Mit der Segelyacht „SERENGETI“ um die Welt
Mastbruch und Riggverlust im Arabischen Meer
Mai 1998 bis Mai 2001
Reisebericht von Anton Bozic (Toni)

|
Am
Sonntag, dem 31.Mai 1998, verlasse ich Triest, Italien, solo, mit erstem Ziel
Korfu im Ionischen Meer. Damit beginnt eine Reise, die mich schließlich um die
Welt führen soll - doch vorerst ist davon noch gar nicht die Rede: Einmal über
den Atlantik und wieder zurück soll es gehen mit meiner „Serengeti“. Im
kommenden Jahr im Sommer will ich wieder im Mittelmeer sein - doch mit den Tücken
des Segelvirus habe ich eben nicht gerechnet... Entlang der kroatischen Küste und weiter nach Korfu
sammle ich meine ersten Einhand-Erfahrungen - manches Manöver läuft anfangs
noch mit viel Bauchweh ab und Perfektion sieht wohl auch etwas anders aus; doch
irgendwie krieg ich es doch ohne grobes Malheur hin und mit der Zeit und einiges
an Übung werden die Handgriffe schnell sicherer und besser. SO von Sizilien erwischt mich der erste “ordentliche“
Sturm; es heult aus Westen mit
bis zu 10 Beaufort - nichts geht mehr! Nur unter Sturmfock (8m²) halte ich
die Position so gut ich kann. Die Wellen, die gegen die Bordwände der Serengeti
knallen, lassen mich sehr klein und schwach vorkommen. Wird „S“ das
unbeschadet durchstehen???! Warme Mahlzeiten sind „out“; bei dem Wetter
halte ich mich wohlweislich vom Gasherd fern. Auf Dauer von Müsli, Sandwich und
Keksen zu leben, drückt allerdings erfolgreich die Stimmung. Ein Königreich für
ein Schnitzerl! Ein vorbeikommender Frachter, den ich über Funk erreiche, gibt
mir die „gute Nachricht“, dass noch keine Wetterbesserung in Sicht ist - und
wünscht mir viel Glück.
Bereits in Malta lasse ich die ersten Verbesserungen an der Serengeti durchführen.
Leesegel werden montiert und einige Umbauten durchgeführt, die etwas mehr
Ablageraum in der Kajüte schaffen. Die Steuersäule wird mit soliden
Niro-Bolzen (statt Alu!) fixiert. Als Resultat bemerke ich beim Ablegen nach
Sizilien, dass das Ruder seitenverkehrt läuft ! An eine Korrektur unterwegs ist
nicht zu denken, das wäre zu riskant und ein Finger schnell eingezwickt. Erst
in Siracusa auf Sizilien habe ich die Bedingungen die Steueranlage zu zerlegen
und den Fehler zu korrigieren – bis dorthin behelfen wir uns zeitweise mit
einer Pinne (anstelle der Radsteuerung). Weiter durch die Straße von Messina mit einer österreichischen
Crew (Bernhard, Ernesto, Sissi, Ewald) ; in der Nacht versperren uns plötzlich
meilenlange Treibnetze den Weg – und das mitten in der Schiffsstraße! Mühsam
und mit viel Bauchweh manövrieren wir uns zwischen den Netzen hindurch – alle paar
Meilen liegt ein neues – einige mit Blitzleuchten versehen, andere ohne;
einige haben einen Wächter, bei vielen ist niemand zu sehen. Das ist Nervenverschleiß!
Ein Mann steht mit am Bug der SERENGETI und sucht mit dem Scheinwerfer (!!) nach den Netzen
voraus. In der Nacht bietet sich uns ein besonderes
Schauspiel: auf der Backbordseite der Ätna (der allerdings kaum merkbar ist),
auf der Steuerbordseite ein Glühen, das uns auf den ersten Blick wie Lavamasse
erscheint – wir sind verblüfft ob dieser Erscheinung – es ergibt keinen
Sinn auf den ersten Blick. Beim Näherkommen entpuppt es sich als riesiger
Waldbrand! Äolische Inseln/Liparische Inseln: ein Seglertipp!
Vulkaninseln (aktive Vulkane auf Vulkano und Stromboli) - auch im Juli einsam
und mit viel Flair. Wer das Außergewöhnliche im Mittelmeer sucht, findet es
hier. Weiter, am ältesten Leuchtfeuer der Welt, Stromboli (das
schon Odysseus den Weg gewiesen hat) vorbei Richtung CAPRI. Erst jetzt bekommen
wir den ersten Wind und können die Segel setzen – dafür hält er bis Nizza
durch. Capri ist der totale Gegensatz zu den Äolischen Inseln.
Schiffsverkehr in jeder Form und so massenhaft, dass es einem angst und bange
wird. Im Juli/August definitiv nicht zu empfehlen, hat aber zweifelsohne seinen
Flair. Einen Liegeplatz in der Marina ergattern wir nur durch Zufall. Ischia gleicht Capri punkto Schiffsverkehr. Auch hier ist
die Atmosphäre typisch italienisch. Und nachdem gerade die Fußballweltmeisterschaft
98 läuft, kommt auch die Fußballverrücktheit der Italiener voll zur Geltung.
Die komplette Crew der Serengeti natürlich mitten drin. Die Pontinischen Inseln (Ponza, Ventotene, Zanone,
Palmarola): ein Leckerbissen für den Segler an der italienischen Westküste –
geschichtsdurchhaucht und nur wenige Touristen zu sehen – man fühlt sich
wohl. Hier atmet man Geschichte. Nach N-Sardinien – Straße von Bonifacio – BONIFACIO. Ein Traumrevier und mein SEELISCHER
HEIMATHAFEN! Schon am nächsten Tag segeln wir weiter über Bastia und Kap Korse rüber zum Festland nach Nizza. Hier kommen meine zwei Söhne, Alex und Bernhard und ihr Freund Niko an Bord. Wir segeln entlang der Cote Azur und setzen dann nach Menorca über – eine stürmische Fahrt, wobei die Seekrankheit meinen Söhnen ganz schön zu schaffen macht... Südfrankreich ist ein schönes Segelrevier, aber im Sommer sind viele Buchten hoffnungslos überlaufen, einen Platz in einer Marina zu finden grenzt an Wunder. Auf den Balearen findet man noch eher eine halbwegs einsame Bucht, wenn auch hier die Preise für Marinas und Proviant recht deftig sind. Meine Frau gesellt sich für zwei Wochen zu uns, und wir segeln gemütlich von Insel zu Insel, von Bucht zu Bucht - ein richtiger Familientörn halt. Bei starkem Westwind legen wir (Sigi, ein Kärntner, und
ich), nachdem meine Familie wieder nach Wien zurückkehren musste, Anfang September 98 von Mallorca ab, und setzen, nach kurzem Stop auf
Ibiza, auf das spanische Festland über. Anhaltende starke W-Winde zwingen uns zum
Kreuzen und wir kommen nur zäh voran; zeitweise kommt sogar die Sturmfock zum
Einsatz; nicht gerade lustig, wenn man so ein Ding in der Nacht am Kutterstag
anschlagen muss.. |
|
GIBRALTAR! Der weltbekannt „Rock“ entschädigt uns für all die Mühe: wir genießen den 3-tägigen Aufenthalt, inklusive Besichtigung der ehemaligen militärischen Festung am Felsen und der dort lebenden Affen. 550
Meilen sind es nach Porto Santo, Gomera und Madeira. Auf der Blumeninsel
mieten wir uns einen Wagen und fahren mal kreuz und quer über die Insel. Ja,
hier könnte man durchaus einen längeren Urlaub verbringen. Auf dem Schlag nach Gran Canaria (Las Palmas) ereilt uns
der erste größere technische Schaden: Plötzlich
ein heulendes Geräusch, das sich wie eine Kaffeemühle anhört: das Getriebe
hat sich verabschiedet! Eine Reparatur mit Bordmitteln ist nicht möglich. Jetzt
war zu überlegen, wie wir am besten in den Hafen von Las Palmas kommen. Vor
allem als sich abzeichnete, dass die Ankunft zur Nachtzeit sein würde. Zuerst erwäge ich, aufs Tageslicht zu warten. Doch wenn
der Wind bis dahin einschläft, war uns damit nicht geholfen. So entschließen
wir uns schließlich die Gunst der Winde zu nutzen und in der Nacht einzulaufen
– AUSSCHLIESSLICH UNTER SEGEL. Und das in einem unbekannten Hafen – da ist
schon viel Bauchweh dabei... Mit Glück schaffen wir es (mit viel Glück) auf Anhieb
– mit einem etwas gewagten Halsemanöver im Hafen gehen wir schließlich an
einer anderer Segelyacht längseits ohne Schaden anzurichten – PUUUUUUUHHHH::: Über den Atlantik Senor Pedro verspricht uns eine „Volvo-Spezialisten“ für
das Getriebe zu schicken – NO PROBLEM – hören wir immer wieder. Als ich
nach zwei Wochen Heimaturlaub wieder zurückkomme, ist das Getriebe so defekt
wie vorher. Aber immer wieder hören wir – jetzt bin ich schon mit meiner
Atlantik-Crew (Alan, Christian und Notl) da – NO PROBLEM! Ich fahre mit dem
Mechaniker durch die Gegend um Rat und Ersatzteile zu besorgen. Den
Abfahrtstermin müssen wir verschieben. Es wird mir mehr und mehr klar, dass
diese „Fachleute“ keine Ahnung haben, was zu tun ist. Am Ende entscheiden wir uns ohne Getriebe über den
Atlantik zu gehen. Der „Volvo-Spezialist“ hatte noch die Frechheit
für seine „Arbeit“ Geld zu verlangen. Meine Antwort „no cure - no
pay“ wollte er zuerst nicht akzeptieren. Nachdem mir der Marinamanager auch
recht gab, verzog er sich schließlich mit langem Gesicht. Das Getriebe musste
ich vorher noch aus seiner „Werkstatt“ (einem Hinterhof-Schrottplatz)
stehlen und in zwei Plastikkübeln zum Boot schleppen. Jetzt müssen wir ohne Motor erst mal aus dem Hafen
kommen. Wieder wende ich mich an Senor Pietro von der Texaco-Tankstelle um
Schlepphilfe. Die kommt auch zur verabredeten Zeit; doch schon wie er seine
Motoryacht vor die „S“ stellt, lässt mich Böses vermuten: Der Kerl hat
keine Ahnung! Mangels Alternative machen wir weiter und erklären dem Captn was
er tun müsse. Wir machen eine 15m-Leine an seinem Boot fest und er zieht uns
aus der Box und Richtung Hafenausfahrt. Doch auf halbem Weg dorthin wirft
unerwartet ein Crewmitglied einfach die Schleppleine los und der Skipper wirft
den Retourgang rein und gibt Vollgas. Ich trau meinen Augen nicht, werfe das
Ruder hart backbord – das Heck der Motoryacht kommt rasend schnell auf den Bug
der „S“ zu – dann wieder hart steuerbord – und mit einem Hauch an
Abstand gleiten die beiden Schiffsrümpfe aneinander vorbei. Beinahe hätten wir
die „S“ schon im Hafen versenkt... Nachdem der Wind direkt in die Hafeneinfahrt steht und es
zu eng zum Kreuzen ist nimmt uns schließlich eine andere Segelyacht wieder in
Schlepp und zieht uns durch die enge Einfahrt. Groß und Genua werden hurtig
gesetzt und wir ziehen endlich erleichtert an der Ostküste von Gran Kanaria in
Richtung Süden – die große Fahrt hat begonnen. Ein ordentlicher Manöverschluck
ist angesagt - aber schließlich werden es doch einige mehr... Es
folgen 26 Tage der Beschaulichkeit und Erfahrungen, die wir alle bisher nicht
machen konnten. Anfangs machen wir gute Fahrt, doch dann folgen Eines Nachts erleben wir ein ganz besonderes Schauspiel geboten: Ein Meteoritenregen geht auf die Erde nieder, wie ich es noch nie erlebt habe. Es dauert die ganze Nacht an. Mir kommt sofort „Krieg der Sterne“ in den Sinn; es war einfach unheimlich. Wie ich später hörte, war dies eine astronomische Ausnahmeerscheinung.
