zu sehen, nur das Meer und unsere
Serengeti auf halbwegs richtigem Kurs nach Westen. Wir haben keinen
Wachplan gemacht, und schon gar nichts schriftlich fixiert. Ich bin mir
aber sicher, daß wir so im Halb- bis Stundentakt jeder einmal in die
Runde geschaut haben. Ich schlafe traumhaft gut, in der frischen und
angenehmen Meeresluft, aber nicht sehr tief; ich bin sicher 6 bis 7-mal
munter, schaue in die Runde und auf den Kompaß und schlafe gleich wieder
weiter. Und da ich nicht annehme, daß mein Skipper die ganze Nacht
durchgeschlafen hat, wir aber nie gleichzeitig munter sind, dürften wir
von Anfang an einen recht guten und natürlichen Rhythmus gefunden haben.
Morgens kurz nach sechs beginnt die aufgehende Sonne den Horizont blutrot
ein-zufärben, bevor sie selbst heraufkommt. Mit einem halben Auge schaue
ich mir das Schauspiel an und mützle noch bis sieben weiter. Dann gibt es
Frühstück. Der Wind kommt wieder recht vorlich, ich setze wieder das Großsegel
und wir gleiten fast geräuschlos dahin. Toni programmiert sein GPS, noch
462 sm bis Ashmoor-Reef, liest den Kurier, als wäre es der heutige, den
der Austräger in der Nacht ins Cockpit geworfen hat. Ich betreibe einmal
ausgiebig Körperpflege und achte besonders auf die richtige Schmierung,
weil es heute wieder brutal heiß werden wird. Es geht uns einfach
blendend - möge es uns nie schlechter gehen! Nur mit meinen Medikamenten
habe ich so mein Problem. Ich sollte sie dreimal täglich und regelmäßig
nehmen. Das einzige, was hinhaut, ist die Regelmäßigkeit – ich
vergesse sie fast regelmäßig. Und der Klimaschock vom herbstlichen Oberösterreich
in das tropische Australien wirkt sich immer noch aus. Ich bin ständig
kurzatmig und Füße und Finger sind ziemlich angeschwollen. Aber alles
kein wirkliches Problem. Ganz im Gegenteil: die ersten 24 Stunden an Bord
sind ausgesprochen sanft gelaufen, damit ich mich in Ruhe gewöhnen kann.
Unser erstes Etmal beträgt dürftige 74 Seemeilen (sm).
Den ganzen Tag über treffen wir immer wieder auf lange, schmale Bahnen
mit gelb-braunen Flöckchen oben drauf. Erst einmal vermuten wir, daß
hier wieder ein Dickschiff seine Tanks gereinigt hätte. Doch dann
erinnere ich mich, daß ich ähnliches schon einmal gesehen habe, und zwar
während unseres Frühjahrstörns in der Türkei. Auch damals dachten wir
erst an Umweltverschmutzung großen Stils, bis man uns erklärte, daß es
sich um Blütenstaub von Pinien handelt. Nur sind wir hier inzwischen
mindestens 40 sm von der Küste entfernt. Aber es muß Blütenstaub sein,
der durch Wind und Strom so weit transportiert wird, denn Schiffsverkehr
findet so gut wie gar nicht statt.
Donnerstag, 5.10. – 3. Seetag: flau, flauer, Flaute!
In den gestrigen Abendstunden hatten wir schönen Segelwind, allerdings
genau aus Westen, so mußten wir einige Stunden lang aufkreuzen. Noch während
der Nacht wird der Wind stärker und dreht auf NE, sodaß wir 270 laufen können
und das noch dazu mit gutem speed. Die ganze Nacht geht es recht flott
dahin. Noch vor Sonnenaufgang kommt ein Besucher an Bord – ein
Wasservogel – ca. 50 cm hoch mit langem, spitzem Schnabel und breiten
Schwimmhäuten. Er nimmt auf unserem Bimini Platz, ist recht interessiert,
wie wir langsam aus dem Schlaf erwachen; er ist gar nicht besonders scheu
und läßt sogar zu, daß ich meinen Fotoapparat hole und ihn
fotografiere. Bis zum Frühstück hat er aber scheinbar nicht mehr Zeit
und ist ganz plötzlich wieder weg.
Mit Sonnenaufgang ist auch der Wind wieder weg; wir dümpeln in der Dünung
und die Segel schlagen den Takt dazu. Aber auch dümpeln will ertragen
sein, wie mein Skipper so schön sagt. Und ich bin mir sicher, daß es
noch einmal viel dicker kommen wird und ich mir eine ruhige See wünschen
werde. Da es wieder extrem heiß wird, besteht der Deckanzug wieder aus
Pyjama, Handschuhen und Kappe, weil ich an den Händen schon das verräterische
Jucken einer beginnenden Sonnenallergie spüre. Gerade in einer Flaute
wird man besonders aktiv, weil du dann eigenartigerweise viel weniger Lust
zum Entspannen und Faulenzen hast. Am Vormittag reinigen wir die diversen
Abflüsse in Pantry und Bad. Das ist zwar eine stinkende, unappetitliche
und auch schweißtreibende Arbeit, dafür aber werden wir den leichten
Gully-Mief los, der uns schon seit einigen Tagen auffällt.
Unser Mittagsbesteck setzt uns genau 5 sm westlich von jenem Punkt, den
wir schon um acht Uhr morgens erreicht hatten. Und in diesem Tempo dümpeln
wir weiter – noch 391 sm bis Ashmoor-Reef. Mittlerweilen ist eine
leichte Bewölkung aufgezogen, die die Mittagshitze etwas erträglicher
macht. Und um 15.30 Uhr gibt es ein Briserl, das wenigstens das
grauenhafte Schlagen der Segel beendet. Auch das leise Gurgeln des
Kielwassers ist wieder zu hören, meist allerdings klar übertönt vom
Schnarchen des Skippers. Erstaunlich sind die zwei kleinen Schmetterlinge,
die um unser Boot herumfliegen und kurz darauf beobachte ich auch eine
Libelle, die sich auch einmal kurz im Cockpit ausrastet. Wie können diese
kleinen Tierchen nur solche Strecken zurücklegen? Wir sind ja immerhin
rund 100 sm vom nächsten Land entfernt! Um diese Nachmittagsstunde ist es
auf Westkurs auch fast nicht mehr möglich, ein schattiges Platzerl an
Deck zu finden. Vor allem wenn das Boot aufgrund der geringen
Geschwindigkeit hin- und hergeigt, dann läuft dir auch der letzte kleine
Schatten immer wieder davon. Das Briserl hat auch nur eine halbe Stunde
ausgehalten, dann war schon wieder
Schluß
und so torkeln wir in die Nacht hinein.
Kaum aber ist die Sonne weg, da kommen dunkle Regenwolken näher. Rasch
noch unser Bettzeug wegräumen und dann hört man es schon prasseln, weil
es schon ganz nahe ist. Trotz der Nacht und nur halbem Mond ist es
erstaunlich hell und der Regen schmeckt so süß, weich und warm – wir
genießen ihn richtig, weil mit dem Regen auch Wind kommt und wir endlich
wieder gute Fahrt machen, zwar mehr nach Süd als nach West, aber
immerhin. Der Regen ist dann rasch vorbei, es ist kühl geworden, die
unerträgliche Schwüle ist wie weggeblasen, aber nach der erfrischenden
Dusche braucht man jetzt wieder Kleidung. Bald ist auch das Cockpit wieder
aufgetrocknet und wir können unsere Bettstatt wieder herrichten: noch ein
bißchen Sternderl schauen, und weg! Mit mäßigen und drehenden Winden
„rauschen„ wir durch die Nacht. Ich schlafe wie immer gut und tief,
bin aber doch auch immer wieder munter, um in die Runde zu schauen (ob uns
vielleicht jemand niederführen will), den Kompass zu prüfen und den
Vasco nachzustellen, damit er wieder genau auf Kurs ist bei diesem
drehenden Wind. So macht segeln Spaß und ist ein Kinderspiel.
Freitag, 6.10. – 4. Seetag
Der Wind hält heute bis mittag halbwegs durch, sodaß wir mit 86 sm unser
bisher bestes Etmal verzeichnen. Und heute wird auch das große
Indic-ocean-Schnapserturnier eröffnet. Die Regeln: ein Bummerl geht auf
best of three, der Einsatz ist eine Runde, einlösbar in Malé auf den
Malediven. Jedes Spiel muß eingelöst werden, die Bummerl können nicht
saldiert werden. Am Ende des Tages habe ich den Barkeeper in Malé schon
einmal zwei Runden auf Tonis Rechnung setzen lassen. Was den ehrgeizigen
Skipper zu Überlegungen veranlaßt, was nun mit mir zu tun wäre –
selbst als Fischköder möchte er mich verwenden. Die Nacht wird schlimm,
weil die Flaute andauert und das erbärmliche Schlagen der Segel nicht
aufhört.
Samstag, 7.10. – 5. Seetag: Ein erstes Rekordetmal!
Zum Frühstück gibt es heute deftige Bratkartoffel, Zwiebel, Wurst und
Eier. Toni hat gestern den neuen Ersatzofen ausgepackt, auf dem wir nun im
Cockpit kochen, nachdem auch die zweite Flamme kaputt ging. Eine war
sowieso schon irreparabel, die zweite hat Toni dann mit beträchtlichem
Aufwand hinzukriegen versucht. Trotzdem werden wir den eingebauten Herd
nur mehr als Backofen für das Brot verwenden können. Ich bin schon
gespannt, wie das Kochen im Cockpit bei gröberer See und Krängung
funktionieren soll?
Nachdem die Flaute unverändert anhält, erwarten wir für heute unser
negatives Rekordetmal. Da wir allerdings noch drei Stunden bis Mittag
haben, versuchen wir ein letztes Mal mit Aeolus vernünftig zu reden. Das
hört sich dann in etwa so an: „He,
du altes A..., wenn du glaubst, daß du dieses Etmal vertreten kannst,
dann tu‘ nur weiter so. Uns ist es scheißegal, wir haben Zeit. Aber wir
schreiben’s in die Bücher – ungeschminkt! Und das geht dann ganz
allein auf deine Kappe und wird von der ganzen Welt auch gelesen
werden.„ So und mit weiteren deftigen Drohungen versuchen wir, den
Gott der Winde aus der Reserve zu locken. Gestern haben wir ihn schon für
die nächsten 14 Tage vom Sundowner ausgeschlossen, aber die Sanktionen
scheinen den sturen Hund nicht nachhaltig zu beeindrucken.
Mittags ist es soweit: Toni muss mit 31 sm sein bisher absolut
schlechtestes Etmal verbuchen. Jetzt aber packen wir den Blister aus, für
ca. zwei Stunden mit mäßigem Erfolg und zwei Knoten Fahrt, dann fällt
auch dieses riesige Leichtwindsegel zusammen. Wenigstens aus der Backstube
gibt es Erfreuliches zu berichten: Bäcker Toni hat zugeschlagen. Halb mit
Weizenmehl und halb mit österreichischem Roggenmehl und Brotgewürzen und
erstmalig ohne Sauerteig gibt es hervorragendes frisches Brot. Es wird
noch warm mit Knoblauch-Margarine verzehrt. Allerdings gibt es ein Missgeschick:
Toni beißt sich an einer Kruste eine Plombe aus. Für uns heißt das, dass
wir jetzt Christmas Island anlaufen müssen, weil es nur dort einen
Zahnarzt gibt; Ashmoor-Reef ist ja vollkommen unbewohnt. Irgendwie gefällt
mir diese Nachricht, weil ich mir den Riesen-Schlag von Ashmoor nach
Chagos mit rund 3000 sm eigentlich nicht wirklich vorstellen kann.
Aufgrund der aufkommenden Freude stelle ich bei mir natürlich auch eine
leichte hintergründige Angst fest. Mal schauen, wie ich mich selbst so
weiterentwickle.
Sonntag, 8.10. – 6. Seetag
Während der Nacht hatten wir wieder ganz leichten Segelwind, der uns in
einem Schlag nach Süd, im anderen nach Nord brachte, dem Ziel aber nicht
wirklich nicht näher. Um neun Uhr starten wir dann den Motor, um die
Batterien aufzufüllen und das erbärmliche Etmal so wenigstens auf 42 sm
zu verbessern.
Waschtag ist! Ich packe einmal mein Tubenwaschmittel aus: Handtücher,
T-Shirts, kurze Hose und Deck-Pyjama wollen gereinigt und vor allem vom
Schweiß befreit sein. Toni schaut sich meine Aktion einmal skeptisch aus
der Entfernung an. Ein Kübel mit Meerwasser, ein paar Zentimeter
Waschmittel aus der Tube, Wäsche einweichen, ein paarmal durchdrücken,
nach einer halben Stunde noch einmal und mit frischem Seewasser spülen,
aufhängen, fertig. Nachdem mein Skipper allerdings gesehen hat, wie meine
Wäsche nun an der Reling baumelt und trocknet, bringt auch er seine
verschwitzten Sachen und eine zweite „Trommel„ ist rasch angesetzt.
Ich glaube, seit drei Tagen haben wir kein Schiff mehr gesehen. Auch die
Fische haben sich inzwischen rar gemacht. In der Abenddämmerung kann man
ab und zu ein paar springende Fische beobachten, die wahrscheinlich gerade
von einem Raubfisch gejagt werden. Fliegende Fische fehlen vollkommen,
kleinere Schulen Delfine haben wir zweimal vorbeiziehen sehen. Auch
Wasservögel und Seeschwalben sind rar. Woran liegt das nur? Hat das mit
der Hitze und der Flaute zu tun?
Die Timor-See ist jetzt eher einer Wüste vergleichbar, wenn der Wind so
komplett fehlt. Und trotzdem ist es eine Wüste, in der keine Langeweile
aufkommt; das Auge ist ständig in Bewegung und wenn es auch nur der
ewigen Dünung gilt, die immer wieder in den unterschiedlichsten Formen
und Farben anrennt. Mal hebt sich da ein langgezogener „Hügel„, dann
tut sich dort wieder ein „Tal„ auf, mal ist das Meer fast unbewegt und
glatt, und dann wieder leicht gekräuselt – wie gesagt, es gibt ständig
wechselnde Formen und Farben zu beobachten.
Zimmer, Küche, Kabinett: bei uns spielt sich in Wirklichkeit ja das ganze
Leben im Cockpit ab. Die Räumlichkeiten unter Deck dienen eigentlich nur
als Arbeits- und Lagerbereich: Wäsche, Getränke, Lebensmittel, nautische
Geräte, Tonis Computer, all das liegt mehr oder weniger gesichert unter
Deck. Wenn ich zweimal täglich in meiner Kabine vorbeikomme, um etwas zu
holen oder wegzubringen, dann ist schon alles beisammen. Im Cockpit da
wird gelebt und geschlafen, gegessen, und seit wir den Ersatzherd
einsetzen auch gekocht. Darum ist es auch höchst an der Zeit, mit einigen
Kübeln Wasser und Bürste einmal für Sauberkeit in unserem
Wohn-Schlafzimmer zu sorgen. Für die schmalen Zwischenräume der
einzelnen Teakstäbe verwenden wir eine alte Zahnbürste. Irgendwie ist
mir diese großflächige Reinigung mit diesem Werkzeug aber in sehr
negativer Erinnerung. Aber schon nach kurzer Zeit schaut unser Lebensraum
wieder recht manierlich aus und wir brauchen uns nicht zu schämen, sollte
vielleicht überraschender Besuch kommen.
Das
lässt die Timor-See nicht auf sich sitzen, dass es hier keine Fauna gibt.
Kaum geschrieben, beobachten wir zahlreiche Quallen (Portugiesische
Galeere): Die größeren sind ca. 15 cm im Durchmesser, rostbraun mit
einem roten Kreuz. Und als wir gerade wieder beim Abkühlen auf der
Plattform sind, tauchen plötzlich zwei junge einmetrige Haie in unserem
Kielwasser auf. Sie sind höchst interessiert und nachdem ich meine
(stinkenden?) Füße aus dem Meer heraushabe, kommen sie auch ganz nahe an
die Plattform heran, sodass wir sie auch fotografieren können. Eine
Viertelstunde verfolgen sie uns, dann sind sie weg. Jetzt setze ich meine
Dusche fort, allerdings mit genügend Respekt, die Füße nicht ins Wasser
baumeln zu lassen und immer mit einem vorsichtig sichernden Blick in die
Runde. Und tatsächlich, kaum bin ich zurück an Bord, sind auch die
beiden Nachwuchshaie wieder da. Einige Male sichten wir dann auch noch große
Schildkröten in einer Entfernung von 30 bis 40 m vom Boot. Näher lassen
sie uns nicht heran und tauchen sofort ab.
Wie immer gibt es nach Sonnenuntergang eine leichte Brise, mit der wir fröhlich
in die Nacht gehen und, wie fast immer, schläft die Brise dann bald ein,
und mit der Begleitmusik der schlagenden Segel schlafe ich mehr schlecht
als recht.
Montag, 9.10. – 7. Seetag: Neuer Kurs Christmas Island
Aufgrund der nach wie vor lausigen Etmale müssen wir Ashmoor-Reef
streichen. Da ein Tauch- und Schnorchelaufenthalt auch zwei bis drei Tage
in Anspruch nimmt, wir aber jetzt Christmas Island anlaufen müssen, wo
wir auch zumindest drei Tage Aufenthalt kalkulieren müssen, wird dann die
verbleibende Gesamtzeit schon knapp. Man kann eben nicht alles haben.
Nachdem ich aber kein Taucher bin, hält sich mein Schmerz in Grenzen. Und
in Christmas Island habe ich eventuell die Chance auf Internet und damit
auf heimatlichen Kontakt. Und wie mir Toni gerade sagt, gibt es von dort
auch 14-tägige Flüge nach Singapur. Was will er mir damit wohl sagen?