Nach 26 Tagen Fahrt erreichen wir schließlich
wohlbehalten die Karibik und unsere Destination Philipsburg, Sint Maarten. Ein
riesiger amerikanischer Flugzeugträger liegt vor der Bucht. Unter Segel wagen
wir uns soweit wie möglich in die Bucht hinein und werfen schließlich auf gut
5m Wassertiefe unseren Anker. Das Beiboot wird aufgeblasen, ins Wasser geworfen,
und in nullkommanix sind wir schon in der allernächsten Bar. Böse Zungen
behaupten, das schönste an einer Atlantiküberquerung sei das erste kalte Bier
in der Karibik! Nun, ich will nicht streiten... Nachdem wir etwas ortskundig gewordne sind, verlegen wir
die Serengeti an den Steg in Bobby´s Marina. Meine Kumpels bleiben noch einige
Tage und wir machen zusammen die netten Bars und Raggee-Cafés unsicher. Die
karibischen Schönheiten haben es nicht nur mir angetan...
|
In der Karibik
Eine der wichtigsten Aufgaben eines Weltumseglers ist es,
den Tag mit Nichtstun zu verbringen,
und sich danach ein Päuschen zu gönnen !
|
Die Serengeti muss aus dem Wasser und in die Werft, denn
am Ruder haben sich einige Haarrisse gezeigt. Und das Getriebe muss natürlich
auch endlich repariert werden. Es folgen Monate des angenehmen Passatsegelns zwischen den British Virgin Islands und Grenada mit verschiedenen Chartercrews, wo ich mir etwas dazu verdiene. Auf Dominika treffe ich den Franzosen Jean-Pierre und er entschließt sich, mich auf der Fahrt nach Tahiti, Französisch Polynesien, zu begleiten. Angenehmer Nebeneffekt für mich: Neben der angenehmen Gesellschaft von Jean-Pierre kann ich auch mein Französisch etwas aufpolieren. In
Trinidad
Eine angenehme Crew (ein österreichisches Paar
und der Franzose Jean-Pierre) begleitet mich von Trinidad nach Panama. Wir
besuchen kleine Juwele der Karibik wie die Los Roques und Los Aves Inseln, beide
zu Venezuela gehörend. Von Fischern bekommen wir Haifischsteaks
(gleich etliche Kilo) geschenkt, die unserer Bordküche angenehme
Abwechslung bringt. Beim Versuch, den Fisch vom Land an Bord zu bringen, werden
Jean-Pierre und Egon allerdings vom stark wehenden Wind aufs Meer
hinausgetrieben. Ich bin gerade an Land und kann nur tatenlos zusehen, bis
schließlich ein paar Fischer die Lage erkennen und die beiden wieder zurück
holen. Einiges an Nerven kostet eine verspätete Ankunft auf den
Los Roques Inseln. Es ist schon stockdunkel und ein kräftiger Ostwind weht, der
auch den entsprechenden Seegang mit sich bringt. Wir haben Probleme die
angepeilte Bucht zu finden. Die Insel ist flach und in der Nacht kann man keine
Charakteristiken erkennen an denen man sich orientieren könnte. Nur ein
Leuchtfeuer in einiger Entfernung ist ein Anhaltspunkt. Dafür gibt es etliche
„nette“ Riffs in der Gegend. Es erfordert einige Versuche und viel Arbeit
mit dem Scheinwerfer, bis wir endlich unser Ziel finden, das Beiboot ins Wasser
setzen und schließlich den Anker werfen. Jean-Pierre schaut recht bleich drein. Über die ABC-Inseln (ehemaliges holländisches Gebiet) segeln wir weiter Richtung Westen. Der starke Ostwind von bis zu 8 Beaufort baut eine mächtige See mit Wellen bis 5 Meter auf. Zeitweise kommen wir mächtig ins Surfen und die Segel müssen auf ein Minimum gekürzt werden. Dennoch passiert es: Eines nachts lässt eine mächtige achterliche Welle die Serengeti querschlagen ("Knock Down" - wenn der Mast parallel zum Wasser steht); sie wird fast 90° auf die Seite gedrückt - das Wasser schlägt über die Bordwand und füllt das Cockpit bis zum Rand. Ich habe gerade Wache und bekomme ein volles Bad ab. Erst bei Hellwerden bemerke ich den vollen Schaden: Eine Relingstütze hat es ausgerissen und ein Rettungsring ist verloren gegangen; die Passarella hängt gerade noch an einem Bändsel. Die Ankunft in Panama im PCYC (Panam-Canal-Yacht-Club) erfolgt am frühen Nachmittag. Viele Großschiffe liegen in der Limon Bay vor Anker und warten auf die Durchfahrt, rüber in den Pazifik. Kleine Yachten aller Nationen warten vor Anker oder im Yachtclub. Die Crews sind verständlicherweise sehr nervös, denn der Panamakanal-Transit ist eben mal etwas besonderes. Viele fahren auf anderen Schiffen sozusagen zum Erfahrungsammeln mal mit, und schauen sich das ganze Prozedere an. Für Egon und Eva,
das österreichische Pärchen, ist
hier leider die Fahrt zu Ende, und sie fliegen wieder nach Hause. Jean-Pierre
verlässt mich leider auch: er wollte ja bis nach Papeete, Tahiti, mitsegeln,
aber seine Freundin vermisst ihn angeblich zu sehr. Ich habe jedoch den
Eindruck, dass ihm die Fahrt durch die Karibik etwas zu unheimlich bzw.
anstrengend war. Zeitweise ist es ja auch tatsächlich etwas wild zugegangen. Bereits 1534 wurden von Karl I aus Spanien der
Vermessungsauftrag für den Kanal vergeben, aber mehr als 300 Jahre vergingen
bevor die ersten Bauarbeiten 1880 begannen. 20 Jahre waren die Franzosen dran,
doch Krankheiten und finanzielle Probleme ließen sie scheitern. Erst als 1904
die Amerikaner den Franzosen alle ihre Rechte abkauften, wurde von ihnen der
Kanal in 10jährigen Bauzeit fertig gestellt. Es war ein Projekt mit bis dahin
unbekannten Dimensionen. |
Durch den Panamakanal
|
Nach dem Erledigen der Formalitäten, u.a. wird das Schiff vermessen, und Bezahlen der Transitgebühr in Höhe von 500 US Dollar, sowie einer „Transitkaution“ in Höhe von $ 800 (!), nehmen wir am 28. Februar endlich den Kanallotsen an Bord. Mit neuer Crew (einem Wiener), zwei Gästen aus Island und Dänemark, die als Linehandler agieren, und einer panamesischen Deckshand namens Rudi, fahren wir hinter einem Großschiff in die erste Schleuse der Gatun Locks. Wir können uns an einen Schlepper seitlich anhängen und fahren mit diesem die drei Stufen von je 9 Metern hoch zu Gatun-See. Ein letzter Blick zurück zum Atlantik – bye-bye! Dann richtet sich der Blick wieder nach Westen, zum Pazifik. Nach
einer Übernachtung im Gatun-See bei Gamboa fahren wir am nächsten Morgen
weiter zu den Schleusen auf der Pazifikseite: Miraflores und Pedro Miguel Locks,
wie sie heißen. Diesmal sind wir im Päckchen mit einer anderen Segelyacht
verbunden. Von den Schleusenseiten fliegen uns die „monkeyfists“ entgegen
(das sind lange Wurfleinen mit einem Lederball als Wurfgeschoss) an die wir
unsere langen Leinen festmachen. Diese werden wiederum an Land gezogen und dort
an Pollern befestigt; so liegen wir sicher in der Mitte der Schleuse während
das Wasser rund um uns brodelt und sich mächtige Wirbel bilden. Durch unzählige
riesige Absauglöcher entweicht das Wasser und senkt uns langsam auf das Niveau
der nächsten Stufe ab.
Glücklich und ohne Havarie erreichen wir am Nachmittag
Balboa, die Hafeneinfahrt auf der Pazifikseite, wo wir unseren Lotsen und
unseren Begleiter während des Kanaltransits verabschieden. Ein letztes Mal füllen
wir noch unseren Wasser- und Dieselvorräte auf bevor wir, unter der „Bridge
of the Americas“ durch, Kurs in den Pazifik setzen. Die erste Etappe führt uns zu den Las Perlas Inseln, die noch zu Panama gehören. Auf San Jose treffen wir Dieter und Gerda, ein älteres deutsches Paar, das sich hier vor 18 Jahren niedergelassen hatte; sie haben hier ihr persönliches Paradies gefunden, wie sie behaupten.. Weit abseits jeglicher Zivilisation frönen sie ein einfaches Dasein. Sie leben in einem Buschhaus einfachster Art; ein Kurzwellenradio ist eines der wenigen „Luxusgütern“, abgesehen vom kleinen Motorboot, mit dem sie einmal im Monat aus Panama-City ihren Einkäufe heranbringen. Die Segelyacht, mit der sie hier angekommen waren, liegt heute als verrosteter Schrotthaufen am Strand unweit von ihrer Hütte. Sie leben von
Zitrusfrüchten, die sie an vorbeikommende Segler verkaufen; einige Wildschweine
die sie in einem Gehege halten, bringen etwas Abwechslung in die einfache Küche.