Nach der heutigen Position haben wir noch rund 1.300 sm bis Christmas
Island. Sollte sich Aeolus ab sofort wesentlich bessern, könnten wir um
den 21.10. dort sein.
Dienstag, 10.10. – 8. Seetag: ein neues Rekordetmal
Eine Woche auf See, genauer gesagt in der Timor-See, die sich von Darwin
im Osten bis Ashmoor-Reef und Hibernian Reef im Westen über ca. 500 sm
Ausdehnung erstreckt. Die Timor-See ist ein flaches Meer mit Tiefen unter
100 m und erst nach den beiden Riffs beginnt der Indische Ozean und damit
auch der Übergang zu großen Meerestiefen. Eine Woche auf See, Zeit für
eine kleine, erste Rückschau:
Nachdem wir uns nach einer Woche noch immer in der Timor-See befinden, ist
über die schwachen Winde und Flauten auch schon alles gesagt. Mehr als
einen schwachen 3er für ein paar Stunden konnten wir bisher noch nicht
verbuchen. Unser Wochenetmal von rund 370 sm ist nicht viel besser als so
mancher starke Urlaubstörn, wo man allerdings praktisch jeden Abend in
einem Hafen anlegt. Aber, was soll’s, wie sagt Skipper Toni so richtig: „Flauten gehören ebenso zum Segeln und wollen ertragen sein!„
Was also treiben wir so den ganzen Tag?
Hier
ein typischer Tag auf der Serengeti:
Ein Tag auf See
Tagwache ist so zwischen halb sieben und sieben, jedenfalls bald nach
Sonnenaufgang (unsere Bordzeit ist noch immer Darwin-Zeit, und darum geht
die Sonne auf Westkurs natürlich alle Tage ein bißchen später auf).
Toni und ich haben kulinarisch keine besonderen Vorlieben und daher auch
kein Problem (das hängt natürlich auch damit zusammen, daß wir Männer
halt sowieso nicht verwöhnt sind).
Also, zum Frühstück gibt es Nescafé mit Milchpulver und Zucker, Tonis
selbstgebackenes Bordbrot, Margarine, Käse(Toast)scheiben, Salami aus
Australien, Marmelade aus Fidji oder Honig aus Panama. Ab und zu gibt es
auch deftige Rühreier mit Speck aus dem Gailtal. Wir essen ausreichend
und unwahrscheinlich international. Nach dem Frühstück und Abwaschen
wird meist noch ein wenig nachgemützelt. Es folgt die Körperpflege:
Duschen auf der Plattform mit Meerwasser, Zähneputzen mit Süßwasser.
Flautentage haben keinen Wind, kein Wind wieder heißt, daß die Sonne
noch erbarmungsloser herunterknallt. Mein Decksanzug besteht dann aus dem
Pyjama, den Handschuhen und dem Kapperl.
Vormittag ist auch die beste Zeit für kleine Reparaturarbeiten, die auch
immer wieder anfallen: Schlafsack ausbessern und nachnähen, Ofen
reparieren, usw. Die Arbeit nimmt aber nicht wirklich überhand, wenn ich
auch immer wieder einmal aufgrund der Skipper‘schen Schikanen nach der
Seefahrergewerkschaft schreie. Oft diskutieren wir am Vormittag recht ausführlich
über ein aktuelles Thema (oder das, was für uns eben aktuell ist!). Österreichs
Politik und Wirtschaft kommt auch nicht zu kurz. Oder, es läuft einfach
der Schmäh. Zu den wichtigeren Arbeiten zählen noch Tagebuch führen und
Wäsche waschen. Wir haben rund 20 l Sirup mit Orangen-, Zitronen- und
Limettengeschmack gebunkert, weil man mit mindestens 2,5 l Flüssigkeit
pro Tag und Person rechnen muß. Alkohol spielt keine wirkliche Rolle,
aber 5 bis 6 Flaschen Saft pro Tag verbrauchen wir schon. Auch Radler
(australisches Foster-Bier und Sprite) ist ein beliebtes Getränk tagsüber
und zwischendurch. Da wir keinen Kühlschrank haben, ist mir persönlich
das Bier zu warm, um es pur zu trinken, als Radler bin ich aber auch gerne
dabei. Auch das Frischwasser aus dem Tank ist mit wenig Sirup hervorragend
zu genießen, ohne Sirup ist der Tankgeschmack nicht zu verleugnen.
Der Lunch muß schnell gehen, gesund sein, und nicht allzu viel:
Business-Lunch für moderne Seefahrer halt! Etwas Saures oder ein
Fruchtsalat ist mehr als genug. Denn wichtiger ist die Jagd nach dem
Schatten, dem wir zwischen 11 und 5 Uhr intensiv frönen. In der prallen
Mittagssonne ist es einfach nicht auszuhalten und auch gefährlich. Auch
am Duschdeck ist es nicht wirklich besser, wenn das Wasser um die 30 Grad
C hat. Besonders die Nach-mittagsstunden zwischen 2 und 4 sind für mich
besonders anstrengend, da bin ich schon spürbar kurzatmig, auch ohne große
körperliche Aktivitäten. Am Programm steht daher lesen, schreiben oder
ein kleines Nickerchen. Um 5 ist die Sonne dann schon so tief, daß man
sie wieder halbwegs vertragen kann. Wir machen dann zB. ein Bummerl, wobei
das Ergebnis gleich direkt dem Barkeeper in Malé zugerufen wird, damit er
die einzelnen Runden schon einmal vorbereiten kann. In 5 bis 6 Wochen sind
wir ja schon da!
Eine Alternative ist einfach Natur schauen. Zuschauen, wie die Sonne
langsam vor dem Bug versinkt, ist immer wieder ein faszinierendes
Schauspiel, so kitschig, so schön. Oder Tiere beobachten: Quallen und
Seeschlangen sind momentan recht zahlreich, Schildkröten sind wunderschön
und ebenso scheu. Oder noch einfacher: nur Meer beobachten. Obwohl ich
seit einer Woche nur Wasser sehe, wird es nie langweilig, es ist ständig
was los!
Abendessen wird so um 7 serviert. Abends gibt es immer was Warmes und wir
haben auch erstaunlich viel Abwechslung. Einfache Gerichte, die uns aber
immer schmecken. Und: es wird so gut wie alles verwertet, kaum einmal daß
etwas als Fischfutter entsorgt wird. Auch während des Essens lassen wir
gerne den Schmäh laufen oder diskutieren ernsthaft über ein aktuelles
Thema. Schon bald nach Einbruch der Dunkelheit um 8 Uhr richten wir unsere
Betten im Cockpit her. Elektrisches Licht gibt es aus Strom-Spargründen
nicht, d.h. noch ein wenig Himmel und Sterne schauen, ein bißchen
quatschen oder auch nur den eigenen Gedanken nachhängen, was mir
besonders viel Vergnügen bereitet. Und jede Wette: um halb zehn oder zehn
bist du dann im Land der Träume. Allerdings sind wir des Nachts immer
wieder munter, um Kurs und Wind zu kontrollieren. „Gute Nacht, Toni„
– „Gute Nacht, Rudi„ heißt es dann, bis zum nächsten Segelmanöver
oder bis zum nächsten kitschigen Sonnenaufgang.
Das negative Rekordetmal: unvorstellbare 12 Seemeilen in 24 Stunden! Dabei
haben wir in der zweiten Nachthälfte sogar ein kleines Briserl gehabt,
allerdings genau nach Süden. In der Morgendämmerung dreht das Lüfterl,
wir fahren eine Wende und in der Folge wieder genau nach Norden. Ja; und
so kommt dann eben ein Etmal wie dieses heraus. D.h., daß wir mit einem
halben Knoten Geschwindigkeit am Weg sind oder für Landratten: nicht
einmal 1 km/h im Durchschnitt. Jeder Spaziergänger hätte uns locker überholt,
sogar Schwimmer hätten eine realistische Chance. Dazu kommt noch, daß
wir heute auch die Bordzeit angepaßt haben, und die Uhr um eine Stunde
zurückgestellt wurde. Man könnte auch sagen, wir tricksen mit allen
Mitteln, und machen sogar den Tag um eine Stunde länger, um nicht ein
neuerliches Rekordetmal verzeichnen zu müssen.
Mittwoch, 11.10. – 9. Seetag: Öl in der Timor-See
Letzte Nacht haben wir alle Segel weggenommen, um wenigstens etwas ruhiger
schlafen zu können. Das nervtötende Segelschlagen sind wir los geworden,
doch die Dünung hat uns noch lange von einer Seite auf die andere
geworfen. Diesige Sicht und ölig-glatte See, nach dem Frühstück wird
der Motor angeworfen, diesmal nicht nur zum Batterieladen, sondern um
wenigstens ein paar Meilen nach West zu machen.
Kurz nach Mittag kommen die beiden Ölplattformen in Sicht. In sicherer
Entfernung zu beiden nehmen wir die Durchfahrt, und schon fast nicht mehr
erwartet, regt sich ein leichter SE. Sofort Segel rauf und Motor aus und
ab 14.30 Uhr wird wieder einmal gesegelt. Wie lange diesmal? Nachdem es
heute auch bewölkter und nicht so drückend heiß ist, kann man auch
hoffen, daß der Wind eher durchsteht. 16.00 Uhr: der Wind beginnt schon
wieder zu schwächeln, Vasco allein kann den Kurs nicht halten. Seit
vielen Tagen spüren wir erstmalig wieder andere Menschen innerhalb
unseres Horizontes, als ein Versorgungsdampfer von der einen Plattform
ablegt und die südliche ansteuert.
Am späten Nachmittag können wir das Leben und Sterben im Meer
beobachten. Ganz plötzlich beginnt eine Fläche von ~ 100 m² zu kochen,
weil unzählige Fische immer und immer wieder aus dem Wasser springen. Das
ist dann ein untrügliches Zeichen dafür, daß Raubfische – Haie - in
den Schwarm eingedrungen sind und gerade Mahlzeit halten. Und wenn man
vorher in der ganzen Runde weit und breit keinen Vogel gesehen hat, jetzt
sind sie plötzlich alle da, ziehen ihre engen Kreise über dem brodelnden
Geschehen. Immer wieder tauchen sie auf die Wasserfläche herunter, und
holen sich ihren Anteil ab. Das ganze Spektakel dauert nur wenige Minuten
und bald darauf beginnt es an anderer Stelle zu kochen.
Donnerstag, 12.10. – 10. Seetag: Backtag und Obstsalat by
Rudi
Es ist schon richtig fad, davon zu berichten: die abendliche Brise ist
bald wieder sanft eingeschlafen. Nach einer entsprechend ruhig –
unruhigen Nacht sind wir schon früh munter. Am nördlichen Himmel machen
wir drei Segel aus, die möglicherweise auch Westkurs laufen, bald aber in
der Kimm verschwinden.
Heute morgen beobachten wir besonders viele Delfine, die Ostkurs gehen;
Quallen und Seeschlangen haben wir seit zwei Tagen nicht mehr gesehen.
Vielleicht auch ein Zeichen, dass wir uns dem großen und tiefen Indischen
Ozean nähern. Die Riffe Ashmoor und Hibernian liegen jetzt noch etwa 100
sm voraus; und diese bilden ja die westliche Grenze der Timor-See. Ein
weiteres Indiz ist, daß die Wassertiefe nun konstant zunimmt und ab den
Riffs dann praktisch schlagartig auf einige tausend Meter abfällt.
Die drei Segler beobachten wir noch bis Mittag, allerdings nicht mehr
querab im Norden, sondern achteraus im NE sichten wir sie letztmalig. Das
heißt nicht mehr, als daß wir sie klar „ausgesegelt„ und besiegt
haben, denn wir befinden uns nach wie vor auf Kurs 280 mit kleiner (aber
doch) Fahrt voraus.
15.00 Uhr: heute war auch Backtag. Toni hat zwei kg Weißbrot produziert,
ich habe zu unserem etwas verspäteten Mittagessen die ebenso
hervorragende Knoblauchmargarine und geschnittenen Zwiebel beigetragen. Außerdem
habe ich die Salami und eine Flasche Radler vorbereitet. Man sieht schon
wieder an der Aufgabenteilung, daß du als Crew immer ein armes Schwein
bist. Dieses selbe und der „wirkliche Meister-Skipper„ liegen nun wie
die faulen Fliegen im Cockpit und verdauen und sind mit sich und der Welt
verdammt zufrieden.
Denn als Draufgabe sozusagen, fahren wir bereits seit dem frühen
Vormittag unter Segel und noch dazu genau dorthin, wohin wir auch wollen.
Der SSW bis S ist zwar nur ein bescheidener 2er, dafür aber wenigstens so
konstant wie schon fast eine Woche nicht mehr.
Gestern hat es ja frischen „Obstsalat by Rudi„ gegeben. Erstens habe
ich viel zu viel gemacht und zweitens ist mir wohl die Rumflasche etwas
ausgekommen. Jedenfalls war das Ding eher auf der starken Seite. Gut war
er trotzdem, nur Toni ist den ganzen Nachmittag nicht mehr so richtig er
selber geworden. Den spärlichen Rest des „Teufels-Punsches„, wie ihn
Toni bezeichnete, hat es nun heute als Dessert gegeben. Ich finde, er war
köstlich und die Früchte gerade richtig durchgezogen. Toni hat es gleich
wieder umgeworfen. Prächtig hat er den halben Nachmittag verschlafen.
17.00 Uhr: die ganze Segelherrlichkeit auf Erden. Wie auf Schienen fahren
wir mit vier Knoten exakt nach Westen. Nur selten muß ich Vasco ein wenig
unterstützen, die Sonne beginnt zu sinken, Toni schläft noch immer;
leise und gleichmäßig murmelt das Kielwasser. Meine Gedanken sind weit,
dort bei der untergehenden Sonne, entlang dem goldenen Streifen, den sie
hier auf dem Meer hinterlässt und der genau im Bug der Serengeti endet.
Und am anderen Ende dieses Goldstreifens bist du – Gerti – bist du –
mein Zuhause. Und ich denke in ganz warmen Farben und hellen Tönen. Alles
ist irrsinnig harmonisch, genauso wie unsere Liebe (wenn wir sie nicht
gerade durch irgendwelche Äußerlich- oder Kleinlichkeiten stören). Es
ist ein unglaublich schönes Gefühl, so weit von zu Hause zu sein und
doch genau zu wissen, wo es ist. Und so muss ich wohl zur Kenntnis nehmen,
niemals ein Seemann wie Beryl Markham zu sein, der sagte:
„Like all the oceans, the Indian Ocean seems never to end, and ships,
that sail on it are small and slow. They have no speed, nor any sense of
urgency; they do not cross water, they live on it until the land comes
home„ (Wie alle Ozeane scheint der Indische nie aufzuhören. Schiffe,
die ihn befahren, sind klein und langsam. Sie haben weder eine
Geschwindigkeit noch gar eine Dringlichkeit. Sie überqueren nicht das
Wasser, sie leben darauf, solange - bis das Land heimkommt.)
Macht mir aber überhaupt nichts. Ich bin froh und dankbar, wenigstens so
viel Seemann geworden zu sein, um die Schönheit und Langsamkeit, die
Ewigkeit und Bedeutung des Meeres sehen und spüren zu können. Vieles in
meinem Leben und meinem Umfeld sehe ich heute anders, viel mehr schon mit
Rainhard Fendrich, wenn er singt:
„Vü, vü, schena is des G’füh, waunn i a Liab gspiar – in mia,
vü,
vü, wärma als de Sunn mi wärma kaunn, is ma daunn!„
Diese Zeilen schreibe ich um 1.30 Uhr während meiner Nachtwache; wir stürmen
mit 6 kn dem Indik entgegen und der Vollmond steht gerade über mir. Bei
uns hat soeben Freitag, der 13.10. begonnen. Du, Gerti, hast gerade deine
Kellerbar aufgesperrt. Wenn ich dann um 3.00 Uhr Toni wecke und selbst
schlafengehe, ist bei dir wahrscheinlich gerade highlife. Und um ½ 6
werde ich dann im Morgengrauen munter, wenn deine letzten Kurgäste gerade
gegangen sind, dann schlafe ich halt noch einmal ein. Um 8.00 Uhr ist dann
für mich endgültig Tagwache, du sperrst wahrscheinlich gerade zu und fährst
(hoffentlich) vorsichtig nach Hause.
Freitag, 13.10. – 11. Seetag: Wale an Steuerbord voraus
Ein wahrlich historischer Tag auf der Seereise der beiden crazy Austrians:
Der SW-Wind hält weiter durch, sodaß wir heute definitiv die Timor-See
verlassen und in den großen Indischen Ozean eintauchen. Zum
Mittagsbesteck liegen die beiden Riffs Ashmoor und Hibernia querab.
Bis Christmas Island sind es noch exakt 1000 Seemeilen. Daß dem wirklich
so ist, verdanken wir allerdings einer Neueinstellung des GPS. Toni
wunderte sich schon immer, daß GPS- und die Kartenangaben meist um bis zu
15 % differierten. Mein Hinweis, daß möglicherweise statt Seemeilen
Landmeilen gespeichert sind, macht ihn stutzig. Es wird die
Betriebsanleitung konsultiert, und siehe da, schon bald drauf passen Karte
und GPS wieder perfekt zusammen.
Kurz nach mittag kreuzt eine Walfamilie unseren Kurs. Erst haben wir sie
Stb voraus, die Kameras bereit, aber kaum sind wir nahe genug, korrigieren
sie ihren Kurs, und sie tauchen erst wieder Bb achteraus auf – leider
nicht nahe genug für unsere dürftigen Kameras. Es sind etwa 10 Wale mit
einem Schädel, der den Pottwalen ähnelt, ganz dunkel und deutlich größer
als Delfine.
Der Indik läßt uns wieder Freude am Segeln finden. Schon seit Stunden
rauschen wir mit 7 kn am Wind genau nach Westen. Vasco arbeitet perfekt
und braucht nur selten eine kleine Korrektur. Allerdings muß ich mir für
die Nacht noch etwas einfallen lassen. Die Krängung ist jetzt doch so
stark, daß mich meine schiefe Bank in Luv sicher abwerfen wird.
Samstag, 14.10. – 12. Segeltag
148 Seemeilen – Rekord! Die ganze Nacht sind wir mit 7 kn unterwegs und
immer genau auf Kurs. Die Krängung war dann doch nicht so schlimm, sodaß
ich mit einem behelfs-mäßigen Lee-Bändsel das Auslangen gefunden habe
und nicht unsanft aus meiner Koje befördert wurde. Trotzdem ich sehr gut
geschlafen habe, bin ich ständig müde. Am Vormittag habe ich schon ein
Nickerchen gemacht und jetzt werde ich mich auch gleich einmal abmelden.
Es geht mir nicht gut; ich glaube, ich habe einfach zu viel Sonne
erwischt. Ich mag nicht essen, leichte Kopfschmerzen und ständige Müdigkeit
sind die Folge. Also, sollte ich wieder ein bißchen besser aufpassen, vor
allem weil man bei Wind die Kraft der Sonne schnell unterschätzt.
Kurz vor Sonnenuntergang hat uns eine Schule Delfine entdeckt. Sie spielen
mit unserem Boot eine Viertelstunde intensiv: rund 1 Dutzend dieser
lachenden Säugetiere springen oft zwei bis drei Meter aus dem Wasser
heraus, meist paarweise und absolut synchron. Toni fotografiert, was die
Kamera hält, ich bin so fasziniert, daß ich glatt vergesse, die Kamera
zu holen.
Sonntag, 15.10. – 13. Seetag: Traumbuchsegeln
Seit mehr als drei Tagen ziehen wir nun schon auf Steuerbordbug exakt nach
Westen. Ganz selten und nur geringfügig müssen die Segel und die
Windfahne etwas nachgestellt werden. Mit einem Wort: es ist nichts zu tun
an Bord und die Mannschaft ist in bester Laune. Essen, Körperpflege und
lesen heißen die wichtigsten Tagesaktivitäten. Schnapsen geht nicht
mehr, weil Toni endgültig das Handtuch und die Karten geschmissen hat,
nachdem er die fünfte Niederlage en suite kassiert hat. Das hat natürlich
ausschließlich mit meinem Glück zu tun; daß ich vielleicht besser
spiele, läßt er nie und nimmer gelten.
Ein Tanker hat sich heute kurz am Horizont gezeigt, und uns wieder einmal
daran erinnert, daß wir doch nicht ganz allein sind auf dem weiten Ozean.
Er kam von Norden aus den indonesischen Inseln und nahm dann Kurs Ost nach
Australien.
136 sm zeigt das GPS als heutiges Etmal – wunderbar! Wenn der Wind so
weiter durchhält, dann können wir Christmas Island bis Freitag schaffen.
Aber nur einen halben Tag Flaute, und wir schaffen es nicht mehr vor dem
Wochenende. Dann müssen wir halt zu höheren Gebühren einklarieren.
Aber, was soll’s, erstens kann noch viel passieren bis Christmas und
zweitens müssen wir es sowieso nehmen, wie es kommt. Jedenfalls befinden
wir uns auch gerade über dem tiefsten Punkt des Indik: 7.014 m Wasser
haben wir unter dem Kiel. Eine sehr große und doch unbedeutende Ziffer,
weil es keinen Unter-schied macht, ob das Meer jetzt 200 m oder 10.000 m
tief ist.
Montag, 16.10. – 14. Seetag: Regen und die 1000. Seemeile
Morgens um sechs Uhr setzt leichter Regen ein. Rundherum ist es bewölkt
und von E / SE kommt eine Front auf. Der Wind legt zu, als die Front drüberzieht,
wird aber nicht stärker als 5 bis 6 bft. Hinter der Front setzt relativ
starker Regen ein, der ungefähr zwei Stunden dauert. Danach haben wir
variable, schwache Winde. Um zehn Uhr wird der Motor gestartet, weil
sowieso auch die Batterien geladen werden müssen. Mittags verbuchen wir
mit 155 sm ein neues Rekordetmal seit Darwin. Mit der Freude lebt auch die
Chance auf, Christmas Island noch vor dem Wochenende zu erreichen. Noch
sind es knapp 600 sm.
Während des Regens hatten wir backbord querab ganz plötzlich einen Wal
mit 6 – 7 m Länge, der sich regelrecht dem Süßwasser entgegenreckt
und damit ganz spektakulär bis zur Hälfte aus dem Wasser kommt. Als wir
dann endlich auf Fotodistanz heran sind, taucht er leider ab.
Im Laufe des heutigen Tages werden wir auch unsere 1.000. Seemeile
abspulen; wir haben allerdings auch schon den 14. Tag auf See. Keine
berauschende Leistung also, wenn man sich allerdings die tristen
Flautentage vergegenwärtigt, dann ist man schnell wieder zufrieden. Und
Bali haben wir heute auch querab; allerdings gut 200 sm entfernt – keine
Gefahr also für die balinesischen Schönheiten und unsere eigenen
zuhause!
Toni hat sich Palatschinken gewünscht, die ich auch super hinkriege (weil
ich mich an Co-Smutje Rainers Weisheit erinnere, dass Teig und Smutje
mindestens eine Stunde ruhen müssen!). Großes Lob also von der ganzen
Mannschaft, außer vom Smutje des Tages, dem ist nämlich von der Hitze in
der Pantry schlecht geworden und hat keinen Appetit.
Mit der Dunkelheit kommt die nächste Störungsfront. Kaum haben wir
unsere Betten gerichtet, beginnt es zu regnen. Flucht nach unten ist
angesagt. Ein komisches Gefühl, nach zweieinhalb Wochen erstmalig wieder
in der Koje zu schlafen. Es ist mir auch viel zu heiß und die
Schiffsbewegungen sind hier auch ganz ungewohnt. Der Regen ist bald vorbei
und ich ziehe wieder in mein gewohntes Bett im Cockpit. Mit fast
unglaublichen 7 bis 7,5 kn nur unter Genua rauschen wir durch die Nacht
– genau nach Westen! Um ca. zwei Uhr erwischt mich wieder der Regen und
diesmal bleibe ich dann unten in meiner Koje. Ich stehe zwar ein paarmal
auf, um Ausguck zu gehen, geschlafen wird jetzt aber unten.
Dienstag, 17.10. – 15. Seetag: eine nächtliche
Fischerflotte
Nachdem wir nächtens bei vier bis fünf beaufort schon fast geflogen
sind, wird es vormittags klarer und ruhiger. Mich hat eigentlich überrascht,
daß die Wellen in diesen Störungsfronten nicht höher wurden. Ich kann
nicht gut schätzen, aber 2 bis max. 2 ½ m dürften die größeren Wellen
gewesen sein. Als der Wind sich dann bei drei bft. einpendelt, setzten wir
auch wieder das Groß.
Ein richtig fauler Tag: Frühstück, dann ein bißchen lesen, ein wenig
schlafen, Mittagessen, ein bißchen lesen, ein wenig schlafen!
Ofenhuckertag würden wir zuhause sagen, weil heute auch kein Badewetter
ist. Inzwischen ist es ganz bewölkt, angenehm kühl, kein Regen und etwa
3 bft. Wind. Seit dem Mittagsbesteck sind wir wieder ganz toll unterwegs
– das GPS meint als Hochrechnung, wir wären schon Donnerstag abend in
Christmas. Allerdings nur dann, wenn wir weiterhin mehr als 8 kn speed
machen, was natürlich nicht realistisch ist.
Es ist schon einige Zeit her, daß wir den letzten Schiffskontakt hatten.
Heute aber soll es anders kommen. Mit dem Dunkelwerden ist es heute
richtig finster. Total bewölkt sind Mond und Sterne nicht sichtbar. Nur
das Plankton in der Bugwelle und im Kielwasser fluoresziert wie noch nie.
Wie ein Weihnachtsbaum voller Wunderkerzen zieht die Serengeti durch die
Nacht. Dann plötzlich ein Lichtschein achteraus – für den Mond zu früh
und auch zu tief – was ist es dann? Ein zweiter Schein an Steuerbord auf
zwei Uhr, dann ein dritter und vierter ebenfalls an Steuerbord, was ist
denn da los? Fischerboote? Wir befinden uns südlich von Java, gut 200 sm
von der Küste entfernt, wohl etwas zu weit für die indonesischen
Fischer, oder? Inzwischen sind es sieben Lichter, die in recht gleichmäßigen
Abständen und ähnlich starker Leuchtkraft unser Boot von recht voraus
bis recht achteraus über die ganze Steuerbordseite abdecken. Wir wissen
zwar genau, wo wir sind, doch sicherheitshalber mache ich einen GPS-Check.
Beim Blick auf die Karte fällt mir dann der Kontinentalschelf auf; etwa
10 sm nördlich von uns steigt der Indische Ozean von sechs- bis
siebentausend Meter Wassertiefe auf sechs- bis achthundert an. Und diese
Abbrüche sind bekanntlich immer die fischreichsten Gebiete – also haben
wir es offen-sichtlich mit einer organisierten Fischfabrik zu tun, die aus
mehreren Schiffen besteht. Offen bleibt nur die Frage, ob es indonesische
Fischer oder vielleicht eine jener berüchtigten japanischen Fischflotten
ist, die überall auf der Welt das Meer leermachen. Gegen Mitternacht
haben wir dann das letzte Licht achteraus und der Indik und die Nacht gehören
wieder uns allein.
Mittwoch, 18.10. – 16. Seetag: ein Rekordetmal von 184
sm!
Nach zwei Tagen mit mehreren Störungsfronten wird es heute wieder
makellos schön, sommerlich und tropisch warm. Ich ziehe aus meiner Koje
wieder ins Cockpit, was gleich auch mit einem großen Zusammenräumen
verbunden wird. Und wenn wir schon dabei sind, dann machen wir auch gleich
einen Waschtag, damit ich in Christmas Island genü-gend frische Socken
habe (hahahaha!) Aus den Tiefen der Bilge werden Sprite und Sirup
hervorgeholt. Mit all diesen Arbeiten geht der Vormittag rasch vorbei.
Mittagsbesteck: gigantische 184 sm zeigt das GPS an, das ist absoluter
Serengeti – Rekord, und entspricht einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit von acht Knoten in den letzten 24 Stunden. Für ein 38 Fuß
– Boot ist das ein ganz hervorragendes Ergebnis. Wir freuen uns natürlich
riesig, und feiern das mit einem kleinen mittäglichen Whisky – jetzt
haben wir noch weniger als 300 sm bis Christmas und mehr als zwei Tage
Zeit – da dürfte also nichts mehr passieren, daß wir noch am Freitag
einklarieren können.
Donnerstag, 19.10. – 17. Seetag: die Serengeti – ein
Beauty-Studio
Heute morgen sind es noch rund 160 sm. Wir werden also morgen früh den
Landfall haben. Der Skipper ist schon nervös und beginnt bereits um acht
Uhr mit den Schönheitsarbeiten: rasieren und Morgenschiß bis neun,
anschließend duschen und Haare waschen (mit Schuppenshampoo!) bis zehn.
Sein Kommentar dazu: „Es ist verdammt hart, der schönste zu sein!„ Da
fällt mir doch mindestens einer in der Crew ein, der locker schöner ist.
Jedenfalls folgt dem anstrengenden Teil trocknen und Sonne liegen, weil
die Vormittagssonne ja so gut für den Teint ist, gefolgt von
umfangreichen Schmier- und Eincremearbeiten am ganzen Körper. Dazu
verwendet der vorsichtige Skipper „Best for Babies„ von Johnston &
Johnston.
Fairerweise sei angemerkt, daß sich die Crew nicht minder eitel zeigt und
ebenso rasiert, wäscht und schmiert. Schließlich steht nicht nur der
Landfall bevor, sondern für heute abend ist auch die Wahl des Mr.
Serengeti angesagt (20.00 Uhr, live im Cockpit). Gewählt wird in zwei
Kategorien: Offiziere und Crew. (Das war die einzige Möglichkeit, Mord
und Totschlag schon im Vorfeld zu verhindern). Eine internationale und
fachkundige Jury wird noch gesucht.
Unser Mittagsbesteck meldet 145 sm und noch 144 verbleibende Meilen bis
Christmas Island. Hocherfreut nehmen wir zur Kenntnis, daß wir morgen
mittag auf jeden Fall schon ein kühlews Bier genießen werden. Doch so
ist es eben auf dem großen Meer: kaum gefreut, schläft der Wind ein.
Eine Zeitlang erfreue ich mich noch an der ungewöhnlichen Dünung mit
drei bis vier Meter hohen Wellen, die aber sehr lang und etwa 60 bis 70
Meter voneinander entfernt sind. Ganz weich und sanft ziehen immer wieder
neue Wellenberge auf und ebenso überrascht schaust du gleich darauf
wieder in ein neues Wellental. Ich könnte stundenlang zuschauen.
Die Batterien sind zu laden und wir wollen morgen an Land, darum wird ab
15.00 Uhr Motorboot gefahren; jetzt darf wieder einmal Gusti, der Eiserne,
Verantwortung und das Steuer übernehmen. Der Sundowner fällt heute auch
etwas stärker aus und das Abendessen Makkaroni mit einer g’schmackigen
Speck- und Gemüsesauce und Salat ist exzellent. In Vorfreude auf den
morgigen Landfall fällt alles leichter und die Stimmung ist ganz locker
und überaus gut. Nur der Motor stört ein wenig, obwohl er nicht sehr
laut ist und auch wenig vibriert, wie ich es auf so manchem Charterboot
schon erlebt habe.
Freitag, 20.10. – 18. Seetag: Landfall in Christmas
Island
Gleich die schlechte Nachricht vorweg: um halb acht Uhr morgens haben wir
immer noch 57 sm bis Christmas Island, wir machen gerade 4 kn Fahrt unter
Motor, weil es so gar kein bißchen Windunterstützung gibt. Aeolus, der
alte Windbeutel, sitzt da oben, und tut wohl alles, daß ihm ja keiner
auskommt. So werden wir auch heute nicht rechtzeitig genug einlaufen können,
und die australischen Gebühren sind schon ohne Aufschläge ganz schön
geschmalzen. Aber, was soll’s, wir müssen’s nehmen, wie es kommt.
Gestern abend haben wir sogar vergessen, den Mister. Serengeti zu wählen.
Wohl auch deswegen, weil uns die internationale Jury im Stich gelassen hat
(die haben wahrscheinlich ein Segelboot gesucht und uns auf dem
Motorsegler wahrscheinlich nicht erkannt). Jedenfalls wird beim Frühstück
einstimmig beschlossen, daß die Crew den Mr. Serengeti der Offiziere wählt,
und die Offiziere den Mr. Serengeti der Crew. Nach hochoffizieller
Beratung wird das Ergebnis lautstark bekanntgegeben:
Kategorie Offiziere: 1. und Mr. Serengeti ist ---- Tooooniiiiiiii
Booooziiiiiiiic!
Kategorie
Crew: 1. und Mr. Serengeti ---- Ruuuudiiiiii Diiiiiethaaaaaaaart!
Wenn auch das Ergebnis keine wirkliche Überraschung bringt, so darf man
schon gespannt sein, wie die Damen auf Christmas Island so viel geballte
Schönheit aufnehmen werden.
Nachdem noch kein Land in Sicht ist, und der Landfall noch ein paar
Stunden weit weg, ist ausreichend Zeit, für ein kleines
Resumée der ersten Langfahrt
18 Tage auf See und 1500 Seemeilen im Kielwasser sind für mich doch eine
absolute Premiere. Was also hat mich überrascht, was habe ich mir doch
anders vorgestellt?
1.
Die
friedvolle See
Als wollte mir der Ozean den Einstieg besonders leicht machen, hatten wir
ausschließlich Leichtwind mit zwei bis vier beaufort. In und nach den Störungsfronten
gab es 4, manchmal bis 5 bft. Aber starke Winde oder gar Sturm hatten wir
bisher keinen abzureiten.
2.
Der
Kampf in der Flaute
Mit insgesamt sechs aufeinanderfolgenden Tagen mit jeweils weniger als 40
sm Etmal wurde es uns nicht leichtgemacht. Das Schlagen der Segel zerrt
recht rasch an den Nerven. Tonis positive Einstellung „Auch Flauten müssen
ertragen werden„ hilft halt auch nur in gewissen Grenzen. Schlußendlich
ist eine Flaute Psychoterror pur!
3.
Die
Psychologie an Bord
Ich bin sehr froh, daß wir uns vorher wenigstens von einer gemeinsamen
Segelwoche gekannt haben und grundsätzlich über viele positive
Eigenschaften des anderen Bescheid gewußt haben. Auch die Hierarchie war
immer klar: auf der einen Seite der wirkliche Meister-Skipper, und auf der
anderen das arme Deckschwein (kleiner Scherz). Wir hatten wirklich nie Mißstimmung,
Ärger oder gar Streit. In der ersten Woche, während der Flautentage, ist
der Macho-Skipper manchmal durchgeknallt, der sich selber immer rasch
wieder zurückgenommen hat. Und je besser ich mich eingelebt hatte, umso
freundschaftlicher wurde auch die Beziehung an Bord. Wir haben dann in
vielen Gesprächen und Diskussionen so manche Ähnlichkeit in unserem
Weltbild festgestellt.