Als wir nach drei Tagen wieder unseres Weges ziehen, winken sie uns lange vom Hügel
ihres Hauses mit einer deutschen Fahne nach; es scheint uns, als wenn sie selbst
auch gerne mal wieder weiterziehen würden... |
Von Panama nach Tahiti - der PAZIFIK
Einen Ozean überquert man nicht!
Man LEBT auf ihm - bis eines Tages wieder das Land auf Besuch kommt !!
|
Einen Tag nachdem wir die Gewässer von Panama hinter uns
gelassen haben, ereilt uns das erste Malheur: Ein böser Durchfall hat mich und Rupert
erwischt; wir vermuten, dass es Salmonellen sind, denen wir diese feuchte und
kraftraubende Angelegenheit zu verdanken haben. Während ich noch halbwegs bei
Kräften bin, erwischt es meinen Gast ganze böse; er kann sich kaum von seiner
Kabine zur Toilette schleppen. Zu allem Überfluss fängt er dann aber auch noch
an, mir schwere Vorwürfe zu machen, dass ich ihn vergiftet hätte usw. Das hebt
nicht Höhepunkte, wie die einmaligen Galapagos Inseln, kann ich schon deshalb nicht genießen. Ich seil mich ab wo es geht und gehe meine Wege, erkundige Flora und Fauna in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht. Diese Inseln gehören zu Ecuador. Gottseidank wird der Tourismus rigoros kontrolliert; vorgegebene Quoten dürfen nicht überstiegen werden.
Das Glanzstück liefert Rupert, als er auf den Tuamotus einfach drei meiner Bücher entwendet und sie einem dort lebenden Neuseeländer schenkt. Er tut dennoch verwundert und beleidigt als ich ihm mitteile, dass wir sofort nach Tahiti aufbrechen und seine Reise mit mir auf schnellstem Wege beendet wird. Nachdem ich meine „nette Begleitung“ in Papeete endlich losgeworden bin, kann ich mich wieder etwas entspannen und auf angenehmen Besuch aus Österreich freuen: Zuerst ein befreundetes Paar, Nora und Gerhard, das mit mir 14 Tage lang durch Französisch Polynesien kreuzen will. Und dann kommen meine zwei Söhne mit ihrem Freund, und verbringen die Ferien mit mir. Zusammen wollen über die Cook Inseln und Tonga zu den Fidschi Inseln segeln. Papeete, die Hauptstadt dieses Inselreiches, bietet
natürlich heute jeglichen Luxus. Kreuzschiffe nehmen Touristen aus dem
fernen Europa oder Amerika auf eine Rundreise. Zehn Tage später spucken sie sie
wieder aus und nehmen neue auf. Die Preise sind dementsprechend: Unterm Strich
wohl so an die 50% höher als in Europa. Dennoch: Der Hafen von Papeete ist sehr
kurzweilig; ein ständiges Kommen und Gehen. Im Mai und Juni wird schon
ernsthaft für das große Bootrennen im Juli trainiert, wo sich Ruderer von
allen Inseln untereinander messen. Einer, Doppel und Vierer
üben täglich nach Dienstschluss für das große Ereignis; die Spannung liegt
der Luft; es knistert so richtig. Von Tahiti nach Fidschi Endlich sind meine Jungs, Alex und Berni, mit ihrem Freund Niko, da und es geht nach zwei Tagen auf Tahiti gleich los nach Moorea und zu den Cook Inseln. Die Menschen der Südsee muss man kennen gelernt haben: Ihre freundliche Art, das immer vorhandene Lächeln, der freundliche Gruß „NA-NA“ und ihre Großzügigkeit. Da geht man nach Ladenschluss auf Brotsuche, und in irgendeinem Restaurant, wo einen niemand kennt, drückt man dir ein frisches Brot in die Hand und sagt, man solle es halt man nächsten Tag begleichen, weil man noch keine heimische Währung in der Tasche hat. Auch der Greißler schreibt die Summe des Gekauften einfach auf einen Zettel und ersucht, dass man halt demnächst mal mit dem Geld vorbei kommt. Selbst meine Söhne meinen, dass man sich hier etwas abschauen kann. Vom Hafenkapitän in Rarotonga bekommen wir einen
besonderen Tipp: das Beveridge Riff! (~20º Süd und 167º46’ West) Mitten in der Südsee, Niemandsland, aber
ein Paradies, wie es nur mehr wenige gibt. Hier liegen wir sicher vor Anker, ganz
alleine; eine unberührte Unterwasserwelt nur für uns, voll von Fischen,
Langusten - und auch Haien. Eines Tages fangen die
Jungs einen Fisch mit der Angel. Bevor sie ihn ins Beiboot ziehen können,
holt sich ein Haifisch den Happen und zieht das wild schreiende Duo durch die
Lagune; erst als er den Fisch durchbeißt, können auch die Burschen erleichtert wieder
zur SERENGETI zurückkehren. Das war ein Abenteuer ganz nach ihrem Geschmack. Die nächste große Station ist die Vavau-Inselgruppe im
Norden des Inselstaates Tonga. Hier treffen wir in einer einsamen Bucht den spanischen Aussteiger
"Pepe".
Eigentlich heißt er ja anders, aber den spanischen Namen können die
Einheimischen nicht aussprechen - also nennt er sich "Pepe". Vor 15 Jahren ist er zusammen mit seinem damals 12jährigen Sohn und seiner
kleinen Yacht aus Spanien, Bilbao, hierher gekommen. Nachdem er pleite war, beschloss er sich hier
niederzulassen, ob es nun den Behörden passte oder nicht. Großzügig wie die
Insulaner sind, ließen sie ihn bleiben. Sein Sohn ging hier zur Schule,
heiratete schließlich eine Einheimische und ist heute Lehrer in Neuseeland.
Pepe selbst lebt noch immer in seiner Bucht, auf seiner kleinen Segelyacht, hält sich mit
Gelegenheitsjobs und als Batikmaler über Wasser. Er baut auch gerade an einer
„schwimmenden Bar“ und die Burschen helfen ihm dabei. Den ersten Kasten Bier,
den er sich bei mir verdient und den er für die Eröffnung anschafft, trinkt er
allerdings selbst aus - was soll´s?. Er ist ein netter und interessanter Typ, der auch bei der
Jugend mit seinen Stories gut ankommt. Ich nehme an, er lebt heute noch immer zufrieden in seiner Bucht,
dort in der Südsee...
Es kommt der Abend, wo meine Söhne und Niko wieder nach
Hause fliegen müssen; eine wunderschöne Zeit ist vorbei. Ich habe mich sehr an
ihre Gesellschaft gewöhnt. Während sie schon im Flieger auf den (verspäteten)
Abflug warten, sitze ich noch lange alleine in der Bar am Flughafen und lasse
die vergangenen acht Wochen revue passieren. Ab hier werde ich wieder mal
alleine unterwegs sein – keineswegs etwas worauf ich mich jetzt sehr freue...
Einhand von Fidschi nach Darwin, Australien Zur Verbesserung meiner Gemütslage kaufe ich mir am nächsten
Tag vorsichtshalber noch ein paar Flaschen schottischen Gerstensafts. Wer will
schon ewig Trübsal blasen?! Durch ein Gewirr von Riffen schlängele ich mich
aus dem Hochheitsgebiet von Fidschi. Hier erlebte ich übrigens wohl den
aufwendigsten Bürokratismus bei der Ein- und Ausreise. Zig Formulare mussten
ausgefüllt werden und es dauerte wohl eine geschlagene Stunde jedes Mal. Als es
schon zu dämmern anfängt und ich mich noch immer nicht im freien Gewässer
befinde, beschließe ich noch einmal in einer Bucht vor Anker zu gehen und erst
am nächsten Tag die Fahrt fortzusetzen. So spät am Nachmittag sind die
Sichtverhältnisse für die Riffnavigation schon zu schlecht und ich mache auch
gleich eine ungute Erfahrung: Gerade habe ich den Anker auf passender Tiefe
fallen gelassen, als unmittelbar neben der Serengeti ein mächtiger Korallenkopf
(bombies werden diese gefährlichen Dinger auf Englisch genannt) durch
das Wasser leuchtet. Mir fährt der Schrecken in die Glieder und höre schon den
Rumpf dagegen schlagen. Ich will den Anker sausen lassen um schnell von der
Gefahr wegzukommen, doch dann bemerke ich mein Glück: Die Strömung treibt mich
vom Korallenkopf wieder weg. Ich kann also den Anker in Ruhe wieder heben und
mir dann vorsichtig einen bessern Platz suchen. Zur Beruhigung folgt ein
„ordentlicher“ Sundowner (oder waren es doch einige mehr?) und ein
ordentliches Mahl wird auch in der Kombüse gezaubert – "Fred Kombuse"
hätte seine Freude. Zuerst habe ich noch vor auf Espiritu Santo, Vanuatu, eine
Zwischenlandung zu machen. Doch dann treibt es mich doch weiter, vorbei an Papua
Neu Guinea und durch die Torres Straight. Natürlich kann man in Landnähe nicht
so sorglos dahinziehen wie im offenen Gewässer. Da heißt es aufpassen und auch
in der Nacht muss man wach bleiben, will man nicht ungewollt auf einem Riff
landen. So passiert es, dass ich nachts in der Torres Straight, wo das
Fahrwasser sehr eng ist, einnicke, während der Wind dreht. Als ich aus dem
Halbschlaf hochfahre, sehe ich ein Riff bereits in sehr bedrohlicher Nähe vor
dem Bug der Serengeti; nur ein flottes Manöver verhindert Schlimmeres. Dafür
bin ich dann aber auch wieder hellwach. Das ist auch notwendig, denn nachts in
der Torres Straight ist es trotz der Leuchtfeuer nicht immer eine ganz klare
Sache wie es weitergeht. An der Nordostecke von Australien holt mich wieder dichter
Schiffsverkehr ein; Potte aus aller Welt ziehen an mir vorbei. Es ist nicht zu
übersehen: Ich nähere mich wieder
der Zivilisation. Guter Ostwind treibt mich flott durch die Arafura-See. Etmale
von 160 Meilen und mehr werden zurückgelegt; das Segeln ist ein voller Genuss
und es zerreißt mir manchmal das Hemd vor lauter Freude. Nur bedaure ich, dass
es mir die Zeit nicht erlaubt einige Zeit im Golf von Carpentaria zu verbringen.