Wie ich überhaupt überzeugt bin, daß das Bordleben unter halbwegs
intelligenten Menschen mit etwas Rücksicht, Vorsicht und Nachsicht recht
leicht zu gestalten ist. Das dürfte für uns beide vollinhaltlich
zutreffen. Ich kann mir auch recht gut vorstellen, daß die Psychologie an
Bord mit jeder weiteren Person komplizierter wird, weil dann plötzlich
Gruppenbildung(en) möglich werden, die für eine Crew unter Umständen
gefährlich werden kann.
4.
Die
Natur
Ich kann mich auch nach 18 Tagen auf See an der Weite und ständigen Veränderung
rundherum nicht sattsehen. Wenn wir auch nicht allzu viele Tiere gesehen
haben, so hatten wir doch einige interessante Begegnungen mit
Seeschlangen, Schildkröten, Haien, Walen, Delfinen, fliegenden Fischen
und mehreren Arten von Wasser- und Seevögeln.
5.
Mein
persönliches Wohlbefinden
Nach einer ersten Eingewöhnungswoche, die durch die Flautentage gleich
verschärft wurde, fühle ich mich rundherum wohl. Ich kann eigentlich 24
Stunden jeden Tag in vollen Zügen genießen, ein Leben in und mit der
Natur ohne irgendwelchen Druck. Ich habe aber auch schon bald erkannt, daß
es für mich kein persönlicher Traum sein wird, einmal die Welt zu
umsegeln. Das Leben auf und mit der See und der Rhythmus der Fahrtensegler
sind es viel mehr, die mich faszinieren. So kann man sich auch viel besser
die seglerischen Gustostückerl heraussuchen, die halt leider auch immer
weniger werden. Eine Route so abzustecken oder einen Aufenthalt da oder
dort auslassen zu müssen, um in einer bestimmten Zeit eine bestimmte
Ausgangslinie zu kreuzen, wird für mich nie ein Ziel sein.
20.00 Uhr Bordzeit = 18.30 Uhr Ortszeit: mit dem letzten „Büchsenlicht„
erwischen wir die Festmacheboje in der Bucht von Settlement, Christmas
Island. Nach 17 Tagen und 8 Stunden haben wir 1.515 sm im Kielwasser (bei
45 Motorstunden). Die erste Emotion ist ziemlich gedämpft: etwas müde
von der Sonne und dem ersten Eindruck der „Hauptstadt„, die von einem
riesigen Phosphatwerk dominiert wird. Alle Bäume und Sträucher und die
paar Palmen sind grau vom Industriestaub. Der Ort selbst scheint ein Straßendorf
zu sein. Während ich diese Zeilen schreibe, schickt gerade ein Muezzin
seine Gebete über die Bucht. Wo sind wir denn hier? Toni tippt auf
Fethyie in der Türkei, und ich muss ihm lachend Recht geben.
Zum Einklarieren treffen wir Polizei und Quarantäne am Dingisteg. In zehn
Minuten sind alle Formalitäten ohne großen Zinnober erledigt. Die netten
Polizisten wissen auch genau, was wir jetzt brauchen und bringen uns
„dienstlich„ zum nächsten Pub mit einem kühlen Bier. Direkt daneben
gibt es auch eine Pizzeria für den ersten Hunger, unser Problem
allerdings ist, daß wir keine australischen Dollar (AUD) mehr haben, weil
eine Station in Christmas ja nicht eingeplant war. Kreditkarten und
US-Dollar werden nicht akzeptiert, dafür haben wir aber sofort und unbürokratisch
Kredit. Unter dem Namen „Tony Y. Serengeti„ eröffnet Sharon, die
Kellnerin, ein neue Seite im großen Debitorenbuch. Später fällt mir
auf, daß hier offensichtlich keiner bar zahlt. In der Pizzeria ist es
nicht anders, obwohl man uns sagt, dass die Bank wegen Computerschadens
heute sowieso geschlossen war, und ob sie Montag wieder offen sein werde,
sei noch ungewiss. Wie auch immer, wir genießen unsere ersten kalten
Biere und die Gespräche mit anderen Leuten seit fast drei Wochen. Gegen
11 aber sind wir nur mehr müde, bald zurück an Bord und gute Nacht!
Samstag, 21.10. – 1. Hafentag in Christmas Island
Christmas Island hat heute schon viel an Sympathie gewonnen. Das liegt
aber sicher nicht an der Insel, am Phosphatwerk oder gar am indonesischen
Frachter, der seit sieben Uhr morgens nur 200 m von uns entfernt beladen
wird. Es liegt an den Einwohnern der Insel und ihrem „easy-going„.
Rund 2500 Menschen leben hier: 90 % sind Chinesen und Malaien, zwei- bis
dreihundert Australier bzw. Europäer. Wir sind gerade einmal einen Tag
da, schon überall bekannt und Kredit ist bereits selbstverständlich.
Der einzige Internetladen hat heute zufällig offen und es macht uns natürlich
Freude, gleich einmal mit zuhause Kontakt aufzunehmen. Ich habe keine Post
erhalten (niemand schreibt mir?!?), kann aber einen ersten Bericht
durchgeben und alle meine Fragen stellen. Mal schauen, was dann am Montag
an Post da ist.
In „unserem„ Pub, dem Golden Bosun – wir sind beim zweiten Besuch ja
schon längst Stammgäste - ist kurz vor Mittag bereits viel los. Ein
Freund ist gestern nacht im Krankenhaus gestorben und so treffen sich
heute im Laufe des Tages alle in der Kneipe und trinken einen oder zwei
auf den Verblichenen. Für Sonntag, zwei Uhr, ist eine offizielle
Gedenkveranstaltung mit Live-Musik und Fisch-Barbecue angesagt. Toni und
ich sind natürlich herzlich eingeladen, „Jimmy the hat„ wenigstens im nachhinein ein wenig
kennenzulernen. Aber so ist Australien und die Lebensart, die uns
einerseits etwas fremd ist und doch sofort gefangennimmt.
Mittagessen nehmen wir heute in der „Chinese Library Association„. Das
ist eine kleine Halle mit 30 mal 80 m im Rechteck mit zwei Kästen mit Büchern
und einigen Tischen und Stühlen, sowie eine kleine abgetrennte Küche.
Die beiden Bücherkästen sind auch recht interessant: der eine enthält
ungefähr drei Laufmeter extrem abgegriffene, chinesische Bücher, der
zweite etwa ebenso viele besser erhaltene, englische Trivialliteratur.
Keine Ahnung, was diese Ansammlung von „Literatur„ mit dem Restaurant
zu tun hat – vielleicht gibt es von irgendeiner Institution interessante
Förderungen für die Förderung der Literatur, wie es auch im
Betriebsnamen zum Ausdruck kommt? Das Essen ist jedenfalls gut und
ausgesprochen billig; abgesehen davon, dass es Samstag mittag sowieso das
einzige offene Lokal auf der ganzen Insel ist.
Sonntag, 22.10. – 2. Hafentag
Sonntag ist Ruhetag – von wegen! Wir schöpfen den ganzen Vormittag.
Kartoffel und Zwiebel müssen aussortiert werden. Erfreulicherweise haben
wir nur ganz wenige verdorbene. Die Behälter sind natürlich auch gleich
ordentlich zu reinigen. Und weil wir schon beim Saubermachen sind, wird
unser Wohn-Schlafcockpit gründlich geschrubbt.
Dann werden die Wassertanks aufgefüllt. Wir leeren sämtliche Kanister in
den Tank, fahren dann mit dem Dingi zum Strand, wo wir die Kanister an
einer öffentlichen Wasserleitung auffüllen. Nach zweimaligem Füllen
haben wir rund 130 l Wasser ergänzt. Und das wiederum paßt mit unserer
Verbrauchsberechnung ganz gut zusammen: ca. 2 l pro Mann und Tag haben wir
für Trinken gebraucht, ergibt seit Darwin also rund 90 l, der Rest ist für
Kochen und Zähneputzen aufgegangen. Die nächste Etappe wird aber länger:
ungefähr 35 Tage rechnen wir bis Malé. Bei gleichbleibendem Verbrauch
wird es aber keinerlei Problem geben.
Um ca. drei Uhr treffen wir im Golden Bosun ein, wo schon an die fünfzig
Leute da sind. In der einen Ecke wird die Auktion aufgebaut: vor allem
T-Shirts und Kappen, die von Privaten und Geschäftsleuten gespendet
wurden; alles natürlich nagelneue Ware. 5 AUD zahlt man als Pauschale:
dafür kriegt man einen blauen Punkt aufs Hemd geklebt und die
Berechtigung, Freibier vom Faß zu konsumieren. Und dann gibt es Musik: fröhlich
und ausgelassen, so wie es Jimmy the
hat auch gerne gehabt hätte. Er war an die 60 Jahre alt, ein
Lastwagenfahrer und offensichtlich ein Original, der im Golden Bosun sein
Wohnzimmer hatte. Er war einer der treuesten Stammgäste. Leider an Krebs
und zu früh gestorben. Schon am Vormittag hat es eine einstündige
Radiosendung als Nachruf gegeben, die wir zufällig an Bord während
unserer Reinigungsarbeiten gehört haben. Ja, für CI. (sprich: Si Ei),
wie die Insel hier genannt wird, war Jimmy kein kleiner Lastwagen-fahrer,
sondern ein Promi, den einfach jeder gekannt und gemocht hat.
Die meisten T-Shirts sind mit Symbolen und Terminen von bekannten
Rugby-Turnieren bedruckt, für uns völlig unbekannt. Rugby hat hier aber
mindestens einen ebensolchen Stellenwert wie Skifahren in Österreich.
Nur, daß hier noch extrem gerne und viel darauf gewettet wird. Jedenfalls
haben die T-Shirts für die Aussies eine große Bedeutung. Bis zu
umgerechnet S 3.000,- (in Worten: dreitausend) werden für ein T-Shirt
bezahlt. Und so kommen zahlreiche weitere Artikel unter den Hammer. Über
einige Stunden zieht sich die ganze Auktion. Die Stimmung ist enorm
angespannt, ausgelassen, aber nicht trauernd oder gar weinerlich. Ganz zum
Schluss dann der Höhepunkt: die Versteigerung des weißen Hutes von
Jimmy, seinem Markenzeichen und Namensgeber, für den es an seinem
Stammplatz einen eigenen Haken mit Namensschild in Messing gibt. Er wird
schließlich nach zähem Bieten stilgerecht von John, dem Wirt des Golden
Bosun um fast unglaubliche AUD 6.000,- (= S 55.000,-) ersteigert. Alle
Einnahmen aus der Auktion und auch der Erlös des Barbecue gehen zur Gänze
an die Hinterbliebenen. Ich schätze, dass so gut und gerne S 200.000,-
erzielt wurden.
Noch zwei bemerkenswerte Bekanntschaften machen wir an diesem feucht-fröhlichen
Sonntag nachmittag und abend: Da ist einmal Markus, ein Österreicher, der
seit zwei Jahren in CI lebt und hier eine Tauchschule und –basis
aufgebaut hat und betreibt. Er ist so begeistert von den Tauchgründen
hier, daß er auf jeden Fall hierbleiben will. Und nach dem Ende der
Phosphatindustrie erwartet er für die nächsten paar Jahre große
touristische Investitionen und damit auch einen entsprechenden Aufschwung
für sein Unternehmen. Mit seinem Einsatz und seiner Begeisterung wird er
es bestimmt schaffen und den Respekt der Einheimischen hat er sich schon längst
erworben, wie wir aus zahlreichen Gesprächen mitkriegen.
Die zweite Bekanntschaft ist Sara, die örtliche Zahnärztin, Engländerin,
jung und süß, und Toni ist in sie verliebt, bevor er noch einen Termin
mit ihr hat. Auch in Sachen Zahnarzt - Terminvereinbarung gibt es wieder
eine typische CI-Story. Sara meint zwischen zwei Drinks ganz einfach: „Ich bin morgen um acht wieder in der Klinik, dann schaue ich gleich
die Termine durch, wo ich dich (Toni)
hineinpacken kann, dann rufe ich die Polizei an, und die können dir dann
per Funk Bescheid geben.„ Das ist nicht nur so einfach und
halblustig dahingesagt, sondern es hat auch genauso einfach am nächsten
Morgen funktioniert, als Dave, der officer, um acht Uhr zehn funkt: „Serengeti,
Serengeti, Serengeti, this is Dave, good morning to you, ... you have an
appointment at 1.30 pm. ...„
Montag, 23.10. – 3. Hafentag
Habe ich schon erzählt, daß es auf CI kein Taxi gibt? Es geht auch
niemandem ab, weil man mit Autostoppen bestens weiterkommt. Und dabei auch
gleich wieder eine interes-sante Bekanntschaft macht. Nachdem wir derzeit
das einzige Segelboot in der Bucht sind, kennt uns natürlich auch jeder.
So lernen wir auch Jasper kennen, ein gebürtiger Däne, Architekt, Anfang
dreißig, der sich gerade auf CI seßhaft macht, nachdem seine Eltern
schon einige Jahre hier leben. Er erzählt uns die Geschichte der
Red Crabs auf CI.
Auf CI leben etwas mehr als 2000 Menschen und ungefähr 200 Millionen rote
Krabben. Die ‚red crabs‘ bevölkern die Wälder der Insel und starten
zu Beginn der Regenzeit Anfang Dezember ihre große Wanderung, um sich
fortzupflanzen. Erst einmal marschieren ~ 100 Millionen Männchen los.
Alle zur gleichen Zeit, dem gleichen Trieb folgend zum Meer. Quer durch Gärten,
über Straßen, durch die Häuser, Geschäfte und Wohnungen zieht ein
einziger, langer Strom von roten Krabben. Sie sind völlig friedlich und
harmlos, aber halt immer und überall ständig im Weg. Oder anders gesagt,
in dieser Zeit gehört die Insel den Krabben und die Menschen nehmen
wenigstens weitgehend Rücksicht auf sie, obwohl ich mir vorstellen kann,
daß es nicht leicht zu ertragen ist, wenn dir nachts ständig Krabben über
das Gesicht krabbeln. Im Meer angelangt, bereiten die Männchen die
Unterkunft für ihre Frauen vor (so sind wir halt, wir Männer!) Und dann
brechen die 100 Millionen Damen auf und wieder zieht eine endlose
Prozession roter Krabben quer über die ganze Insel zum Meer und zu ihren
Partnern. Nach der Befruchtung werden die Männchen nicht mehr gebraucht
und sie können heimgehen in den Wald, während die Weibchen noch mit der
Brut zu tun haben. Nach dem Ablaichen zieht es auch die Weibchen wieder
zurück in den heimatlichen Wald. Und nochmals einige Zeit später beginnt
dann der Zug der jungen, frisch geschlüpften Krabben. Fünfmal insgesamt
sind also zig Millionen Krabben unterwegs quer über die Insel. Millionen
werden von Vögeln und Fischen gefressen, ebenso viele auch zertreten und
überfahren, obwohl die Einwohner von CI auf ihre roten Krabben regelrecht
Rücksicht nehmen. Schade, daß wir dieses Naturspektakel nicht selbst
erleben können, dazu müssten wir noch gut ein Monat hierbleiben, was ja
nicht wirklich ein Problem wäre bei der Gastfreundschaft. Dann aber hätten
wir aber witterungsmäßig große Probleme auf unserem Weg nach Westen und
mit unserer Zeitplanung wäre es auch nicht vereinbar.
Denn für uns heißt es bereits morgen, Dienstag, wieder: Leinen los. Sara
hat Tonis Zahn ganz unpathetisch gezogen. Da leider keine weiteren
zeitaufwendigen Nachbehandlungen notwendig sind, die eine Aufenthaltsverlängerung
rechtfertigen würden, heißt es unseren planmäßigen Abschied
vorbereiten.
Von Jasper lernen wir auch die Privilegien eines CI - Bewohners kennen:
sie können ihre Autos aus dem billigen und nahen Singapur quasi
steuerfrei einführen. Bedingung für den Käufer: er muß seinen
ordentlichen Wohnsitz in CI haben und das Auto muß mindestens ein Jahr
auf CI bleiben. Danach kann es aber ohne weiteres nach Westaustralien
gebracht und dort am Gebrauchtwagenmarkt verkauft werden. Ein Mercedes der
geho-benen Klasse kostet inklusive Transport von Singapur und Anmeldegebühren
in etwa AUD 25.000,-. Dasselbe Auto erzielt nach einem Jahr in Perth ungefähr
AUD 45.000,-. Zweimal jährlich darf ein CI-Bewohner das machen, das
ergibt unter dem Strich einen Gewinn von AUD 40.000,-. Und damit kannst du
eigentlich schon fast ein Jahr lang bescheiden in CI leben. Also, auf nach
CI, oder?
Dienstag, 24.10. – 4. Hafentag und Abschied von CI
Wir sind schon zeitig am Werken, weil es noch einiges zu tun gibt. Kaum an
Land, begegnen wir Jimmy the hat
auf seinem letzten Weg. Sein Truck ist über und über mit frischen Blumen
geschmückt und mittendrin steht der Sarg. Gelenkt wird der Truck vom Chef
des Zwei-Mann-Unternehmens; noch einmal geht es im Schritttempo durch den
Ort und dann zum Friedhof am anderen Ortsende.
Toni und ich machen inzwischen alle unsere letzten Wege auf CI:
Spagettitopf reparieren lassen, noch einmal ins Internet, Mooringfee
bezahlen, ausklarieren bei der Polizei. Die letzten AUD verbrauchen wir im
Supermarkt für frische Steaks und Salat, und dann die allerletzten
Dollars für ein allerletztes kaltes Bier im Golden Bosun.
Fast gleichzeitig mit uns treffen die Leichengänger im Golden Bosun ein.