Da gibt es so manches interessante Plätzchen, das ich gerne besuchen würde. Die Ankunft in Darwin, an der Nordküste von Australien, erfolgt am späten Nachmittag. In der Hafeneinfahrt kommt mir eine riesige Ölplattform entgegen; von zwei großen Schleppern wird sie zu ihrer Arbeitsposition an der Küste Nordaustraliens geschleppt. Dem Verband weiche ich in großem Bogen aus. Der Zoll hat schon Dienstschluss und ich muss mich bis zum folgenden Morgen gedulden bis ich die Zollformalitäten erledigen und zu meinem ersten kalten australischen Bier kommen kann – das ist eine wahre Tortur! Die Zollbeamten am nächsten Morgen sind freundlich aber sehr, sehr genau; sie untersuchen das Boot sogar mit einem Hund, der nach Rauschgift schnüffelt. Fleisch und Gemüse darf man nicht einführen und sogar der Müllsack wird mir abgenommen. Dennoch: es verläuft alles auf freundliche Art. Meinem Freund Rudi, der sich überraschenderweise entschlossen hat mich bis zu den Malediven zu begleiten, ergeht es viel ärger beim Zoll am Flughafen. Zwei Stunden lang wird er von den Beamten in die Mangel genommen: "Warum haben Sie einen Aufenthalt in Singapur gehabt und sind erst einen Tag später weitergeflogen? Warum haben Sie nur ein oneway-ticket? Woher kennen Sie den Skipper Ihres Schiffes? Was bringen Sie für ihn mit?" usw. usw. Als man einen flammbaren zweikomponentigen Spezialkleber bei ihm entdeckt, den ich bestellt habe, ist der Ofen überhaupt aus: „Das ist ja glatt gemeingefährlich und in keiner Weise zu entschuldigen. Sie wissen doch, dass man so was nicht im Flugzeug transportieren darf!“ Ganz aufgelöst, mit einer zerrissenen Reisetasche und einigen Kartonschachteln, worin seine rausgefallene Habe verstaut war, kommt er schließlich zum Treffpunkt „Galley“ auf der Stokes Hill Wharf im Hafen von Darwin an. Es dauert einige Zeit bis er sich wieder beruhigt hat und wir zum angenehmen Teil übergehen können – einen ordentlichen Barbesuch inklusive.
Von Darwin nach den Malediven Es bleibt uns nicht viel Zeit. Gasflaschen werden aufgefüllt, Segel von der Reparatur geholt und Proviant (etwa 6 vollgefüllte Einkaufswägen bei Woolworth) an Bord gebracht; es soll ja für mindestens neun Wochen reichen. Ach ja, und da sind noch 500 Dosen Fosters Bier und etliche Fläschchen 100 Pipers für den Sundowner und Apres-Sundowner u.s.w.. Wir wollen ja auf keinen Fall darben... Es ist ja allgemein bekannt, dass Durst viel schlimmer als Heimweh ist. Die drei australischen Zöllnerinnen, die uns diesmal in Cullen Bay verabschieden, staunen nicht schlecht über unseren "Reiseproviant". Nur sehr schleppend kommen wir durch die Timor-See. Schwache und nicht passende Winde reduzieren unser Vorwärtskommen auf ein Schneckentempo - gerade mal 12 Meilen (etwa 20km) schaffen wir an einem besonders "erfolgreichen" Tag in 24 Stunden! Dafür gibt es viel Zeit zum Beobachten: riesige Wasserschlangen, die wir regelmäßig weit vor der australischen Küsten sehen, Schildkröten und natürlich Delphine en mass. Rudi kommt zu ersten Mal in den Genuss des Serengeti-Brots, das ich selbst backe. Roggenmehl, das mir aus Österreich gebracht wurde, macht auch schwarzes oder halbschwarzes Brot möglich – eine Köstlichkeit! Überhaupt: In all den Jahren rund um die Welt ist mir nie etwas wirklich abgegangen; hätte jedoch das frische Brot gefehlt, das ich etwa einmal in der Woche buk, es wäre ein echtes Manko gewesen. So lernt man das Brot wieder ehren! Hier in der Timor-See hatte das Brotessen allerdings unangenehme Folgen. Als ich in eine knusprige Brotkruste beiße, bricht mir ein Backenzahn ab. Unser erstes Ziel war das Ashmore Riff, nordwestlich von Australien gelegen, das bekannt ist für gutes Tauchen und Fischen. Jetzt, mit dem zerbrochenen Zahn, an dem ich mir fortwährend die Zunge aufschürfe, vergeht mir die Lust auf Tauchen sehr schnell und wir müssen unseren Reiseplan den Notwendigkeiten anpassen. Die logische Rettung heißt Christmas Island, ebenfalls zum australischen Territorium gehörend. Obwohl die Insel optisch alles andere als umwerfend ist, so sind dafür die dortigen Menschen wahre Unikate; man muss sie einfach kennen gelernt haben. Zoll, Polizei und Gesundheitsbehörde melden sich freundlich im Radio und fragen, wann es uns passend ist, dass sie vorbeikommen... Das ist mir sonst nirgends passiert - erwartet man auch gar nicht. Die Formalitäten werden von den Beamten selbst in kürzester Zeit auf dem Bootsstege erledigt und dann nimmt man uns auch gleich im Polizeiauto mit zu nächsten Bar, die praktischerweise gleich neben der Polizeistation liegt. Das nennt man Service! In der Bar „Golden Bosun“ eröffnet man für Rudi und mich gleich ein "Kreditkonto" und unsere Konsumtion wird bis zu unserer Abfahrt einfach aufgeschrieben. Genauso ergeht es uns in der Pizzeria nebenan - alles NO PROBLEM! Es gibt auf CI keine Taxis und keine Busse, aber es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass einen jeder mit seinem Auto mitnimmt. Die Preise auf Christmas Island sind generell viel günstiger als am australischen Festland. So kostet ein Bier hier die Hälfte von dem was wir in Darwin gezahlt haben. Man versucht wohl so Leute auf diese abgelegene Insel zu locken und auch dort zu halten.
Nun, anfangs tat ich dies als Wichtigtuerei ab, doch ein paar Tage später war ich selbst der größte Fan dieser hübschen englischen Zahnärztin... Am liebsten hätte ich mir noch den einen oder anderen Zahn ziehen lassen, um etwas länger bleiben zu können. „Partir, c´est un peu
mourir“
(Abschied bedeutet auch: ein wenig sterben) beschreibt jedenfalls ganz
gut unsere Gefühl, als wir diese netten Menschen von C.I. wieder
verlassen müssen, von meiner Zahnärztin ganz zu schweigen.... Gute Südostwinde treiben uns flott voran zum Chagos Archipel, südlich der Malediven gelegen. Wir machen ausgezeichnete Distanzen gut, das Wetter ist anfangs optimal und wir nennen es ganz einfach „Bilderbuchsegeln“ – Genuss pur! Doch je näher wir zum Ziel
kommen, umso mehr wendet sich Äolus, der Gott der Winde, gegen uns; für die
letzten 120 Meilen vor dem Solomon Archipel brauchen wir ganze drei Tage. Der
Wind bläst aus Nordwest und der SERENGETI somit genau auf die Nase. Dazu kommen
noch ein paar verstreute Riffe, die es uns auch nicht gerade leichter machen.
Dennoch: am 13. November erreichen wir am frühen Nachmittag unser Ziel. Die
Sonne bricht durch die Wolken und wir können den ganzen Zauber dieser Inselwelt
aufsaugen – wir sind im Paradies - ein Paradies wie man sich erträumt. Allerdings soll es sich in den folgenden
Tagen erweisen, dass es auch im Paradies nicht nur sonnige Tage gibt. Durch eine relativ enge Passage segeln wir in die Lagune des Solomon Archipels. Wegen der vielen Bombies (Korallenköpfe) - sehen richtig heimtückisch aus - bergen wir jedoch schnell die Segel und motoren den Rest, während ich in den Mast steige und von dort dem Rudi Anweisungen gebe, wie er diesen Hindernissen auszuweichen hat; Augapfelnavigation nennt man das. Aufgrund der Sichtverhältnisse haben wir
nicht viel Auswahl bezüglich der Ankerplätze und wir legen uns vor die Insel
Fouquet. Die Wassertiefe hier beträgt allerdings ganze 20 Meter und so müssen
wir die komplette Ankerkette von 50 Meter ausfahren und noch ein Ankertau dazu.
Der Platz ist keineswegs optimal, denn der Schwell durch die Laguneneinfahrt
steht genau auf uns zu (die Windrichtung ist untypisch für die Jahreszeit) und wir können uns ausmahlen, dass es bei auffrischendem
Wind nicht gerade gemütlich sein wird. Als Draufgabe ist ca. 20 Meter hinter
dem Heck bereits der erste Korallenkopf auszumachen; der Anker sollte also
tunlichst schon halten. Wie gesagt: mangels Alternative müssen wir mal hier
verweilen; ich habe allerdings die Absicht am nächsten Morgen bei besseren
Sichtverhältnissen mir einen geschützteren Platz zu suchen. Soweit soll es
allerdings nie kommen... Natürlich haben Rudi und ich es eilig an Land zu kommen
und eine erste Erkundungstour zu machen - und „unsere“ Insel zu besetzen.
Chagos war schließlich schon zu lange in Köpfen als Paradies herum geschwirrt
- wir hatten riesige Erwartungen.. Ein
Dutzend Biere und eine Flasche guter schottischer Whisky, Hängematte u.dgl.
werden gleich mitgenommen. Gleich zu Beginn eröffnen wir schon mal vorsorglich den KSBP Tja,
es wäre so wunderschön, wenn da nicht schon die nächsten dicken schwarzen
Wolken aus Nordwest auf uns zustürmen würden. Es sieht wirklich nicht gut aus
und mein Kumpel und ich müssen uns schon nach etwa einer Stunde wieder vom KSBP
verabschieden und aus Vorsicht wieder zur SERENGETI zurückkehren. Es kommt auch
knüppeldick, mit ordentlichen Wind bis 7 Beaufort und entsprechenden Wellen,
die unserem Anker stark zu schaffen machen. Mangels Kundschaft hat das „KSBP“,
nur etwa 200 Meter von uns entfernt, auch für diesen Tag geschlossen. Auch am folgenden Tag war es zu bewölkt um durch das Bombies-Labyrinth
(Korallenköpfe) zu navigieren; bei Bewölkung sieht man nämlich nicht unter
die Wasseroberfläche, wo die Biester lauern. Dennoch, wir können nochmals auf
„unsere Insel“ und sie diesmal auch etwas genauer begutachten. KSBP öffnet
speziell für uns wieder die Pforte und lösen uns gegenseitig mit dem Ausgeben
einer Runde ab... Früher hatten ja Menschen hier gelebt; diese wurden dann
allerdings abgesiedelt und heute ist das Chagos-Archipel unter britischer
Verwaltung. Von den Briten wurde es dann an die Amerikaner verleast, die
wiederum auf Diego Garcia ihre wohlbekannte Indian-Ocean-Flotte stationiert
haben. Genaugenommen ist das ganze Sperrgebiet für die Schifffahrt; die
Yachties werden aber quasi geduldet. Wäre auch jammerschade wenn so ein Juwel
nur zum Kriegführen missbraucht würde. Auch am dritten Tag ist noch keine Wetterbesserung in Sicht; eine Front jagt die andere und in der Nacht verbringe ich so manche Stunde ängstlich auf Ankerwache und hoffe, dass Anker und Kette halten. Einem englischen Seglerpaar ist vor einigen Jahren genau hier ein Malheur passiert: Der Anker hielt nicht und ihre Yacht wurde auf die Korallenbänke geworfen und sie sank. Den beiden ist nichts passiert und mit Hilfe anderer Yachties ist es ihnen auch gelungen das Schiff wieder zu heben. In mehrjähriger Arbeit, die Ersatzteile und Proviant wurden ihnen von der Segelkommune gebracht, setzten sie ihr Boot wieder in stand und konnten schließlich auf eigenem Kiel wieder weitersegeln.