Weil beim Friedhof draußen wenig Parkplatz ist, haben viele gleich beim
Golden Bosun geparkt und sind mit dem Schulbus die paar Kilometer hin- und
hergefahren. Und jetzt herrscht einmal wirkliche Trauerstimmumng nach der
Rückkehr vom Friedhof. Das Begräbnis ist allen offensichtlich doch sehr
nahe gegangen. Und schließlich – nach ein paar Bier und nachdem die
Stimmung schon wieder wesentlich leichter wurde, heißt es auch für uns,
endgültig Abschied zu nehmen. Und man möchte es nicht glauben, wie
schwer uns der Abschied fällt. Wenn man bedenkt, wie negativ der erste
Eindruck von CI. war, und wie kurz unser Aufenthalt doch ausgefallen ist.
Umso mehr bewundere ich die Lebensart der Aussies, die so offen und
freundlich auf dich zukommen, die dir so ehrliche Gastfreundschaft
entgegenbringen. Nicht zu vergessen natürlich das Lebensende von Jimmy
the hat, den wir zwar nie persönlich kennenlernen konnten, von dem wir
aber so viel mitnehmen konnten. „Danke,
Jimmy! It‘s time to say goodbye!„
Um 17.00 Uhr Ortszeit lösen wir die Leinen und nehmen Kurs West. Mit
einer schönen Brise aus SE gleiten wir in die Nacht hinein. Unsere
Stimmung ist irgendwie betrübt, recht leise. „Partir,
c’est un peu mourir„ (abreisen heißt ein bisschen sterben) sagt
ein französisches Sprichwort.
Freitag, 27.10. – 3. Seetag
Zwei Tage war der Bub krank und seither weiß ich genau, dass ich nicht
100 % seefest bin. Wie es dazu kam? Ganz einfach, die erste Nacht auf See
hatten wir gut 4 bis 5 bft, aber recht ruppige See. Ich habe morgens noch
Frühstück gemacht, auch Zwiebel mit Speck und Eiern. Doch kaum war das
Frühstück fertig, war mir nur mehr schlecht allein. Ich konnte die Eier
nicht mehr sehen und den Speck nicht riechen. Zwei Tage habe ich dann mehr
vor mich hingedöst als sonst was: essen, lesen oder gar schreiben, war
absolut unmöglich. Gestern abend habe ich dann das erste Mal wieder feste
Nahrung zu mir genommen und seit heute bin ich auch wieder im Dienst.
Was seither geschah? Monotones, traumhaftes Segeln stur nach West mit
fantastischen Etmalen: erst 155 sm unter Groß und Genua, dann 145 sm nur
unter Genua, aber wesentlich ruhiger. Und seit heute morgen zieht uns überhaupt
nur mehr der Blister ruhig und geräuschlos westwärts. Segelmanöver gibt
es so gut wie keine. Traumbuch-Segeln also! In der Koje meinst du, du
liegst in einer Marina, weil nur ganz leise das Wasser an der Bordwand
gurgelt und kaum Bewegung zu spüren ist. Tatsächlich aber sind wir mit
rund 5 kn Fahrt unterwegs nach Chagos auf gut 5000 m Wassertiefe – von
wegen Marina also!
Sonntag,
29.10. – 5. Seetag: Die Gewerkschaft muss her!
Von wegen ausspannen und erholen am Wochenende. Richtig geschöpft haben
wir schon wieder, und das die ganze Zeit – zumindest fast ohne Pause.
Der Ruf nach der Seefahrergewerkschaft war wohl unüberhörbar. Gestern
morgen machten wir, was schon eine Zeitlang anstand: Wäsche waschen; gut,
war in 20 Minuten erledigt. Dann aber kam Toni: unser Bimini hat schon länger
einen gut 30 cm langen Riss, der sich langsam, aber sicher vergrößerte. „Man
muss
nur einmal drübergehen, dann ist es in einer Stunde erledigt„,
meint der Meisterskipper. Also, gehen wir halt drüber. Beim Abmontieren
des schon sehr UV-geschädigten Biminis verdoppelt sich der eine Riss, und
ein zweiter, ebenso langer entsteht völlig neu. „Na
servas„, aber frohen Mutes beginnen wir zu nähen. Der
Meisterflicker näht und ich versuche, die brüchige Persenning und das
Reparaturstück so gerade wie möglich und auf Zug zu halten. Gar nicht so
einfach, aber nach dem Motto, auch der längste Weg beginnt mit dem ersten
Schritt, gehen wir halt unsere Schritte und setzen einen Stich nach dem
anderen. Mittagspause machen wir nach 2,5 Stunden – von fertig keine
Spur. Am Nachmittag machen wir weiter, müssen aber bald unterbrechen,
weil sich ein Thuna von gut 3 kg auf unseren Haken verirrt hat. Der hat
jetzt natürlich Vorrang auf seinem Weg in die Pfanne. Am Abend gibt es
dafür herrlich frisches Thuna-Sushi mit Reis und Salat.
Heute morgen haben wir dann unser Persenning – Patchwork beendet. Gerade
rechtzeitig zum Frühschoppen um 11 Uhr haben wir dann endlich wieder
Schatten im Cockpit und zwei Flaschen Radler sind auch rasch
fertiggestellt. Mittags speisen wir dann gebratenen Thuna mit Reis und Gemüse,
einfach herrlich! Und am Nachmittag beginnt endlich das Wochenende.
Aufgrund der zahlreichen Überstunden haben wir beschlossen, das
Wochenende bis Freitag auszudehnen.
Das Wetter ist nach wie vor schön und warm. Wolken und Wolkenbänke
ziehen in atemberaubendem Tempo durch. Riesige Quellwolken entstehen in
einer Viertelstunde und fallen oft ebenso schnell in sich zusammen. Regen
haben wir schon lange nicht mehr gehabt und der Wind ist seit CI
unglaublich konstant. Er kommt stets aus SE mit 2 bis 4 bft. Trotzdem spürt
man, daß wir weit von Land entfernt sind. Denn es ist insgesamt spürbar
kühler. Die Wassertemperatur liegt bei angenehmen 23° bis 24° Celsius,
aber doch spürbar kühler als in der Timor-See. Und in der Nacht brauche
ich inzwischen auch meist den Schlafsack. Abgesehen von Cocos-Islands, das
inzwischen 350 sm achteraus liegt, sind die indonesischen Inseln vor
Sumatra das nächste Land in einer Entfernung von 600 bis 700 Meilen. Und
nach Süden ist überhaupt erst die Antarktis das nächste Land – also
sollten wir wohl auf den Hauch der Eisberge auch noch aufpassen? Gott, wie
haben wir es schwer!
Montag,
30.10. – 6. Seetag
Seit „ewigen„ Zeiten haben wir gestern nacht wieder einmal ein Schiff
ausgemacht. Ein Frachter mit mehr als 50 m Länge ist Backbord in der Kimm
aufgetaucht. Etwa 2,5 Stunden haben wir seinen Kurs beobachtet, bis er
dann Steuerbord voraus wieder verschwunden ist. Anhand eines
Weg-Zeit-Diagrammes habe ich heute seinen Kurs eruiert: er ist mit größter
Wahrscheinlichkeit von West-Australien gekommen und geht nach Sri Lanka
oder Indien. Später in der Nacht haben dann Regenwolken unser Boot überquert,
nicht sehr groß, aber deutlich und dunkel erkennbar. Nachdem es aber
nicht regnerisch wurde, bin ich wieder richtig fest eingeschlafen. Als
dann die letzte Wolke wie aus einem Faß den ganzen Regen auf einmal über
uns ausgeschüttet hat, sind wir fluchend geflüchtet. Trotz der Flüche
war natürlich alles patschnaß.
Der Wind hat schon gestern abend merkbar nachgelassen, darum haben wir
auch das Groß geborgen und die Genua ausgebaumt. Wir sind dadurch zwar
etwas langsamer, aber viel ruhiger unterwegs, als wenn die Luvgierigkeit
des Bootes durch das Groß noch verstärkt wird und außerdem die
Windfahne Schwierigkeiten hat, den Kurs zu halten. Trotzdem kommen wir auf
ein Etmal von 128 sm. Ich bin schon gespannt, ob wir die 1000 Meilen –
Woche schaffen?!
Mittwoch, 1.11. – 8. Seetag: Eine Woche bis zum nächsten
Land!
Nehmen wir es vorweg – NEIN, wir haben es gerade nicht geschafft. Mit
991 sm haben wir den 1000er nur denkbar knapp verfehlt, aber trotzdem ein
tolles Ergebnis im Logbuch. Das sind satte sechs Knoten
Durchschnittsgeschwindigkeit über eine ganze Woche – und das ist für
einen 38 Fuß großen Monohull wirklich ein gutes Ergebnis. Bravo,
Serengeti!
Ansonsten tut sich nicht allzu viel: nachdem wir auch vorgestern nacht und
gestern nachmittag noch je ein Schiff gesehen haben, würde ich sagen,
reicht es wieder einmal. Man fühlt sich ja schon regelrecht beobachtet!
Der Wind aus SE ist recht mäßig. D.h. tagsüber fahren wir mit Blister
und des nachts mit ausgebaumter Genua. Wir dürften jetzt unseren
landfernsten Punkt erreicht haben: Recht voraus haben wir in ca. 1000
Seemeilen Entfernung unser nächstes Ziel, den Chagos Archipel. In NNW
etwa 1200 sm entfernt peilt Sri Lanka und Sumatra mit seinen vorgelagerten
Inseln liegt etwa 900 sm in NE. Nur das kleine Cocos ist nur ungefähr 600
sm weit entfernt, und zwar im SE von uns. Von dort kommt allerdings auch
das bißchen Wind. Das heißt zusammengefaßt, daß wir mindestens eine
Woche vom nächsten Land entfernt sind, abgesehen vom Meeresgrund, der
sich aber auch erst in gut 5.000 m senkrecht unter uns auszubreiten
beginnt.
Tiere sehen wir in letzter Zeit auch nicht mehr allzu viele. Ab und zu ein
paar Möwen, und gestern hat eine Delfinschule unseren Kurs gekreuzt und
uns ganz spielerisch überholt. Erst dachten wir, es wären 4 bis 6
Delfine, dann schätzten wir sie auf etwa ein Dutzend, bis wir schließlich
realisierten, daß es sich um eine regelrechte Armada handelte: mehr als
eine halbe Stunde lang ist ein schier endloser Zug an uns vorbeigezogen,
in Summe waren das bestimmt mehr als 100 Tiere, die ungefähr Kurs 300
anliegen hatten und uns in einem spitzen Winkel überholten.
Freitag, 3.11. – 10. Seetag: zu viel Alkohol an Bord!
Meine Überlegungen zum landfernsten Punkt muß der Aeolus da oben wohl
mitbekommen haben. Und dabei dürfte er sich gedacht haben, uns hier
festzunageln. Jedenfalls hat er die aktuelle Windlieferung wieder einmal
kurzfristig für 1,5 Tage eingestellt. Seit heute nacht, knapp nach vier
Uhr morgens segeln wir wieder. Diesmal allerdings mit sehr mäßigem Wind
aus NNE. Der Blister zieht uns aber brav und unglaublich ruhig dahin. Die
Dünung ist inzwischen auch ganz klein geworden, und die Luft, die jetzt
wieder vom Äquator kommt, wurde wieder deutlich wärmer. Zusammen-gefaßt
heißt das halt wieder einmal ganz einfach: Traumbuch – Segeln , die
17.!
Gestern abend haben wir erstmalig versucht, unsere alkoholischen Vorräte
etwas gezielter zu dezimieren. Es kann doch nicht angehen, daß wir nach
mehr als einem Monat noch immer an der ersten Whiskyflasche herumnuckeln.
Das kommt wohl daher, daß wir die Frage „Willst du einen
Sundowner?„ immer zu wörtlich genommen haben. Nach einem recht
opulenten mittäglichen Nudel-Krautsalat haben wir halt schon um vier Uhr
Bordzeit mit dem Pre-Pre-Sundowner begonnen, der konsequenterweise vom
Pre-Sundowner gefolgt wurde. Der Sundowner selbst war dann dem
namensgebenden Anlaß noch immer voraus, aber schon recht lustig. Das
Gelage wurde dann stilgerecht durch eine Gailtaler Brettljause mit Speck
und haus- äh, bordgemachtem Brot, zweierlei Sorten Senf und Kren aus der
Tube kurzfristig unterbrochen. Weiter ging es mit den Post-Sundownern und
einigen nicht mehr näher bezeichneten Runden. Den krönenden Abschluß
bildete der After-Burner. Unter diesen Voraussetzungen finde ich es
bemerkenswert, daß wir die nächtlichen Segelmanöver einwandfrei und
problemlos gefahren sind. Frühstück war heute aber doch rund eine Stunde
später!
Sonntag, 5.11. – 12. Seetag
Nach wie vor haben wir Wind aus NE, nachdem wir gestern wieder einmal nach
recht langer Zeit eine kleine Störungsfront gestreift haben. Eine
Viertelstunde lang plätscherte süßes Wasser vom Himmel, Serengeti bekam
eine kleine Dusche, und schon war es wieder vorbei. Es folgte eine ruhige
Nacht mit ausgebaumter Genua. Morgens um fünf nachdem der Mond wieder
untergegangen war, hatte ich einen unglaublichen Sternenhimmel über mir:
ganz nah und sehr deutlich. Achteraus türmten sich bedrohliche, dunkle
Wolken und ich rechnete schon mit Regen und rascher Flucht nach unten. Der
Regen kam dann doch nicht, aber schlafen konnte ich dann auch nicht mehr.
Schade, daß mein Schatzi nicht hier ist – so eine Nacht sollte man
einfach gemeinsam genießen. Und ich hoffe sehr, daß wir das auch noch
tun werden!
Heute bin ich in einer ganz komischen Stimmung. Vorgestern und gestern war
ich mit der Sonne ein wenig leichtsinnig und seit gestern spüre ich meine
Sonnenallergie an Händen, Armen und Hals wieder. Dazu kommen heute
leichte Kopfschmerzen. Den Großteil verbringe ich unten in meiner Höhle,
wo es natürlich stickig und sehr heiß ist. Für meine Haut ist es
jedenfalls besser. Ich bin insgesamt nicht so gut drauf. Es ist der 12.
Tag auf See und auch eine leichte Langeweile macht sich bei mir bemerkbar.
Die See rundherum kann ich immer noch stundenlang anschauen, ich lese sehr
viel und bin inzwischen beim 8. Buch. Das ist aber natürlich nicht alles
und das jetzt doch schon „alte Ehepaar„ Toni und Rudi haben sich auch
nicht mehr so viel zu erzählen, wie noch vor einem Monat. Aktuelle
Neuigkeiten als Diskussionsgrundlage fehlen vollständig. Es wird also
Zeit, daß wir nach Chagos kommen und damit etwas Abwechslung in unser
Leben. Wir haben heute noch 600 sm, d.h. daß wir in fünf Tagen (=
Freitag) da sein sollten.
Montag,
6.11. – 13. Seetag: „Schneechaos
auf der Tauernautobahn„
Die
letzte Nacht war ganz schön miserabel. In der ersten Nachthälfte ging es
noch, da hatten wir wenigstens Wind, dann aber streiften wir eine
Gewitterfront. In der Ferne blitzte es gewaltig, wir hatten aber weder
Regen noch Wind. Das bedeutet schlagende Genua, obwohl ausgebaumt, und ein
fürchterlich geigendes Boot. Habe miserabel bis gar nicht geschlafen. Und
zu allem Überdruß habe ich auch noch so intensiv geträumt. Ein Traum
ist mir ganz deutlich in Erinnerung geblieben und weil er so paradox zu
meiner realen Situation hier mitten im Indik ist, muß ich ihn erzählen:
„Es ist später Abend, und ich bin auf der Tauernautobahn unterwegs nach
Hause. Ein totales Schneechaos bricht aus, der Katschbergtunnel muss
gesperrt werden. Die Ausfahrt Rennweg ist inzwischen auch schon zu, alles
steht auf der Autobahn. Alles, das sind ungefähr 250 Italiener der
Ski-Nationalmannschaft und ich. Plötzlich landet ein Hubschrauber, um
mitzuteilen, dass
auch retour nichts mehr geht, weil Lawinen die Autobahn verschüttet
haben. Man arbeitet aber dran. Nur die Italiener sind irrsinnig sauer und
vor allem hungrig und müde. Ich rufe inzwischen meinen Freund und
Hoteldirektor in Seeboden, Dieter Grall, an. Ich teile ihm mit, dass
ich demnächst mit 250 hungrigen Italienern bei ihm eintreffen werde. Er
solle schon einmal zum Kochen und Tischdecken anfangen lassen. Weit nach
Mitternacht treffen wir dann in Seeboden ein, wo die Zufahrt zum Hotel
hell erleuchtet ist und der Direktor mit geschäftsmäßigem Grinsen vor
der Tür wartet. Bald darauf sind die Italiener begeistert und stürzen
sich über ein tolles Mitternachtsbuffet.„
Heute vormittag nach wie vor kein Wind, daher darf der Gusti wieder einmal
Steuerarbeit leisten, während die Batterien geladen werden.
Mittwoch,
8.11. – 15. Seetag
Vorgestern hat uns der ewig blaue Himmel verlassen. Und seither ist es ständig
bewölkt bis stark bewölkt. Der Wind hat mittlerweilen wieder nach SE zurückgedreht
und ist nicht sonderlich stark. Hatten wir gestern noch 4 bis 5 bft, sind
es heute nur mehr 2 bis 3. Dafür haben wir wieder eine besonders hohe Dünung,
manche Wellen mit bestimmt mehr als 5 m. Sie sind aber nie angsteinflößend,
sondern immer lang und weich. Trotz oder vielleicht wegen des bewölkten
Himmels habe ich vorgestern einen leichten Sonnenstich abge-fangen.