Die nächste Wetterfront kommt daher gebraust und wir müssen das Manöver abbrechen bis es sich wieder beruhigt hat. Ich will schon mit der Tauchausrüstung zum Anker runtertauchen, um zu sehen was los ist, doch Rudi überredet mich, dass wir es nochmals mit einigen Schiffsmanövern versuchen. Und tatsächlich: nach einigem hin und her, das viel Schweiß kostet, kommen wir plötzlich mit einem Ruck frei. Kaum ist der Anker an Bord ist auch schon die nächste (die wievielte eigentlich?) Front da, es regnet, dass wir keine 20 Meter sehen können, geschweige den irgendwo unter die Wasseroberfläche. Wir haben nur die Kompassrichtung der Einfahrt in die Lagune und auf die halten wir (vermeintlich) mit voller Kraft zu. Als der Regen nach 10 Minuten wieder nachlässt und wir wieder was sehen können, bemerken wir erst, dass wir uns überhaupt nicht weiter bewegt, sondern nur unsere Position gehalten haben. Wind und Regen lassen etwas nach und die Sicht ist jetzt auch
wieder halbwegs. Nur jetzt keinen Motoraussetzer! Über der Sandbarre in der
Einfahrt bauen sich mächtige Wellen auf, weil das Wasser hier mit 5 Metern sehr
seicht ist; mit einem wilden Rodeoritt und mit ängstlichen Blicken nach links und
rechts zu den nahen Riffen (ich stehen am Bug und gebe Steueranweisungen an
Rudi) bringen wir endlich diese kritische Passage hinter
uns – Rudi und mir steht der Schweiß auf der Stirn. Erleichtert setzen wir
die Segel und setzen unseren Kurs auf die Malediven, etwa 500 Meilen im Norden.
Dass ein ordentlicher Manöverschluck sofort angesagt war, braucht wohl nicht
erwähnt zu werden - anscheinend trug er auch wesentlich zur sofortigen
Wetterbesserung bei...
Wir wechseln von der südlichen auf die nördliche
Halbkugel der Erde ohne dass wir die berüchtigten Kalmen zu spüren bekommen.
Beständige Winde aus Nordwest treiben uns voran. Rudi wird zum Anlass seiner
ersten Äquatorüberquerung in einem Boot zu Äquatorianer ersten Ranges getauft
und erhält den aussagekräftigen Namen Rasmus-Unikatus-Darwin-Indi. Malé ist wie ein Hammer für uns. Ein Flieger nach dem
anderen senkt sich auf den ins Meer hinaus gebauten Flughafen. Schiffe aller Art
und Größen brausen an uns vorbei. Von der Hafenbehörde werden wir in einen
Hafen hineingeleitet in dem wir nichts verloren haben. Bevor wir von den vielen
Dhonis versenkt werden, ziehen wir schnell wieder ab und lassen den Anker schließlich
auf 40 Meter Wassertiefe fallen um hier die Einreiseformalitäten zu erledigen.
Als dies endlich erledigt ist, verlegen wir uns sofort in die Nähe des Club
Mediterané, nahe des Flughafens. Hier ist es, bis auf die gelegentlichen
Flieger, ruhig und wir liegen in geschütztem Gewässer. Acht Wochen ist es her,
dass wir aus Darwin abgesegelt sind. Viele einmalige Erlebnisse liegen hinter
uns, die wir wohl beide nie vergessen werden. Jetzt müssen wir Abschied nehmen,
aber es gibt ja ein Wiedersehen in Österreich. Er lernt noch meine Frau kennen,
die für 14 Tage zu mir kommt, dann fliegt er zurück in die Heimat. Es ist jetzt 10 Monate her, dass ich meine Frau das letzte
Mal gesehen habe. Ich freue mich sehr sie mal wieder an Bord zu haben; es gibt
viel zu erzählen. Es wird nicht allzuviel gesegelt; wir verbringen viel Zeit
vor Anker in idyllischer Umgebung und lassen uns von Zeit zu Zeit in einem guten
Restaurant verwöhnen auch wenn die Preise sehr übertrieben sind. Rasch vergeht
diese schöne Zeit und Mitte Dezember fliegt sie schon wieder nach Wien zurück.
Mastbruch im Arabischen Meer
Und
aus dem CHAOS sprach eine Stimme zu mir: „Lächle – sei froh – es könnte schlimmer kommen!“ Und
ich lächelte – und
ich war froh – und
es KAM schlimmer !!
Gleich am nächsten Tag lichte auch ich wieder den Anker
und mache mich, diesmal wieder alleine, auf zur nächsten Etappe nach Mina
Raysut, Oman. 1400 Meilen sind es etwa bis dorthin und ich rechne mir schon aus,
dass ich in spätestens 12 Tagen dort sein sollte – Silvester also sicher in
Salalah. Aber es soll ganz anders kommen... Wir (das sind Serengeti und ich) machen gute Fahrt: kein
Tag unter 120 Meilen. Weihnachten steht schon vor der Tür und ich denke viel an
meine Familie; ich vermisse sie sehr. Auf meinem Laptop schreibe ich ihnen
laufend einen Bericht; den will ich dann per E-Mail von Salalah (Oman)
abschicken. Am 22. Dezember am Morgen stehe ich in der Kajüte vor der Seekarte
und rechne mir gerade aus wann ich mit der Ankunft in Oman rechnen kann. Es
sieht gut aus – noch 820 Meilen – sieben Tage wenn nichts schief geht. Doch dann geht alles schief! Um 06.20 Uhr UTC gibt
es über mir an Deck einen lauten Knall, der sich wie ein Gewehrschuss anhört,
und unmittelbar darauf ein grässliches Geräusch, das mir die Haare zu Berg
steigen lässt . Was zum Teufel war das?!!! Ich stürme an Deck, blicke mich um
und sehe – NICHTS! Buchstäblich nichts, denn dort wo normalerweise der Mast
steht, ist gähnende Leere. Ich will es einfach nicht glauben, das kann doch nur
ein böser Traum sein! In die Ohren zwicke ich mich und in die Nase – nur ich
wache aus keinem Alptraum auf, das Deck ist noch immer leer. Wie zum Hohn lugt
das unterste Stück des Mastes noch aus dem Wasser. Die Segel sind zerrissen,
der Mast in der Mitte gebrochen, wie ich durch das Wasser sehen kann. Das
Achterstag hat das Biminitop (ein kleines Schattendach am Heck) mitgerissen und
die Backbordreling hängt gerissen über die Seite; ein Relingsfuß wurde
ausgerissen. Jäh wurde die Fahrt durch das Rigg im Wasser gestoppt. Jetzt
treiben wir mit den Wellen dahin und sie schlagen den Mast so kräftig gegen den
Rumpf, dass ich Befürchtungen habe, die Serengeti wird demnächst leckschlagen
und wir saufen ab. Wo anfangen, was zuerst tun??? Ich weiß nicht wo mir der
Kopf steht. Mal dreh ich mich nach links mal nach rechts mal rundherum. Wenn
mich in diesem Moment jemand gefragt hätte wie ich heiße, hätte ich es
wahrscheinlich nicht gewusst. Einen ersten verzweifelten Versuch mache ich,
indem ich versuche den Mast mittels der Dirk aus dem Wasser zu ziehen. Es ist
ein aussichtsloses Unterfangen, mit dem Widerstand von 77 Quadratmetern Segel
und dem Gewicht des Riggs. Es wird mir bald klar, dass ich das Rigg schnell loswerden muss, noch bevor sich die Lage zum Schlechteren ändert. Zur Zeit bläst es nur mit etwa 4 bis 5 Beaufort; hoffentlich bleibt es so oder wird besser. In einer Rettungsinsel wochenlang Richtung Afrika zu treiben ist nicht gerade meine Wunschvorstellung, mit Somalia als möglicher Ankunftsort. Also ran an die Arbeit: Werkzeug raus und in die Hände gespuckt! Eine Wand nach der anderen schlage ich ab, indem ich den Haltebolzen an der Pütting entferne. Nur noch einige Fallen (Leinen) halten schließlich den Mast über Wasser und ich will schon diese durchschneiden um mich vom gefährlichen Rigg zu befreien. Doch dann kommt mir eine Idee als ich den Großbaum anblicke. Der kann mir doch sehr geht als Notmast dienen! Denn das ich irgendwie weitersegeln muss, ist mir klar. Der Treibstoff im Tank reicht höchstens für zwei Tage Fahrt, ich bin aber zumindest noch sieben Tage vom rettenden Ufer entfernt.
Position: 10.55 N 066.35 E
Ein Notrigg mit Segel muss her!
Also montiere ich den Baum vom Mast ab bevor ich die letzten Fallen kappe und
das Rigg langsam in der Tiefe versinkt. Ich schaue ihm noch lange nach, denn so
sicher wie es weiter gehen soll bin ich mir keineswegs. Zwar habe ich eine Idee,
ob sie allerdings auch funktionieren würde, das musste sich erst erweisen. Da
ist so allerlei Kribbeln in meiner Magengegend. An Notruf über Funk ist nicht
zu denken; mit dem Mast ist auch die Antenne verschwunden.
Mit einem 8m²-Segel (Sturmfock), von dem allerdings höchsten 6m²
wirksam werden, nimmt die Serengeti etwa 6 Stunden nach der Katastrophe wieder
Fahrt auf. Sehr bescheiden, mit nur 1 bis 1,5 Knoten, aber immerhin; und vor
allem: Es geht in die richtige Richtung! Es ist mir klar, dass es bei dieser
Geschwindigkeit nicht bleiben kann, aber für
Tag 1 habe ich mal genug. Morgen werde ich mir was Besseres einfallen lassen.
Vorerst setze ich mich mal mit meinem schottischen Freund (namens 100Pipers,
single malt) zusammen, und lasse mir von ihm etwas Nettes und Beruhigendes erzählen... Es ist der 23.Dezember, einen Tag vor Weihnachten, und die
Serengeti zieht noch immer einen sehr guten Kurs. Jetzt auch schon um einiges
flotter mit guten 3 Knoten (ca. 6kmh), nachdem das zusätzliche Segel
(Großsegel), das ich
heute montiert habe, sich sehr positiv bei der Geschwindigkeit bemerkbar macht.
Langsam gewinne ich Vertrauen in meine Konstruktion; sie scheint einiges
auszuhalten. Die 6 und mehr Beaufort die zeitweise wehen, können ihr nichts
anhaben. Meine Chancen scheinen gut zu stehen, dass
es mich nicht nach Somalia/Ostafrika vertreibt; denn dort will ich wirklich nicht
hin! Vorweihnachtliche Stimmung will am Heiligen Abend dennoch
nicht recht aufkommen. Das Wrack von Serengeti, das ich dauernd vor mir habe, lässt
das einfach nicht zu. Vieles geht mir durch den Kopf: Wo soll ich in dieser
Gegend ein neues Rigg erhalten? Wie durch das berüchtigte Rote Meer kommen, das
schon unter optimalen Verhältnissen sehr anspruchsvoll ist? Viele Fragen –
keine befriedigenden Antworten. Kein Wunder, dass ich deprimiert bin. Am Abend
versuche ich mich mit einem besonders gutes Essen in Stimmung zu bringen: Es
gibt Potee au Chou (Fleisch, Würstel, Kraut und Gemüse) aus der Dose, mit Kochkartoffeln und
Gurkensalat; als Nachspeise folgt eine Spezialität des Hauses (Bootes):
Karamelpudding. Eine Flasche guten französischen Weins, die ich speziell für
diesen Abend gespart habe, macht sich bei mir wohltuend bemerkbar... Unter
anderen Umständen könnte man es einen gelungenen Abend nennen. Es geht wohl schon zu lange wieder problemlos. Denn am
Abend des 25. Dezember, also Christtag, meldet der BBC (etwas später auch die
Deutsche Welle), dass sich ein Zyklon (mit der eigenartigen Bezeichnung 0-4-B)
von Indien auf mich zu bewegt; in Südindien hat er bereits beträchtliche Schäden
angerichtet. Mir ziehen sich wieder die Magenmuskeln zusammen; zur Zeit habe ich
nicht unbedingt das beste Nervenkostüm. Das fehlt mir gerade noch in meiner
Sammlung, dass ich jetzt auch noch in die Zugbahn eines Zyklons gerate. Nachdem
ich wenig Alternativen habe, packe ich zur Vorsicht mal mein Seenot-Ränzchen,
mit allem was man so braucht, wenn man in die Rettungsinsel muss: Proviant.
Kleidung, Angel, Medizin usw. Bange stehe ich an Deck, blicke Richtung Osten und
hoffe dass es doch nicht zu dicke kommt. Es sind bange Minuten und Stunden, doch
diesmal ist das Glück auf meiner Seite. Außer einen etwas stärkeren
Wind merke ich vom Zyklon gar nichts; beschweren werde ich mich deshalb bestimmt
nicht. Je näher ich der omanischen Küste komme, umso mehr
stellt sich bei mir eine Erleichterung ein. Nur nicht nach Ostafrika abgedrängt
werden – das ist meine große Hoffnung. Doch der favorable Wind und meine
Riggkonstruktion halten durch und so erreiche ich am 2. Jänner meinen Zielhafen
Mina Raysut, Oman. Auch wenn dieser Hafen nicht der Inbegriff eines angenehmen
Hafens ist, dazu ist er viel zu abgeschieden, so ist er für mich doch eine Erlösung. **********************
Aus einer Mail aus Salalah, Oman: ----- Original Message ----- From: Alter Chapetto <serengeti21@hotmail.com> To: <ernest@innonet.at>; <ernest@lion.cc> Sent: Wednesday, January 03, 2001 12:57 PM Subject:
Desaster im INDI... Hallo
Ernesto, solltest
du etwas Ablenkung brauchen - auf der Serengeti wird gerade eine "Masthand"
gesucht! Jetzt staunst du was! Eine "Masthand" ????? Ja,
eine Masthand, denn... Am
Freitag, dem 22. Dezember 2000, zwei Tage vor Weihnacht, mitten im INDI, auf
dem Weg von den Malediven nach Oman, gab es auf dem Deck der SERENGETI einen
lauten Knall (ein Puetting war gebrochen) und Sekunden spaeter hatte ich
ein Rigg gehabt - alles lag im Wasser, das Deck leer wie eine Tanzflaeche! Ich
bin rotiert wie ein Derwisch, wusste gar nicht wo ich zuerst anfangen soll
- EIN ALPTRAUM IST WAHR GEWORDEN ! Tatsaechlich
habe ich mich mehrere Male ins Ohr gezwickt um sicherzustellen, dass
es nicht wirklich ein Traum ist - LEIDER WAR ES DIESMAL KEINER!!!!! Dann
schlugen mir die Wellen den gebrochene Mast auch noch gegen das Boot, dass
ich befuerchtete auch noch ein Leck zu bekommen und abzusaufen. Ich habe
geschuftet wie selten in meinem Leben. Ganze zwei Stunden hat es gedauert
bis ich das Rigg los hatte und es endlich in 4000m Tiefe verschwand... Welche
Gefuehle ich waehrend dieser Zeit gehabt habe, kannst du dir nicht vorstellen.
Das Wort ALPTRAUM kommt dem ganzen am Naehsten. Dann
hat es nochmal etwa drei-vier Stunden gedauert, bis ich ein Notrigg stehen
hatte. Denn unter Motor konnte ich die verbleibenden 815 Meilen nach Oman
natuerlich nicht zuruecklegen. Zuerst hatte ich nur die Sturmfock oben, aber
da machte ich gerade mal so ein bis zwei Knoten Fahrt. Einen Tag spaeter
habe ich mir noch was einfallen lassen und auch noch die Arbeitsfock irgendwie
gesetzt. So konnte ich Etmale von 60 bis 70 Meilen machen, wenn der
Wind passte. Das ist fuer ein Notrigg nicht schlecht und alles in allem hatte
ich Glueck. Dennoch,
Weihnacht und Silvester verbrachte ich alleine mitten auf dem INDI. Waere
ja sonst nicht so schlimm, aber wenn ich das Wrack Serengeti so vor mir
sah, da kamen mir die Traenen... ES WAR EINE BESCHISSENE ZEIT!!! Ich konnte
es kaum erwarten in Oman anzukommen! Gestern,
am 2.1., hatte ich es dann geschafft! Das
Lied ist jedoch natuerlich noch lange nicht zu Ende. Denn wo krieg ich hier
im Orient ein neues Rigg her??? Hier gibt es weit und breit keine RIGGER. Vorerst
muss ich die Sache mit der Versicherung klaeren. Dann werden wir weitersehen.
Jedenfalls steht mir einiges bevor!!!!! Es wird wohl eine zeitlang
dauern bis ich hier wieder den Anker lichten kann. Dir
und Helga schoene Gruesse aus dem Orient. Lass
wieder hoeren. TONI
(frustriert) SY
Serengeti (in Traenen) Salalah,
Oman ********************************
Es folgen fast acht Wochen Aufenthalt in Oman. In dieser
Zeit lasse ich die Serengeti aus dem Wasser heben und überprüfen, ob das
Unterwasserschiff Schaden erlitten hat. Per E-Mail nehme ich Kontakt mit meinen
Freunden in Österreich auf; viele von Ihnen unterstützen mich moralisch und
mit Rat und Tat. Ich muss grundsätzlich die Frage lösen: Ob ich mit Notrigg
weiter segle oder ob ich die Serengeti auf ein Frachtschiff setze und nach
Zypern bringen lasse. Anderen Yachten, ebenfalls auf dem Weg ins Rote Meer,
gesellen sich im Hafen dazu. Darunter auch ein Katamaran aus den Vereinigten
Staaten, der ebenfalls den Mast verloren hat. Es gehört einem 72jährigen
Amerikaner, der mit seiner jungen Frau und 5jährigem Sohn unterwegs ist.
Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid - und so sprechen wir uns beide Mut
zu und beschließen auch mit eigener Kraft nach Europa zu gelangen.
Ein anderes Problem hat sich ergeben: Ein französisches Paar, eben mit ihrer
Yacht durch das Rote Meer in südlicher Richtung gesegelt, erzählt von einem
Piratenüberfall vor der Jemen-Küste. Genau am Christtag wurden sie mit
Gewehrschüssen gestoppt; die Yacht wurde geentert und sie um einige wertvolle
Habe erleichtert. Wenigstens ist ihnen beiden nichts Böses widerfahren. Jetzt
überlegen alle Yachties krampfhaft was denn die beste Taktik wäre den Piraten
zu entkommen. Entlang der Küste oder weiter draußen im offenen Mehr, alleine
oder im Verband in Richtung Bab el Mandeb (Tor der Tränen), dem Eingang zum
Roten Meer? Eines Abends kehre ich gegen 2200 aus der Stadt Salalah zurück zum
Boot. Der Hafenjunge Binjam, der mir gelegentlich bei Arbeiten am Boot hilft, läuft
schon ganz aufgeregt am Ufer entlang. Ich müsse schnell kommen, denn die
Serengeti würde sonst bald am Ufer Schaden nehmen. Und tatsächlich: Eine
Segelyacht eines Amerikaners hat sich wegen starken Winds selbständig gemacht,
infolge dann einer Motoryacht den Anker ausgerissen und beide sind sie auf die
Serengeti getrieben, deren Anker natürlich drei Boote nicht halten kann. Ganze
zwei Stunde brauche ich mit Unterstützung von Binjam um Leinen zum Ufer
auszubringen und die drei Boote so abzusichern, dass sie bis zum Morgen nicht
ans Ufer getrieben werden.
Ende Februar geht es endlich mit etwas verbessertem aber
sonst identischem Notrigg weiter zum Tor der Tränen, dem Eingang ins Rote Meer.
Schwache Winde zwingen mich die erste Etappe nach Al Mukalla in Jemen zu motoren.