Kopfweh und Müdigkeit sind die Folge, ebenso totale Lustlosigkeit. Manöver
gibt es sowieso kaum, ich habe aber auch weder zum Plaudern noch
Diskutieren Lust, sondern hänge eher wie eine halbtote Fliege herum. Und
das wiederum tut natürlich auch dem Bordklima nicht gut. Es gibt noch
keine Verstimmung, aber auch keine positiven Gespräche. Zeit, dass wir
nach Chagos kommen und damit Abwechslung in unser monotones Dasein.
Freitag, 10.11. – 17. Seetag
Für einen Skipper gibt es wahrscheinlich kaum Schlimmeres, als wenn seine
Segel in Flaute und Dünung malträtiert werden. Dieses ständige Schlagen
geht dir gewaltig auf den Nerv. So auch wieder einmal gestern, als selbst
der Blister nur mehr von einer Seite auf die andere knallte, und wir nur
mehr darauf warteten, dass er zerreißt. Hat er dann doch nicht getan und
wir sind erstmalig unter Blister weit in die Nacht hineingefahren. Als das
Wetter dann doch etwas kritischer wurde, bargen wir den Blister nächtens.
Und dabei passiert Toni selbst ein Mißgeschick: beim Einholen des
Spi-Falles reißt er mit dem Schäkel ein kleines Loch in die Genua. Und
das ist etwas, was einen Skipper noch mehr ärgern kann als schlagende
Segel: nämlich ein kaputtes Segel durch Eigenfehler. Jedenfalls haben wir
anschließend Groß und Genua gesetzt, weil der Wind inzwischen recht
vorlich einfällt. Und dabei hat der Skipper seinen Frust dann an mir
ausgelassen. Da hat er mich aber am falschen Fuß erwischt, und ich habe
ihm meine Meinung zu seiner unqualifizierten Meldung äußerst deutlich
gesagt. So, und jetzt haben wir erstmalige und ernste Missstimmung an
Bord.
Von bedrohlichen Regenwolken bis strahlendem Sternenhimmel erleben wir
diese Nacht wieder alles und das in oft atemberaubend schnellem Wechsel.
Nur vorwärts Richtung Chagos geht leider wenig.
Heute morgen hat sich Toni dann gleich schweigend mit der Reparatur der
Genua beschäftigt. Der Wind wollte wieder einmal variabel sein, eine
Zeitlang konnten wir blistern, dann mussten wir ihn wieder bergen und Groß
und Genua setzen. Die Segel stehen knapp eine Viertelstunde, da rollt eine
schwarze Gewitterfront heran. Toni meint, 3. Reff und Genua halb sind
jetzt angebracht, was mir etwas übertrieben vorkommt. Das dritte Reff ist
gerade einmal eingebunden, da orgelt es aber auch schon, dass ich meine
Gedanken sofort entschuldigend zurücknehme. Unseren Kurs 320 können wir
auch nicht mehr halten und laufen bei 8 bis 9 bft. auf 230 ab. Nach zwei
Stunden ist der Großteil vorbei und wir können wieder 270/280 anlegen
und schon etwas später kann auch wieder Vasco die Arbeit übernehmen.
Richtig aufgeweicht und abgekühlt gehe ich mich umziehen. Inzwischen ist
der Wind schon wieder fast null. Aber so geht es eben in Äquatornähe:
Flauten und tropische Gewitter wechseln sich rasend schnell ab, und da
kann man nicht genug aufpassen. Recht miserabel ist auch unser heutiges
Etmal mit 86 sm. Noch etwas mehr als 100 sm bis Chagos. Wir hoffen, morgen
mittag – rechtzeitig zum Faschingsbeginn (hahaha!) - auf unseren
Landfall im Paradies.
Montag, 13.11. – 20. Seetag: Endlich im Salomon-Atoll von
Chagos!
Im Paradies! Es ist inzwischen kurz vor Sonnenuntergang und wir liegen
ruhig in einer kühlenden Abendbrise gut 100 m vor Ile Fouquet im
Salomon-Atoll des Chagos Archipels. Die ersten beiden Begrüßungsdrinks
waren etwas heftig, sodass wir erst einmal eine Stunde abwettern mussten.
Aber was soll’s und wen wundert’s, nach den harten Tagen und Nächten
seit Donnerstag. Die letzten 100 Meilen bis Chagos haben es in sich gehabt
und wirklich keine Meile war geschenkt. Um jede einzelne mussten wir mit
den Göttern raufen und kämpfen. Die Kurslinie im Anhang mit einer
Auswahl der wichtigsten Daten spricht für sich.
„Das Ziel ist dort, wo der Wind herkommt!„
Diesen weisen Seglerspruch haben wir eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Und Wasser, so viel Süßwasser, haben wir seit Darwin nicht mehr gesehen.
Bisher hat uns eher selten, aber doch in Abständen eine einzelne
Regenwolke aufgeschreckt, zum Duschen oder gar Wäsche waschen hat es fast
nie gereicht. Die erste große Regenfront vor drei (oder vier?) Tagen
haben wir dann noch mit Duschen und Haare waschen im Cockpit gefeiert. Das
erste Mal mit Süßwasser richtig planschen (wie seinerzeit in den Pools
des Lichfield-Nationalparks – wie lange ist das nur her?), da kennst du
dich auf einmal selbst nicht mehr. Genau so muss neu geboren sein: die
Haut ist total schrumpelig, die Finger- und Zehennägel sind weiß, sauber
und ganz weich und die Haare aus Samt – ein Bub zum Verlieben halt! Und
bei uns an Bord gibt’s gleich zwei solche Buben zum Verlieben!
Unsere Meinungsverschiedenheit habe ich natürlich inzwischen auch ausgeräumt,
indem ich das Gespräch mit Toni aktiv gesucht habe. Und siehe da, nach
einer kurzen Über-windungsphase meinerseits war das Problem dann rasch
besprochen, analysiert und damit auch erledigt.
In der Folge hat aber eine Regenfront die andere gejagt, immer mit mehr
oder weniger viel drehendem Wind. Jedenfalls sind wir mehr als einmal nach
dem Frontdurchzug wieder nach Osten zurückgefahren. Bis das Boot dann
wieder am richtigen Bug in die richtige Richtung und in richtige Fahrt
gebracht war, war meist schon wieder die nächste Wasserschlacht fällig,
usw. usw.! Tag und Nacht! Und gemeinerweise hast du immer das Paradies,
sprich Chagos, nach 2000 Meilen Überfahrt und fast drei Wochen auf See,
schon fast vor Augen.
Wie gesagt, geschenkt wurde uns nichts. Jetzt aber liegen wir halbwegs
ruhig und sicher und fast allein im Salomon-Atoll. Während der Einfahrt
und Überquerung der Lagune war ich am Steuer und Toni auf der ersten
Saling, um die Korallenköpfe rechtzeitig zu sichten. Und dabei konnte
Toni ein zweites Segelboot in der anderen Ecke der Lagune entdecken. Aber
sonst gibt es weit und breit niemanden. Mittlerweilen liegen wir auf 20 m
Wassertiefe vor Anker, haben die viele feuchte Wäsche schon zum Trocknen
rausgehängt und freuen uns auf die Spaghetti Carbonara (mit viel Schinken
aufgebessert), die wir heute noch mit dem einen oder anderen Sundowner
genießen werden. Darum wird es Zeit, meinen ersten paradiesischen Bericht
zu beenden, weil ich Smutje vom Tag bin. Weitere Berichte von unseren
Land- und Unterwasserexpeditionen sind geplant und folgen in den nächsten
Tagen.
Der Chagos – Archipel
gehörte einst zu den französischen Überseekolonien und ging dann an die
Briten über, die das unbewohnte Gebiet noch heute verwalten. Chagos
besteht aus drei größeren Atollen und einigen Riffen. Das südlichste
Atoll ist Diego Garcia, strengstes militärisches Sperrgebiet und an die
Amerikaner verpachtet. Von hier wurden übrigens die meisten Angriffe im
Irakkrieg ‚Desert storm‘ 90/91 geflogen. Diego Garcia liegt gut 70 sm
südlich von Salomon. Westlich von uns gibt es noch ein größeres Atoll,
Peros Banhos, das im letzten Jahrhundert auch einmal für kurze Zeit von
Mauritius aus besiedelt wurde. Wir, die Serengeti und Besatzung, liegen im
Salomon-Atoll, dem kleinsten Ring-Atoll, das aus drei längeren und fünf
ganz kleinen Inselchen besteht. Erreichbar ist Salomon ausschließlich
durch den NW-Paß, der etwa 150 m breit ist und 6 bis 7 m Wassertiefe
garantiert.
Die Lagune selbst ist bis zu 30 m tief und voll mit Korallenblöcken, die
knapp unter die Wasseroberfläche heraufkommen, in keiner Karte genau
verzeichnet und daher besonders gefährlich sind. Grundsätzlich ist der
gesamte Archipel militärisches Sperrgebiet, daher, und natürlich
aufgrund seiner recht einsamen Lage mitten im Indik, gibt es hier auch
keinen Tourismus. Außer den Yachties, die überwiegend auf dem Weg um das
Kap der Guten Hoffnung hier noch einmal ausgiebig Station machen, wenn es
nicht schon zu spät in der Saison ist. Die Yachties werden ohne weitere
Formalitäten geduldet; sie dürfen nicht länger als einen Monat bleiben,
und werden von den Amerikanern auch mit üppigen Barbecues verwöhnt, die
so im 2-Wochen-Rhythmus im Salomon-Atoll stattfinden. Dafür aber
kassieren die Amis dann auch gleich eine Gebühr. Dennoch dürften diese
Grillfeste etwas Besonderes an sich haben, da sie sowohl im Pilot des
Indian Ocean als auch in so manchem Buch von Weltumseglern Erwähnung
finden. Trotz der scheinbar so wenigen Besucher - wir schätzen, daß jährlich
maximal 100 Boote hier vorbeikommen, haben auch die Yachties unliebsame
Spuren hinterlassen: Plastikflaschen und sonstiger Zivilisationsmüll
findet sich gar nicht so selten im Unterholz der Palmen. Schade und
Schande!
Dienstag, 14.11. – 1. Lagunentag: Eroberung der Ile
Fouquet
Ruhig und lange durchgeschlafen, und doch fühle ich mich noch müde. Die
Anstrengung der letzten Tage steckt mir noch ganz schön in den Knochen.
Der Blick auf unser Atoll entschädigt aber für alles. Wir sind allein
und die wechselnden Farben des Strandes und der Palmen im Wind lassen das
Auge nicht zur Ruhe kommen. Und trotz Paradies heißt es zuerst einmal
arbeiten: das Großsegel, das uns am Sonntag morgen zerrissen ist, wird
gegen das Reservegroß gewechselt. Das aber will erst hervorgekramt sein.
Denn es befindet sich in der Bb-Kabine unter allen Bierkartons und
sonstigen Alkoholika. Und weil wir nicht mehr versoffen haben, müssen wir
eine Menge Kartons in diesem schweiß-treibenden Treibhaus umstapeln.
Dabei kommen wir auch an die Batterien gut heran, kontrollieren gleich
einmal das Batteriewasser und fetten die Pole. Dann alles wieder hineinräumen,
Groß anschlagen und Latten tauschen, was sich als recht umständlich
herausstellt. Zu allerletzt stellt Toni fest, dass ihm ein wichtiger
Schraubenschlüssel fehlt. Allen Ernstes bedeutet das, noch einmal fast
alle Kartons heraus, weil sich der Schlüssel im Batteriekasten versteckt
hat. So, damit aber genug der Schwitzerei für den ersten Ruhetag und
fertig gemacht zum ersten Landgang.
Mit dem Dingi an den Strand, und dann den Fuß wie weiland die Eroberer an
Land gesetzt. Ein Gefühl, das man erst schätzt, wenn man eben drei
Wochen auf See gewesen ist. Der erste Moment ist irgendwie fremd, komisch
und doch erhaben. Rundherum ist dichter Palmenwald mit ein paar
Birkenfeigen dazwischen, weißer Korallensand und Farben und Lichtspiele,
wie man sie eben nur in einer Lagune erleben kann. Wir kommen nicht sehr
weit bei unserer ersten Expedition. Rund 50 m von unserem Landeplatz
entfernt eröffnen wir gleich einmal „King Salomon’s Beach Pub„. Die Theke wird von einer
ganz schiefen Palme gebildet, Bier und Whisky haben wir vorsorglich schon
mitgebracht, nicht nur für den Eigenverbrauch, sondern auch als
Gastgeschenk für (mögliche) Einheimische. Weil uns aber niemand begrüßt,
saufen wir unseren Whisky eben selbst und schießen jede Menge kitschiger
Fotos mit der kitschigen, schiefen Palme als Hauptdarsteller. Zur Feier
des Tages gibt es auf allgemeinen Wunsch am Abend Rudi’s schon berühmte
Palatschinken. Diesmal vorsichtshalber gleich aus 1 l Milch, 6 Eiern und
¾ kg Mehl – das Ergebnis sind 22 Palatschinken vom Feinsten! Und weil
es Spaß macht, experimentieren wir ein bisschen mit Rum-Rosinen als
Einlage und dann wieder mitgebacken. Die Versuche mit Gin und Orangensaft
sind weniger erfolgreich. Wie es am besten funktioniert, weiß ich jetzt,
wird aber nicht verraten. Vielleicht kann ich es auch gar nicht mehr, denn
schon recht bald waren wir sternhagelvoll und das sogar vom Essen.
Mittwoch, 15.11. – 2. Lagunentag
Heute früh wieder müde aufgewacht, aber gleich in die Robot: Bilge aufräumen,
Kühlschrank sauber machen, Cockpit schrubben. Dann aber geht es bald
wieder an Land: Korallen und Muscheln will ich heute sammeln, weil ich ja
den Kindern eine Auswahl mitbringen will. Bei den Muscheln allerdings muss
ich passen; sie sind alle bewohnt von Einsiedlerkrebsen und töten will
ich sie deswegen nicht. Mittags gibt es den Rest der gestrigen
Palatschinken in Form von Fritattensuppe. Sehr schmackhaft und auch sehr
ausreichend, doch überbleiben tut von den ursprünglich 22 Palatschinken
auch nichts mehr. Am Nachmittag wird das Wetter schon wieder schlecht,
sodass wir gar nicht mehr an Land gehen. Und während der Nacht überqueren
wieder Regenfronten ohne Ende unser Gebiet, immer auch von ziemlich viel
Wind begleitet. Unser Paradies ist jetzt ganz schön ungemütlich
geworden, weil eine steile, kurze See hereinsteht und wir natürlich auf
Legerwall liegen.
Donnerstag, 16.11. 3. Lagunentag: Vertreibung aus dem
Paradies
Eine Front jagt die andere – es ist ganz schön trostlos. Land- oder gar
Unterwasserausflüge sind zu vergessen. Während der Nacht sind wir
offensichtlich dem Strand ein schönes Stück näher gekommen. Der Anker hält
zwar nach wie vor, die Kette hat sich aber aufgrund des anhaltenden Drucks
gestreckt. Wir liegen richtig schön auf Legerwall. Ein Verholen im Atoll
selbst kommt wegen der schlechten Sicht und der zahlreichen Korallenköpfe
nicht in Frage. So beschließt Toni, dass wir bei der nächsten Aufhellung
Anker lichten und schauen, dass wir so rasch als möglich von hier
rauskommen.
Das Ankerauf-Manöver selbst dauert schon fast zwei Stunden. Irgendetwas
kommt einfach nicht klar. Ich bin am Steuer und Toni rauft mit dem Eisen.
Inzwischen hat er schon seine Taucherausrüstung ausgepackt und will auf
20 m abtauchen, um den Anker zu klarieren. Einen Versuch fahren wir dann
noch, und siehe da, wir können den Anker ausbrechen und hochbringen. Kaum
sind wir frei, nehme ich Kurs auf den Pass, der ungefähr zwei Meilen
entfernt ist. Genau im gleichen Moment überfällt uns auch die wohl
bisher schwerste Regenfront – es orgelt wirklich bereits orkanartig in
der Lagune, die Sicht beträgt keine 50 m mehr, der Strand hinter uns
nicht mehr zu sehen. Ich kann nur mehr mit Kompass und Gefühl steuern.
Mit etwa ¾ Kraft voraus ziemlich genau gegen den Wind. Toni steht im
Bugkorb und versucht, die Korallenköpfe rechtzeitig zu sehen und gibt den
Kurs an. Als die Front drüber ist, sehen wir, dass wir uns kaum einen
Meter bewegt haben; wir sind fast genau am gleichen Fleck wie vorher.
Jetzt aber geht es los zum Pass, damit wir endlich Seeraum gewinnen, bevor
die nächste Front einfällt. Unser Paradies zeigt die Krallen!
Rund eine Stunde lang kämpfen wir uns gegen Wind und Welle an den Pass
heran – Toni unverzagt vorne im Ausguck und ich ebenso unverzagt am
Steuer. Der Pass selbst – der einzige Ein- und Ausgang – ist etwa 150
m breit und ist ca. 7 m tief und rechts und links von tödlichen Riffs
begrenzt. Genau da müssen wir durch, schlechte Sicht, verdammt viel Wind
und riesige Wellen haben wir gegen uns stehen. Die Welle im Pass selbst
ist wirklich sehr hoch, weil der Meeresboden hier innerhalb kürzester
Distanz von einigen tausend Metern bis auf wenige Meter heraufkommt. Es
folgt eine extrem angespannte, aber doch furchtlose halbe Stunde. Die
Farbe des Wassers ist im Pass ein wunderschönes türkisgrün, rechts und
links sind die weißen Brecher an den Riffen deutlich (und verdammt nahe)
auszumachen. Jetzt gibt es nur mehr Vollgas, denn hier darf nichts
passieren, ein Querschlagen wäre hier endgültig. Eine halbe Stunde später
sind wir durch, das Wasser ist satt dunkelblau und damit wieder tief
genug, die Brecher an den Riffen deutlich achteraus. Es ist 15.30 Uhr.