Knapp vor meinem Ziel nicke ich in der Nacht in Küstennähe ein und erwache mit
einem Ruck als die Serengeti plötzlich einen Schlag bekommt und ein grässliches
Geräusch in meine Ohren dringt. Als ich im Cockpit hochfahre, sehe ich ein weißes
Licht an der Backbordseite entlang gleiten. Das Glück ist auch diesmal mit mir,
es ist kein Schaden an der Serengeti entstanden weil es nur ein kleines
Fischerboot war. In Al Mukalla treffe ich einige Segelfreunde, die ich aus
Mina Raysut kenne. Sie sind im Verband losgesegelt und jetzt herrscht einige
Aufregung. Drei Schiffe aus ihrem Konvoi hatten beschlossen sich alleine
abzusetzen und ihre eigene Route zu fahren. Jetzt hatte man über Funk erfahren,
dass der englische Katamaran „Ocean Swan“ mit Jeff und Chrissie an Bord nur
einen Tag von Al Mukalla entfernt und ganz in Küstennähe vom Piraten überfallen
wurde. Ihr Boot wurde beschossen und das Rigg beschädigt. Der Frau von Jeff
wurde ein Messer an die Kehle gesetzt und auf diese Weise Geld erpresst, das
sonst nicht gefunden worden wäre. Natürlich verloren sie auch viel von ihrer
Ausrüstung. Kein Wunder, dass die beiden mit den Nerven fertig sind.
Vorerst habe ich die Absicht meine nächste Station in
Eritrea zu machen. Es soll ein sehr interessantes Land mit italienischem Flair
sein. Doch dann lässt mich die neue Wettersituation doch anders entscheiden.
Bei Kurs auf Eritrea hätte ich die starken Wellen voll auf die Backbordseite,
was erstens das Material beanspruchen würde und zweitens meine Nerven. Außerdem
machen wir auf direktem Nordkurs die beste Fahrt und somit viele Meilen gut, was
mir sehr gelegen kommt. Man soll das Wetter nützen so gut man kann, und in
meiner Situation, mit dem Notrigg, trifft das um so mehr zu. Nur auf den Schiffsverkehr muss ich zeitweise sehr achten;
hier ist mächtig viel los in beide Richtungen und man kann sich nicht unbedingt
darauf verlassen, dass die großen Brüder so ein kleines Bötchen auf ihren
Radarschirmen auch sehen. Bei den Abu Ali Inseln, zu Jemen gehörend, erwischt
mich mal wieder so eine Freakwelle. Ich verspeise gerade mit Genuss das letzte
kleine Stückchen Speck aus der Heimat, als die Serengeti einen mächtigen
Schlag auf die Backbordseite bekommt. Mich katapultiert es quer durch die Kajüte
und lande unsanft auf dem Navigationstisch, wo ich mir eine ordentliche Prellung
hole. Das kleine Speckstückchen fliegt auch durch die Luft (neben einigen
anderen Utensilien), landet zwar um einiges sanfter als ich, dafür aber genau
auf dem Hauptschalter für die gerade laufende Maschine und löst diesen aus.
Folge: Die Dioden der Lichtmaschine brennen durch und die Serengeti ist ohne
Stromversorgung; von den vollen Batterien einmal abgesehen. Aber der Weg nach
Port Sudan ist noch lang und ich muss ab sofort äußerst sparsam mit dem
Stromverbrauch umgehen, damit ich nicht zum ungeeignetsten Moment ohne Saft bin. Zwei Tage vor Port Sudan, ich mache mir gerade in der Kajüte
eine Jause, zieht plötzlich ein sudanesisches Frachtschiff so dicht an meinem
Heck vorbei, dass es mir die Haare zu Berg steigen lässt. So genau will ich gar
nicht wissen wie knapp ich unter seinem Bug durchgefahren bin. Ich hatte zwar
Vorfahrt, aber wer wüsste das schon, wenn ich am Meeresgrund wäre. Aber wie sagt man so schön: Navigation ist, wenn man
trotzdem ankommt! Ohne weitere Probleme gelange ich nach Port Sudan. Schon am
ersten Tag treffe ich wohl den einzigen Sudanesen der selbst eine Segelyacht
hat. Diese liegt gleich meiner Serengeti. Mit einem Beiboot kommt er vorbei und
befragt mich nach meinem Malheur mit dem Mast. Ich erzähle ihm die Geschichte
und auch, dass ich einen Schiffselektriker für meine Lichtmaschine brauche. Er
verspricht mir sofort, dass er mir am nächsten Morgen verlässliche Leute
vorbei schickt. Anderweitig würde man mich sicherlich übers Ohr hauen. Mit
reichlicher Skepsis nehme ich dieses Versprechen auf, doch es gibt eine
angenehme Überraschung. Tatsächlich erscheinen am nächsten Morgen zwei
Sudanesen, die sich die Sache mal anschauen. Sie sagen mir aber gleich, dass sie
nicht die eigentlichen Fachleute wären sondern ein Freund von ihnen. Mit dem
wollen sie etwas später zurück kommen. Und so ist es auch: Sie kommen mit dem
Schiffselektriker, der baut die Lichtmaschine aus und sie bringen sie in die
Werkstatt. Drei Stunden später sind sie wieder zurück, das gute Stück wird
wieder ordentlich eingebaut und funktioniert auch einwandfrei. Und das Beste:
Sie wollen keinen Dollar annehmen, denn ich sei ja der Freund von Bashir. Ich
schenke dem Elektriker einen neuen und einen gebrauchten Overall; er freut sich
wie ein Kind. Ich will sie alle auch zu einem Essen einladen, doch trotz aller
Bedingungen kommt es nicht dazu. Sie haben eben ihren Stolz, diese Sudanesen,
wenn auch nicht unbedingt alle. Der Markt von Port Sudan ist ein Erlebnis. Hier ist die
Zeit stehen geblieben (ich kenne es von einem Besuch vor 20 Jahren); er ist von
früh bis spät geöffnet und man bekommt alles, von Obst, Gemüse und Kleidung
bis zum Fleisch. Das hängt allerdings nicht gerade appetitlich im Freien und
die Fliegen haben ihre Freude daran. Nachdem ich meine Vorräte wieder aufgefüllt
habe, die Serengeti wieder in Ordnung ist (na, so halbwegs halt), nehme ich
wieder Kurs Nord, diesmal schon mit dem Ziel Suez, Ägypten. Ab hier habe ich
mit widrigen Winden aus dem nördlichen Sektor zu rechnen; so flott wie im südlichen
Roten Meer wird es nicht weiter gehen. Aber wenn Rigg und Motor durchhalten,
werden wir auch diese Etappe irgendwie schaffen. Und so ist es auch. Es gibt einige Tage wo wir kaum
Distanz gut machen, aber nachdem ja niemand in Ägypten auf mich wartet, ist es
nicht so wichtig ob ich einen Tag früher oder später ankomme. Was zählt
ist, dass ich ankomme! Dieser Abschnitt hat viele verlockende
Ankerbuchten, doch wie schon im südlichen Teil lasse ich sie alle an Backbord
liegen. Mein primäres Ziel ist es die Serengeti so gut und so sicher wie
möglich nach Suez bringen. Nur das zählt wirklich. Vor Suez liegt noch Safaga,
wo ich für einige Tage ausspannen will. Als ich nach mehreren Tagen am späten Nachmittag nach
Safaga, südliches Ägypten, komme, ist die Sicht wegen der tiefstehenden Sonne
schon schlecht. Die Seekarte gibt etwas vor, was sich in Realität als falsch
erweist und ich bleibe an einer Untiefe hängen. Gut dass ich sehr langsam
unterwegs war. So nehmen wir keinen Schaden und ich schaffe es schließlich auch
wieder flott zu kommen. Einen neuerlichen Versuch durch die enge Passage zu
kommen will ich erst am nächsten Tag bei guten Sichtverhältnissen wagen und so
lege ich mich für die Nacht vor
Anker und freue mich, dass wieder ein gutes Stück Rotes Meer hinter mir liegt. Am nächsten Morgen sehe ich erst wie eng das Fahrwasser
wirklich ist; kein Wunder das ich aufgelaufen bin. Am Ankerplatz vor dem
Paradise Hotel treffe ich wieder einige Boote die ich schon von Oman her kenne.
Wir haben es bald geschafft und so gibt es eine schöne Wiedersehensparty, mal
auf dieser Yacht mal auf jener. Ich bleibe einige Tage und geniese die Zivilisation. Aber
als sich wieder ein gutes Wetterfenster ergibt, lichte ich doch schnell wieder
den Anker: Kurs Suez. Mein kaputtes Schiff lässt mir keine Ruhe; ich will es
schnellstens in eine Werft bringen und wieder so sehen, wie eine Segelyacht
aussehen soll. Nicht mit diesem lächerlichen Stummel von „Mast“. Der letzte Abschnitt im Roten Meer beginnt. Vorbei an den
vielen Bohrtürmen im Golf von Suez; ich atme die verpestete Luft, zum Teil
verursacht durch das vielfache Abfackeln von Bohrgas. Das Wasser ist schmutzig
und es wird mir bewusst welche Opfer die sogenannte „Zivilisation“ der Natur
abverlangt. Wenn ich da an die kristallklaren Gewässer des Südens denke... Suez ist der letzte große Treffpunkt der Yachties im
Roten Meer. Hier rastet man sich aus und freut sich, das berüchtigte Revier
hinter sich zu haben. Mal wieder
ein schönes kaltes BLONDES, ein Essen, das nicht von der Bordküche stammt. Inhalt einer Mail über den Segelabschnitt ROTES
MEER: To:
…
Sent: Mittwoch, 23. Mai 2001 08:44
Subject: verspäteter Reisebericht Salalah - Suez (der LAPTOP war
schuld, natürlich!!!)
Hallo ...
hier ein kleiner Bericht über die letzte Etappe von Salalah nach
Suez...
Nun, Tatsache ist, ich stehe derzeit vor dem Suezkanal und warte auf
entsprechendes Wetter im Mittelmeer. Eilig hab ich es ja nicht
besonders, und so lass ich es mir hier mal gut gehen.
Viele andere Boote, die ich seit Salalah getroffen habe, sind auch
hier. Einige sind allerdings schon weiter gefahren; sie konnten es
nicht erwarten. Andere wiederum habe ich glatt überholt.
Hier ein kurzer Bericht wie es seit Salalah verlaufen ist:
Am 22. Feber bin ich von Oman abgesegelt, oder abgemotort, wie man
will. Viel Wind gab es jedenfalls bis zu BAB EL MANDEB nicht, dann
dafür umso mehr!