Wir setzen die halbe Genua und kommen auf NE-Kurs rasch frei von unserem
Paradies, das uns einfach nicht wollte. Aufgrund unserer überstürzten
Abreise sind auch alle unsere Schätze zurückgeblieben. Die Bar im
improvisierten Beach-Pub an der Palme ist mit einer praktisch vollen
Flasche Whisky und einem sixpack Bier ganz gut gefüllt. Auch eine ganze
Packung Keks muss noch da sein und die Hängematte, die wir nicht ein
einziges Mal nutzen konnten. Schließlich noch die Mitbringsel: eine
Auswahl von verschiedenen Korallen. Irgendwer wird sich bestimmt einmal
wundern, hoffentlich aber freuen und dann auch genießen. Mit Einbruch der
Dunkelheit haben wir uns auch vom gefährlichen Blenheim Reef freigesegelt
und können nun Kurs Malediven anlegen. Die Nacht wird noch recht unruhig,
wir gehen natürlich Wache im 3-Stunden-Rhythmus. Am Morgen sind wir dann
gut 60 sm von Chagos entfernt.
Freitag, 17.11. – 1. Seetag
Nach Norden zu wird es immer heller, hinter uns stehen nach wie vor
bedrohliche, schwarze Gewitterfronten. Inzwischen machen wir am Wind guten
speed genau nach Nord. Schön langsam trocknen die nassen Fetzen wieder
auf und die Laune wird auch gleich um einiges besser. Obwohl ich sagen muss,
trotz aller Härten und Gefahren, die wir da durchgemacht haben, hat es
bestimmt nie Ängstlichkeit oder Verzagen gegeben, wohl aber höchste
Konzentration. In aller Bescheidenheit bin ich der Meinung, dass sich Toni
als souveräner Skipper und ich als verlässliche Crew herausgestellt
habe. Unser Etmal mit 103 sm ist in Ordnung, bis Malé haben wir noch 480
sm und den Äquator. Ich prognostiziere unsere Ankunft für Freitag, den
24., Toni sieht uns erst am Sonntag, den 26. Anker werfen.
Samstag,
18.11. – 2. Seetag: 8 kg Thunfisch am Haken
Sieben Uhr morgens, die Sonne scheint und eine leichte Brise von 3 bft.
aus NW zieht uns mit wunderbar ruhigen Bootsbewegungen auf Kurs 020/030
Richtung Malediven. Ich mache erst einmal Kaffee und schaue Toni bei der Körperpflege
zu, später komme ich auch noch dran. Es ist ein unwahrscheinlicher Genuss,
den Körper wieder einmal unter Sonnenstrahlen zu spüren. Zähne putzen,
duschen und eincremen werden so zu richtig lustvollen Tätigkeiten. Fast
auch ein wenig schade um den etwas strengen Geruch, den ich da jetzt
abwasche und an den ich mich schon recht gewöhnt habe.
Letzte Nacht habe ich nach mehr als einer Woche wieder im Cockpit
geschlafen, zumindest bis in die letzten Nachtstunden, als mich dann doch
noch ein Regenguss vertreibt. Jetzt ist wieder alles trocken, sonnig,
ruhig und friedlich. Nach Norden zu wird es immer heller, über uns ist es
leicht bewölkt und in unserem Kielwasser – sprich Chagos – stehen
immer noch zahlreiche riesige Gewittertürme. Es scheint so, als würden
sich alle Türme aus Ost und West genau über Chagos anstellen, weil dort
das vorderindische Zentrum für Gewitterentladungen zu sein scheint.
Gestern abend gab es Frankfurter mit Kartoffelsalat. Die Dosen-Frankfurter
aus Australien sind alles andere als empfehlenswert, umso besser dafür
der hausgemachte Erd-äpfelsalat, halt ein bißchen zu viel. Die Frage,
was wir heute mittag dann zum Salat essen, beantwortet ein Gold-Thuna: 85
cm lang, 50 cm dick und rund 8 kg schwer. Die nächsten wohlschmeckenden
Mahlzeiten sind gesichert!
Das kleine Intermezzo mit der Sonne ist am späteren Nachmittag schon
wieder vorbei. Einige Regenfronten überfallen uns in kurzen Abständen,
bis sie beschließen, gemeinsam für ein richtiges Sauwetter zu sorgen. 6
bft. aus NW lassen uns wenigstens recht gut vorankommen.
Sonntag, 19.11. – 3. Seetag: Sturm am Äquator
Ein typischer Sonntag auf See – nix wie Arbeit halt! 7 Gläser mit Thuna
werden eingekocht und das Wetter passt auch: eine einzige graue Suppe und
Starkwind mit 6 – 7 bft. treiben uns unaufhaltsam auf den Äquator zu.
Und auch das Ziel Malé, die Hauptstadt der Malediven, ist nicht mehr
fern. Sollten wir vielleicht ganz ohne Flaute durch die berüchtigten
Mallungen kommen? Ich will es nicht verschreien, aber wünschen wird man
sich ja noch was dürfen, oder? Der Wind hat mit 8 – 9 bft. inzwischen
Sturmstärke erreicht; riesige Wellenberge decken unser Cockpit immer
wieder mit Gischt ein, auch wenn es gerade einmal nicht regnet, kann man
sich draußen nicht auf Dauer aufhalten. Und mit jedem Mal rausgehen,
bringt man automatisch wieder neue Nässe ins Boot. Diese Feuchtigkeit ist
es, die das Leben so ungemütlich macht. Auch die Nacht wird genauso
unruhig. Wache gehen ist schon beinahe besser als in den feuchten Sachen
dahindösen.
Um 18.15 Uhr Ortszeit überqueren wir den Äquator. Um 18.30 Uhr ist mir
vom Kochen kotzübel. Toni verspeist mit wenig Genuss meine wohl misslungene
Kreation Nudeln mit gerösteten Zwiebeln und Thuna. Zugegeben, ich habe
schon besser gekocht; aber mir ist so und so schlecht!
Montag, 20.11. – 4. Seetag: Äquatortaufe intensiv!
Der Wind hat etwas nachgelassen und kommt mit 5 – 6 bft. aus WNW.
Zeitweise können wir ganz gut Kurs Nord anlegen.
Heute also wird meine Äquatortaufe nachgeholt und vollzogen. Ich kann
zwar nicht viel davon sehen, weil mir von den ausführenden Göttern die
meiste Zeit die Augen verbunden sind. Was ich schmecken und riechen muss,
ist alles voller unterschiedlicher Alkoholika. Jedenfalls ist der Bub nach
etwas mehr als einer Stunde und zahlreichen anstrengenden Aufgaben getauft
und ganz schön besoffen. Ich bin nun ehrwürdiges Mitglied der Äquatorianer
und heiße ab sofort
(R) asmus, der nordische
Gott des Windes
(U)
nikatus, weil ich halt einzigartig bin
(D)
arwin, wo meine erste Langfahrt begann
(I)
ndi,
für den Indischen Ozean, den ich zu einem großen Teil überqueren
durfte.
Ansonsten nichts Neues: mit Starkwind gehen wir auch in die nächste
Nacht. Wir befinden uns auf einem Kurs 030 bis 050, etwa 200 sm östlich
der Malediven. Und so treffen wir heute nacht wieder einmal auf die größere
Fischerflotte, die sich östlich von uns in Nord-Süd-Ausrichtung aufgefädelt
hat: rund 8 Schiffe, und alle in gleichbleibendem Abstand zueinander.
Dienstag, 21.11. – 5. Seetag
Blauer Himmel, Sonne, keine Regenwolken mehr und 3 – 4 bft. NW zum
Aufwachen, da kommen auch die eigenen Lebensgeister rasch wieder auf Trab.
Alle nassen Fetzen raus zum trocknen, Groß setzen und um halb neun
Ortszeit ist die ganze Crew schon fix und fertig zum ausgiebigen
Sonnenbaden im Cockpit. Bräuchte nur noch der Wind auf NE drehen, wir würden
Malé in zwei Tagen überrennen. So aber spielt’s es auch wieder nicht,
und drum machen wir weiter Kurs Nord mit eher östlicher Komponente. Das
wirkt sich beim Etmal gleich einmal mit 115 sm aus, auf Malé haben wir
seit gestern aber nur heiße 6 sm gutgemacht. Macht aber auch nichts, dann
werden wir halt voraussichtlich morgen über Stag gehen und auf
Backbordbug dann Meilen machen (ist das dann der Holebug, oder was?)
Mittwoch, 22.11. – 6. Seetag
Wieder einmal nach 14 Tagen eine Nacht in der frischen Luft des Cockpits
geschlafen. Eine Regenbö hat uns auch diesmal kurz verscheucht, wir aber
sind eigensinnig und zurückgekehrt. Du merkst schon den Unterschied, weil
du viel besser ausgeschlafen bist und der Körper wesentlich entspannter.
Frühstück schmeckt auch gleich besser und allgemein geht es uns wieder
recht gut. Wir haben zwar noch immer satte 240 sm bis Malé, inzwischen
mit 300/310 einen ganz brauchbaren Kurs anliegen. Der Himmel ist wieder
blau und passatige Monsunwolken umgeben uns - oder sind es monsunige
Passatwolken? Mit 3 bft. geht es gemütlich voran. Toni ärgert sich beim
Dingi reparieren und ich darf heute schon überhaupt nichts in die Hand
nehmen, da ist es auch schon schiefgegangen. Wenn nur Wind und Welle nicht
schlechter werden, dann paßt es schon halbwegs. Unser Etmal bringt uns
bis auf 200 sm an das Ziel heran und der Kurs ist auch nicht so schlecht.
Ich freue mich schon irrsinnig auf den Landfall: auf den Kontakt mit
daheim, nach einem Monat wieder einmal eine andere Stimme hören, ein
kaltes Bier und ein Steak, Leute sehen und die Geräusche und Gerüche
einer Stadt. Alles eben, was wir einen Monat lang nicht bewußt vermißt,
aber eben auch nicht gehabt haben. Das alles gewinnt jetzt enorm an
Bedeutung. So schön und erlebnisreich die letzten acht Wochen für mich
auch waren, jetzt überwiegt ganz einfach die Freude auf zuhause, meine
Gerti, die vielen Kinder und alles, was eben so dazugehört.
Donnerstag, 23.11. – 7. Seetag
Der Tag beginnt recht schön und läßt dann im Lauf des Nachmittags
ebenso schön nach. Tagsüber können wir immer wieder einmal für kurze
Zeit Kurs Malé 240/250 anlegen. Aber eben immer nur kurz und fast.
Ansonsten sind Kurse um 310 oder 180 angesagt. Also eher frustrierend und
vor allem nicht zielführend. Am späten Nachmittag ziehen dann schwere
Regenwolken auf, die wir aber mit zwei (fast schon genialen) Kursänderungen
(sprich: Wenden zur richtigen Zeit) austricksen. Erst nach dem recht gemütlichen
Abend-essen müssen wir noch eine dicke, fette Wolke über uns abregnen
lassen. Ihr entkommen wir nicht mehr; dann aber sind wir durch und fahren
wieder beinahe Kurs auf Malé, zumindest bis der Wind total einschläft.
Freitag, 24.11. – 8. Seetag: Flaute vor Malé
Der Wind schläft – totale Flaute. Also fahren wir wieder einmal mit
Gusti, dem Eisernen, mit und laden auch die Batterien wieder auf. Heute
morgen sind es schon weniger als 100 sm bis Malé. Bis morgen Samstag
sollten wir also in jedem Fall einlaufen können. Aber diese Situation
kennen wir doch schon, oder?
Heute ist es genau ein Monat her, seit wir in CI ankerauf gegangen sind
und heute in einem Monat ist Weihnachten. Beide Daten kommen mir irgendwie
gar nicht realistisch vor. Das gehört übrigens mit zum Beeindruckendsten
auf See, wie sich nämlich jedes Zeitgefühl und –empfinden in kurzer
Zeit total verändert. Wie schnell habe ich mich daran gewöhnt, 24
Stunden rund um die Uhr und wochenlang auf See zu sein. Mein ganzes Leben
(= Tagesablauf) hat sich radikal und doch irgendwie leicht und natürlich
verändert. Die Natur hat sowieso einen völlig neuen Stellenwert gewonnen
und dazu zählen auch so natürliche Abläufe wie Tag und Nacht, Sonne,
Mond und Sterne und Wind und Welle. Und schon nach so kurzer Zeit, wie es
meine acht Wochen Segeln ja immer noch sind, er-scheinen mir Zeiträume,
Daten und Termine plötzlich so unwirklich.
Gestern abend habe ich nach sehr langer Zeit wieder einmal Nachrichten auf
Deutscher Welle gehört. Radio Österreich International haben wir
praktisch nie empfangen können, und wenn dann nur so kurz und bruchstückhaft,
daß wir es rasch wieder aufgegeben haben. Ab und zu aber tun News aus der
großen, weiten Welt aber ganz gut. Und ich bin sowieso ein Mensch, der
nach Nachrichten süchtig ist. Aber was gibt es denn schon Neues und
Wichtiges in der Welt? Viel völlig belangloses Zeug, das nicht einmal
wert ist, im Logbuch erwähnt zu werden und zwei Nachrichten, die mir
selbst hier an Bord, also weit weg vom Geschehen, noch den sprichwörtlichen
Feitl im Sack aufgehen lassen:
Nachricht Nummer 1: Die deutsche Bischofskonferenz beschließt, eine große
Werbeaktion durchzuführen, um gegen die ungerechtfertigte Benachteiligung
der katholischen Schwangerenberatungsstellen durch Vater Staat zu
protestieren und zu informieren. Vorgeschichte: Es geht um die Tatsache,
dass in den katholischen Beratungsstellen für Schwangere der
Schwangerschaftsabbruch auch nicht informell vorkommt, weil nicht sein
kann, was in der Kirche nicht sein darf. Weil diese unvollständige
Information wiederum nicht im Interesse der Betroffenen ist, wurden
bestimmte Förderungsbeiträge der öffentlichen Hand gestrichen (natürlich
von der „kirchenfeindlichen„ rot-grünen Koalition Schröder). Und
dagegen müssen die katholischen Bischöfe natürlich anrennen und
protestieren. Mit wiederum öffentlichen Mitteln (sprich: Kirchenbeiträge)
geht man in die teure Werbe-offensive, um öffentliche Mittel (sprich:
Steuerbeiträge) zu erkämpfen.
Nachricht Nummer 2: Amerika hat einen neuen Präsidenten gewählt. Bei der
Stimmenauszählung geht es scheinbar nicht ganz korrekt zu. Wer also
gewonnen hat, oder wer in der Stimmenauszählung vorne liegt, war aus der
Nachricht nicht herauszuhören. Zur Info: die Wahl war am 6.11., vor mehr
als zwei Wochen also! Jedenfalls stellen die Behörden in Florida, wo der
Bruder des einen Kandidaten George Bush, nämlich Jeb Bush, Gouverneur
ist, die nochmalige Auszählung eines fragwürdigen Stimmenpaketes ein.
Begründung: unter dem vom Gericht bestimmten Zeitdruck ist die nochmalige
Zählung nicht möglich! Damit wiederum läuft der offensichtlich
benachteiligte Gegenkandidat Al Gore vor Gericht, um die weitere Auszählung
zu erzwingen. Er holt sich eine Abfuhr, es wird nicht weiter gezählt. Zum
heutigen Zeitpunkt sind aber nach wie vor Rechtsmittel und juristische
Spitzfindigkeiten möglich. Daß mit diesen Tricksereien und dem von
beiden Seiten mehr als lächerlichen Verhalten um das Amt des
amerikanischen Präsidenten gekämpft wird, gerät schon beinahe in
Vergessenheit. Der Respekt vor der Person oder dem Amt des „mächtigsten
Mannes der Welt„ geht komplett verloren.
Die Flaute verstärkt sich. Ölig glatt ist der Ozean am Abend. Bis
Sonnenuntergang fahren wir unter Motor und Stützsegel. Dann heißt es
Motor aus und Segel bergen. Nachdem auch kaum eine Dünung zu verspüren
ist, verbringen wir eine außergewöhnlich ruhige Nacht. Eine Nacht, in
der wir schließlich rund 1,5 sm Drift pro Stunde verzeichnen können,
ausnahmsweise einmal in unserer Richtung – Kurs 225.
Samstag, 25.11. – 9. Seetag: Land in Sicht – Malé!
Und so liegen wir morgens um sechs Uhr nur mehr gut 20 sm östlich von Malé.
Noch einen Morgenkaffee in Ruhe, danach wird der Motor gestartet. Aufräumen
ist auch angesagt, weil ja Zoll und Quarantäne an Bord kommen werden. Als
erstes werden die alkoholischen Vorräte versteckt, weil wir ja in ein
streng muslimisches Land einreisen und nichts Genaues über das Verhalten
der dortigen Behörden bekannt ist. Und Vorsicht ist immer noch die Mutter
der Schnapskiste, oder? Rasch haben wir Wegstauen, Verstecken und Aufräumen
erledigt, weil wir ja sowieso immer ordentlich gelebt haben. Als nächstes
folgt Duschen und Haare waschen, frische Wäsche vorbereiten. Übrigens
habe ich noch immer 7 frische T-Shirts (wie soll ich das bloß der Gerti
glaubhaft erklären?) Und dann ist es soweit. Um acht Uhr morgens steigen
der Flughafen von Malé und bald darauf auch Malé selbst aus der Kimm
herauf. Land in Sicht!!!
Komisch, und gerade in diesem doch sehr emotionellen Augenblick fällt mir
ein Phänomen plötzlich bewußt auf: es gibt hier keine Vögel; weder Möwen
noch Seeschwalben haben wir seit Chagos gesehen! Was ist da bloß los? Ich
finde nicht einmal andeutungsweise eine Erklärung. Über den ganzen Indik,
hunderte Meilen vom nächsten Land entfernt, haben wir immer Seevögel
beobachtet. Und hier sind sie plötzlich vollständig weg?
Nun aber ist meine Aufmerksamkeit von der Annäherung an die Malediven
gefangen genommen. Der Flughafen von Malé, Hulule, ist gleich auf der
Nachbarinsel und ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung gebaut worden. Die
Start- und Landebahnen sind sicher künstlich verbreitert und verlängert
worden, denn so lange Gerade gibt es hier auf den Riffen natürlich nicht.
Wir kommen jedenfalls ziemlich genau aus Osten und damit in einem Winkel
von 90° auf den Flughafen zu. Jetzt sind wir noch etwa 8 bis 9 Meilen
entfernt, als gerade ein Flieger von Süden kommend zur Landung ansetzt.
Von der Flughafeninsel ist außer dem Tower noch nichts zu sehen, weil
auch diese Insel wie alle anderen in den Malediven nicht höher als zwei
bis drei Meter ist. Das große Passagierflugzeug landet nun scheinbar auf
der Kimm, nein, es sinkt jetzt sogar dahinter. Nur das Heckruder schaut
noch drüber hinaus und rollt nun sozusagen ein Stück über die Kimm. Ein
ganz kurioses Schauspiel, das sich da vor unseren Augen abspielt.
Knapp nach 10.00 Uhr Ortszeit passieren wir die Hafeneinfahrt und sind
erst einmal total erschlagen von dem riesigen Verkehr. Kreuz und quer
fegen die unterschiedlichsten Boote und Schiffe, alle sind aber scheinbar
immer mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs. Geprägt wird das Bild von den
zahlreichen Dhonis, das sind kleine Holzschiffe, meist mit einem Dach, die
mit ca. 30 bis 50 Passagieren den Fracht- und Passagierverkehr zwischen
den 1200 Inseln und Atollen abwickeln. Und mitten drin in dieser
maledivischen rush hour suchen die beiden fast schon ängstlichen Österreicher
mit ihrer „langsamen„ Serengeti den new harbour am NW-Zipfel der
Hauptstadt.
Laut unserem Agenten „Fifo„ und der Polizei, mit denen wir bereits über
Funk Kontakt hatten, können wir im new harbour vor Anker gehen. Der Hafen
ist nicht wie angekündigt am NW-Eck, sondern schon eher am SW-Zipfel.
Aber was soll’s, die Einfahrt ist relativ schmal und doch schießen
pausenlos Motorboote, Müllfrachter und Dhonis aus und ein. Meist zwei
parallel heraus und zwei parallel hinein, es herrscht ganz offensichtlich
das Recht des Stärkeren und Schnelleren. Auch hier das gleiche Bild:
jeder ist immer mit Vollgas unterwegs, Rücksicht scheint unbekannt zu
sein. Toni steht am Ruder und pirscht sich durch die kabbelige See der
vielen Schiffe langsam an die Einfahrt heran. Kurz vor der Engstelle dreht
er aber plötzlich ab, und läßt den offensichtlich Stärkeren den
Vortritt. Beim zweiten Anlauf ist Toni schon couragierter und etwas
schneller unterwegs, sodass wir nicht ständig von links und rechts überholt
werden. Motto: durch und rein!
Es gelingt dann auch problemlos, jetzt aber heißt es einen Platz finden.
Die ersten beiden Liegeplätze an der Mole gehören exklusiv den beiden Müllschiffen.
Diese fahren ohne Unterbrechung von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit
jeweils fünf Müllwagen beladen, wie wir sie auch bei uns kennen, zur Müllinsel,
die ca. 5 sm westlich von Malé liegt. Dort wird der Müll verbrannt, denn
es raucht Tag und Nacht. Die nächsten Plätze gehören den Dhonis, dann
kommt eine Hafenecke, wo nur mehr Wohnboote in ganz engen Päckchen
liegen, wo sicher keiner mehr rausfahren kann (und will). Hier wird
gelebt. Dann kommen die Handelsboote, die ihre Waren hier umschlagen. Und
so geht es weiter, jedenfalls finden wir nirgendwo ein freies Plätzchen für
unsere Serengeti und lustigerweise auch kein anderes Segelboot. Dafür
sehen wir jetzt aber recht deutlich Ankerleinen ausliegen, sogar zwei
schwimmende Leinen. Da gibt es nur mehr eines für uns: kehrt und raus!
So, nach diesem missglückten Versuch bleibt uns wohl nichts anderes übrig,
als mit den vielen großen Frachtschiffen und Ausflugsbooten, die hier auf
Reede ankern, das unruhige Wasser zu teilen. Rund 200 m vom Ufer entfernt
finden wir einen passenden Ankerplatz. Wir haben nur ein Problem: hier hat
es nirgends weniger als 40 m Wassertiefe und das ist für uns enorm viel.
Wir bringen 40 m Kette, 10 m Trosse und noch weitere 40 m Trosse aus. Eine
Zeitlang liegen wir ruhig zwischen zwei einheimischen Schonern. Dann
driften wir seitlich ab. Schließlich müssen wir unseren Anker lichten,
was mit zwei Stückelungen im Geschirr ein sehr schweißtreibendes und
aufwendiges Manöver ist. Nach einiger Zeit können wir uns rund 100 m zurückfallen
lassen, so daß wir von den beiden Schonern gut frei sind, lassen den
Anker wieder fallen und nun paßt es und er hält! Wir liegen halt mitten
unter bestimmt mehr als 50 Schiffen auf Reede und sind mit Abstand das
Kleinste.
Zum Einklarieren auf den Malediven braucht man einen Agenten. Fifo ist
auch im Indian Ocean Pilot empfohlen, über Funk hat er uns 20 Minuten
versprochen, doch jetzt warten wir schon mehr als drei Stunden auf ihn.
Die ersten beiden Welcome-Drinks lassen den Ärger und auch den Hunger gar
nicht so richtig hochkommen. Dennoch hoffen wir nun auf einen baldigen
Landgang mit Internet, Essen, kaltem Bier usw. Fifo heißt „first in,
first out„. Das dürfte ein wenig mit Selbstüberschätzung zu tun
haben, oder?
16.00 Uhr: nach mehreren Funkgesprächen und über fünf Stunden Wartezeit
ist es endlich so weit, dass ein Boot längsseit kommt. Wir schauen noch
etwas langsam, jedenfalls haben in kürzester Zeit 7 (sieben!) amtliche
Malediver in unserem Cockpit Platz genommen: Fifo, der Agent und sein
Assistent, ein Offizier samt Assistenten von der Polizei, ein
health-officer, einer vom Zoll und schließlich einer von der
Einwanderungsbehörde. Unzählige Formulare und eine halbe Stunde später
sind wir einklariert. Und noch einmal eine halbe Stunde später starten
wir unser Dingi und gehen an Land.
Inzwischen ist die rush hour angebrochen in Malé und obendrein noch brütend
heiß. Nicht nur, daß die Stadt sowieso völlig überbevölkert ist, müssen
sich alle meine Sinne erst langsam wieder an diese seit einem Monat
unbekannten Anforderungen einstellen: der hohe Lärmpegel, die vielen
Menschen kreuz und quer gehend, laufend, fahrend und überall auch
sitzend, die vielen unterschiedlichen Gerüche ... Während der ersten
Stunde an Land habe ich regelrecht ein wenig Angst – meine Sinne sind
einfach überfordert. Ich stoße überall an, haue mir die Zehen an
Gehsteigkanten wund oder stoße recht ungeschickt mit Passanten zusammen.
Toni geht es offensichtlich nicht viel anders. Wir reden auch nicht allzu
viel, denn er hat ebenso wie ich mit der Koordination seiner Sinne genug
zu tun.
Der erste Weg führt uns narürlich ins Cyber-Café, um schon einmal einen
ersten Bericht nach Hause zu schicken. Die Mails von daheim werden zuerst
gelesen, und schließlich ein paar aktuelle news über die ORF-Seite. Fürs
erste mehr als genug. Jetzt aber rasch in ein Restaurant. Wir essen
indisch, allerdings ohne kaltes Bier. Denn schließlich sind wir in einem
streng muslimischen Land. Mit brennenden Füßen und todmüde sind wir
bereits um 10.00 Uhr abends wieder zurück auf Serengeti. Trotz der Müdigkeit
fällt das Schlafen schwer, weil es so viele Licht- und Geräuschkulissen
rundherum gibt, an die ich einfach nicht gewöhnt bin.
Sonntag, 26.11. bis Mittwoch, 29.11. – 2. bis 5.
Hafentag: der Schneider von Malé als Segelmacher
Die Tage auf Reede vor Malé sind ausgefüllt mit Arbeit und mit täglichen
Besuchen in der Stadt. Man möchte gar nicht glauben, wieviel Arbeit
gleich wieder anfällt. Wasser und Diesel mit dem Dingi zu bunkern ist
sehr anstrengend und zeitraubend. Dann ist es dringend erforderlich,
Serengeti den Algenbart zu entfernen und schließlich die unendliche
Geschichte mit dem „Segelmacher-Schneiderlein„:
Das Groß ist im oberen Teil zerrissen und bei der Genua sind mehrere Nähte
zum ausbessern und, falls der Preis stimmt, sollte das Bimini-Top dringend
neu geschneidert werden. Diese Segelmacherarbeiten sind auch der einzige
Grund, warum wir noch immer in Malé auf Reede liegen, und nicht schon längst
in einer verträumten Bucht relaxen und schnorcheln. Also, wir erzählen
schon bei unserem ersten Treffen unserem Agenten unsere Sorgen und bitten
um Empfehlung eines Segelmachers. Er verspricht uns, für Sonntag einen
Termin zu vereinbaren. Wegen Beginn des Fastenmonats Ramadan wird es dann
Sonntag abend, bis wir endlich den Sailmaker treffen können. Stilgerecht
läßt uns unser Agent per Taxi vorfahren. Der Agent ist nun auch als
Dolmetsch wichtig. Die geschilderten Reparaturarbeiten sind „überhaupt
kein Problem„ und wegen des Bimini wird kurz entschlossen ein Dhoni
gechartert und die ganze Truppe setzt zur Serengeti über. Herr
Segelmacher schaut sich alles stillschweigend an, läßt „überhaupt
kein Problem„ übersetzen und braucht auch nicht Maß zu nehmen. Er
möchte nur das alte Bimini als Vorlage verwenden. Die beiden defekten
Segel werden gleich per Dhoni in die Werkstatt mit zurückgenommen.
Das Bimini werden wir selbst am Montag nachliefern, wenn wir dann auch die
Stoffmuster auswählen können. Alles „no
problem„. Komisch, dass bei mir immer alle Alarmglocken klingeln,
was ich Toni auch sage. Sowohl unser Agent als auch das Schneiderlein
machen mir keinen wirklich vertrauensvollen Eindruck. Einzig das
Preisangebot für das neue Bimini ist überzeugend: 2000 RF minus ein noch
auszuhandelnder Rabatt liegt einiges unter den Erwartungen Tonis. Das
freut ihn natürlich und überdies gibt es auch keine Alternative: weder
zum Agenten noch zum Sailmaker! Toni will das Bimini auf jeden Fall in
dunkelblau, was sich auch ganz gut trifft, da es laut Schneidermeister
derzeit sowieso nur blaues Segeltuch gäbe.
Am Montag liefern wir dann vereinbarungsgemäß das Bimini ab. Wir müssen
erfahren, dass die Stoffmuster wegen des Ramadans erst am Dienstag zur
Verfügung stehen werden. Auch Groß und Genua konnten deswegen noch nicht
bearbeitet werden. Der neu vereinbarte Fix-Termin heißt Dienstag mittag für
die Stoffmuster und Dienstag abend für die Abholung der beiden
reparierten Segel.
Am Dienstag kommen wir dann ein wenig später, da wir durch Internet, Fifo
und Supermarkt doch einigermaßen aufgehalten wurden. Als wir um 14.00 Uhr
per Taxi vorfahren, schläft das Schneiderlein gerade ein wenig. Die
Segelreparaturen haben auch noch nicht begonnen und die Stoffmuster sind
alles andere als zufriedenstellend. Es gibt nur einen einzigen Stoff, der
annähernd Segeltuch-Qualität hat und stark genug ist, aber er ist weiß.
Daraufhin beschließt Toni, das Bimini doch erst im Oman machen zu lassen.
Das heißt, es geht jetzt nur noch um die Fertigstellung von Groß und
Genua und die diesbezüglichen Kosten. Schneidermeister ziert sich, hat
keine Ahnung was er sagen sollte, rechnet dann hin und rechnet wieder her,
auf und ab und will schließlich für seine Arbeit 3000 RF. Das sind
umgerechnet rund öS 4.000,- für insgesamt etwa drei, maximal vier
Meisterstunden. Jetzt reicht es endgültig. Wir diskutieren nicht mehr
sehr lange, packen unsere Segel selbst wieder zusammen und verabschieden
uns. Es ist überaus anstrengend und schweißtreibend, am frühen
Nachmittag mit zwei Segelsäcken und drei Kartons Einkäufen im Dingi zurück
zur Serengeti zu fahren. Beim Pre-Sundowner sind wir natürlich immer noch
ziemlich angefressen und Toni gibt seinen mehr als berechtigten Frust per
Funk an unseren glorreichen Agenten weiter. Dieser ist natürlich „very
sorry„, läßt den Anschiß aber ziemlich cool abtropfen. Soweit zu
den „no-problem„ – Problemlösern, die scheinbar auf der ganzen Welt
nach dem gleichen Muster gestrickt sind.
Am Mittwoch haben wir dann noch eine Fahrt in den neuen Hafen zu
erledigen, um letzte Wasservorräte, Diesel, Obst und Gemüse an Bord zu
bringen. Das Wetter schlägt auch gerade um, und so fühlen wir uns auch
beide abgespannt, müde und erholungsbedürftig. Wind und Seegang sind stärker
geworden. Mit unserem Ankerauf-Manöver müssen wir bis zum Kentern des
Stromes warten. Um 12.00 Uhr ist es dann soweit. Dann dauert es immer noch
eine gute halbe Stunde und braucht enorm viel Kraft und Geschick, bis wir
die 50 m Trosse und 40 m Kette samt Anker wieder heroben haben.
Nach
weiteren 1,5 Stunden langsamer Motorfahrt werfen wir um 15.00 Uhr Anker
auf sieben Meter Wassertiefe genau vor dem Club Med. Lange liegen wir aber
nicht hier, weil der General Manager etwas dagegen hat. Ein junger
Malediver kommt in Begleitung eines Security längsseit und macht uns höflich,
aber bestimmt darauf aufmerksam, daß wir rund 100 m nach Süden verholen
müssen. Dort liegen wir ebenso gut, aber halt ein wenig weiter entfernt
von Restaurant, Bar und Dhonisteg. Denn das sind für uns die wichtigsten
Einrichtungen für die nächsten beiden Tage. Übrigens hat mir Kapitän
Toni heute ab 14.00 Uhr offiziell Urlaub gegeben. Mittlerweilen bin ich
beim dritten Urlaubsdrink (Gin mit Juice) und schon verdammt gut drauf!
Donnerstag, 30.11.
Es folgen zwei ruhige Tage im paradiesischen Atoll vor dem Club Med. Im
Club gehen wir zum Essen, d.h. wir schwelgen in für uns unbekannten Sphären,
nämlich am riesigen Buffet und gut gekühltes Bier und französischen
Wein gibt es ebenso massig. Urlaub auf den Malediven – aber halt nur
einen guten Tag. Am nächsten Tag gehen wir noch einmal zum Schnorcheln.
Und wie schon einige Jahre zuvor in der Karibik, sehe ich als Brillenträger
wieder einmal so gut wie nichts. Nicht einmal die beiden gut drei Meter
langen Haie, die uns bis auf ca. 10 m nahe gekommen sind und Toni zu
Begeisterungsstürmen hingerissen haben. Ich habe sie ganz einfach nicht
gesehen. Ein bißchen gefürchtet habe ich mich hinterher trotzdem. Dieses
Erlebnis ist schließlich Auslöser, daß ich mir nach meiner Rückkehr
doch noch Kontaktlinsen machen lasse, obwohl ich seit mehr als dreißig
Jahren an die Brille gewöhnt bin und mir ein Leben mit Linsen gar nicht
vorstellen kann. Nur: noch einmal soll mir das nicht passieren.
Samstag, 2.12. – Crewwechsel
Aus und vorbei! Am Vormittag trifft Tonis Frau ziemlich planmäßig ein.
Die beiden haben sich seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen und brauchen
die zwei Wochen gemeinsamen Urlaub natürlich auch dringend; und für mich
heißt es am Abend Abschied nehmen. Abschied nehmen von einem großen
Abenteuer, das mir so viele neue und wunderbare Eindrücke vermittelt hat.
Und zurück nach Hause zu meinen Mädels, auf die ich mich jetzt schon
irrsinnig freue.
Der Rückflug über Singapur dauert wieder gut 40 Stunden. Todmüde, aber
glücklich und sehr zufrieden komme ich im kalten Österreich an. Dass die
nächsten Tage für mich noch viel kälter werden sollten, ist aber eine
andere Geschichte.
Segeln
mit österreichischem Weltumsegler
^^ TOP ^^
HAFTUNGSAUSSCHLUSS
/ DISCLAIMER
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