Der erste Stop war in Mukalla, in Jemen. Eine Stadt wie aus
1000+1Nacht; nur sieht sie in Wirklichkeit viel schmutziger aus.
Dennoch, das gehört
dazu. Die Menschen wie vor hundert oder mehr
Jahren. Fernsehen erst im kommen und daher haben die Leute noch viel
Zeit für einander. Ziegen, Kamele, Katzen und anderes Getier lebt
hier Seite an Seite mit den Menschen – um den Dreck kümmert sich
kaum jemand...Gerade auf der „Hauptstrasse“ sieht man von Zeit zu
Zeit die eine oder andere armselige Gestalt, die sich bemüht das
Ärgste wegzuräumen.
Ich war in einer Schmiede; da arbeitet man noch
mit Handblasbalg und
ausschließlich mit sauberer Muskelkraft. Keine Maschinen in welch
immer Form! „Supermärkte“ haben die Größe von kleinen Trafiken in
Ö.
Dennoch: die Menschen sind freundlich und neugierig, wenn es auch
viele Bettlerinnen gibt. Erstaunlicherweise kaum Männer; dafür sind
die Frauen umso aufdringlicher. Die Südjemeniten mögen die
Nordjemeniten jedenfalls noch immer nicht. Sie behaupten, dass all
das Schlechten aus dem Norden kommt – selbst die Fliegen!
Bei der „Immigration“ waren wir mit einem katkauenden Typ mit
glasigen Augen konfrontiert, der mehr am BAKSCHISCH interessiert war
als an seiner Arbeit. Ich habe ihm ein Päckchen Zigaretten gegeben
und er meinte doch glatt, dass die schon alt wären und daher
krebsgefährdend. Gleichzeitig hat er seinen augenblicklichen
Glimmstengel bis zum Filter (und darüber) ausgeraucht... Ein Typ der
nur aus Haut und Knochen bestand.
Aber Überraschung: in Mukalla gibt es ein Kommunikationszentrum, das
sich sehen lassen kann. Das gibt es
nicht einmal in dem sonst viel
moderneren Salalah in Oman. Es ist sauber, gut organisiert, wo man
neben Intenet auch Telefonieren und Faxen kann; alles zu recht
akzeptablen Gebühren.
Unter den Seglern gab es einige Aufregung, weil ein uns gut
bekanntes Segelboot vor ein paar Tagen (also so um den 22. Feber) so
60 Meilen südwestlich von Mukalla von Seeräubern überfallen (das
Boot wurde durch Schüsse beschädigt) und ausgeraubt wurde. Der Frau
wurde sogar ein Messer an den Hals gesetzt um Geld zu erpressen.
Jedenfalls war das englische Ehepaar nervlich recht geschafft und
verbrachte längere Zeit in Aden und Djibouti um sich vom Schrecken
zu erholen. Ich kenne sie gut aus Salalah.
Jedenfalls wurde meinen Segelfreunden in Mukalla vom Hafenchef
versprochen, dass man ihnen eine „Polizeieskorte“ mitgeben würde.
Auf dem halben Weg nach Aden sollte es sogar einen fliegenden
Wechsel mit einem Polizeiboot aus Aden geben. Tatsache war dann,
dass zwar am ersten Tag wohl ein kleines Boot mit einigen wild
dreinschauenden Typen auftauchte, am spätere Nachmittag, gegen 1700
Uhr, sich aber stillschweigend wieder verabschiedete und entschwand.
Von einer Ablöse natürlich keine Spur.
Ich blieb alleine noch drei Tage in Mukalla, bevor ich mit meiner
eigenen Piratenstrategie startete. Recht weit setzte ich mich von
der Küste ab, und passierte in der Nacht, total ohne Lichter, die
gefährlichste Piratenstrecke von Jemen; jedenfalls den Küstenteil,
wo sich die beiden mir bekannten Überfälle ereignet hatten.
Anscheinend hab ich es ganz gut erwischt, denn außer dem einen oder
anderen Großschiff sah ich kein Bötchen weit und breit. Apropos
Bötchen: noch vor Mukalla
bin ich nachts mit einem kleinen
Fischerboot zusammengestoßen. War wohl meine Schuld, weil ich
eingepennt bin; die Serengeti hat sich eine schöne Schramme geholt
und war mir lange sehr böse...(wie halt Frauen so sind!)
Also, weiter in Richtung Bab el Mandeb (Tor der Tränen) am Anfang
des Roten Meeres. Bis dorthin hatte ich kaum Wind und ich war die
längste Zeit mit Volvi unterwegs. Doch als eben Bab el Mandeb in
Sicht kam, da legte auch der Wind einen anderen Gang ein: recht
hurtig ging es durch die KLEINE PASSAGE, mit kräftigen achterlichen
Winden. Meist zu achterlich, so dass ich Probleme mit meinem Notrigg
und Segeln hatte. Einmal, bei den Abu Ali Inseln, erwischte mich
eine FREAKWELLE (es wehte so mit 8-9 Bf); einige Dinge in der Kajüte
bekamen Flügel und sausten durch die Gegend. Der letzte Rest eines
Speckstücks (kaum zu glauben) schaffte es tatsächlich genau auf den
Hauptschalter für den Motor zu fallen und diesen umzulegen. Das
Resultat war: durchgebrannte Dioden im Alternator, und die Serengeti
somit ohne Stromversorgung. Nachdem es noch etliche Tage bis Port
Sudan waren (Massawa in Eritrea ließ ich wegen des vorherrschenden
Wetters aus), musste ich notgedrungen den Stromverbrauch wieder
einmal auf Null reduzieren, das heißt, ich war in der Nacht wie ein
Geisterschiff unterwegs.
Dennoch, fast hatte ich es bis Port Sudan geschafft, wo ich den
Alternator reparieren lassen wollte, als ich beinahe Opfer eines
sudanesischen Dampfers wurde:
Bei Tag und ausgezeichneten Sichtverhältnissen rauschte auf einmal
das Riesending knappest am Heck der Serengeti vorbei, als ich gerade
in der Kajüte war (ja, ich weiß schon...). Vor Schreck stellten sich
mir die noch verbliebenen Haare auf und es wurde recht feucht
zwischen den Arschbacken! Ich möchte nicht zu genau wissen, wie
knapp ich unter dem Bug des Dampfer durch bin... Wegerecht hätte ich
ja wohl gehabt, nur wer hätte das schon gewusst, wenn ich mich mal
in ein paar hundert Meter Wassertiefe befunden hätte!
Auf den Schreck legte ich mal eine neuntägige Künstlerpause in Sudan
ein. Der Hafen ist total neu und wird aggressiv ausgebaut, so dass
ich nichts mehr erkennen konnte, was ich vor ca. 20 Jahren gesehen
hatte. Kein Stein blieb am anderen.
Dafür ist die Stadt selbst noch die alte. Da hat sich nichts
geändert und es wird sich auch nicht so schnell was ändern.
Beim Abkassieren kennt man sich zumindest bei den Hafenbehörden und
Agenten gut aus: für 9 Tage Aufenthalt vor Anker ohne irgendwelches
Service, zahlte ich 127 USDollar. Andererseits wurde mir der
Alternator recht günstig gemacht. Mal so mal so.
Ab Port Sudan erwischte ich wieder ein recht gutes Wetterloch und
schaffte die Strecke nach Ägypten, Safaga, mit Kampf aber in
einem
Stück in vier Tagen. Dafür blieb ich dann gleich bei der Ankunft in
Safaga bei schon schlechter Sicht am Nachmittag bei der engen
Durchfahrt an einem Korallenriff hängen – es war halt doch nicht so
schön breit wie es die Seekarte vorgaukelte.
Auf den Schrecken hin warf ich gleich den Haken und ankerte an Ort
und Stelle. Am nächsten Morgen wollte ich es bei guter Sicht wieder
versuchen; doch da blies es recht ordentlich und ich hatte keine
Lust mich bei den Verhältnissen mit dem Anker zu plagen; ich wollte
abwarten, dass der Wind nachlässt. Doch die Hafenbehörde hatte was
dagegen: sie schickten nicht gerade ein Kanonenboot, aber ein
ordentliches Stahlboot war es dennoch, so dass mir Angst und Bange
um das Serengeterl wurde. Ich hatte alle Hände voll zu tun, das
Rostding von meinen Planken fernzuhalten.
Nachdem ich denen erklärt hatte, dass ich bei dem herrschenden Wind
alleine den Anker nicht heben konnte, wollte man mir nämlich einen
Gehilfen rübergeben. Das gelang schließlich auch ohne besondere
Schäden an meinem Bötchen. Der Anker wurde geborgen und der Gehilfe
stieg wieder auf recht abenteuerliche Weise auf das Hafenboot über.
Ohne wieder Bekanntschaft mit den Korallen zu machen (es war
wirklich eng da, wie man bei gutem Tageslicht jetzt sehen konnte,
und keineswegs verwunderlich, dass ich aufgelaufen war), schaffte
ich die Passage zum Safaga Paradise Hotel, wo alle Yachties auf
Reede liegen. Es gab wiedersehen mit etlichen Booten, die ich
kannte. Deutsche, Engländer, Amerikaner, Franzosen, Australier,
Neuseeländer u.v.m.
Safaga ist ein Hafen und ein Touristenplatz, aber kein
empfehlenswerter.
Kann sein, dass das Tauchen hier gut ist.
Jedenfalls gibt es eine Menge Tauchboote. Viele scheinen in
deutscher Hand zu sein.
Abgesehen davon, dass man wieder einige Annehmlichkeiten der
Zivilisation hatte,
ist Safaga aber recht fad. Ein kaltes Bier und
ein gutes Essen (nur weg von der Bordküche!) waren dennoch sehr
willkommen. Und etwas ausspannen tat auch gut.
Ich wollte eigentlich noch etwas länger bleiben, doch dann war da so
ein vielversprechendes Wetterfenster für den Golf von Suez, dass ich
die Chance nützen wollte - es
ist nicht lustig, bei hartem Nordwind
in Richtung Norden zu segeln.
Es war auch so zeitweise mühsam, aber alles in allem kam ich gut und
ohne besondere Probleme voran. Die vielen Bohrtürme im Golf sind
natürlich vor allem in der Nacht was Feines: das schaust du dir die
Augen aus dem Kopf um nur ja nicht irgendeine unbeleuchtete
Plattform zu übersehen – sehr lustig! Ich wundere mich noch immer,
dass da nicht öfters ein Großschiff wo reinkracht... Also, viele
Bohrtürme, Schiffe nonstop, dreckiges Wasser, ein schwazbrauner
Smogteppich über dem ganzen Golf und zeitweise ein Gestank, dass man
kaum atmen wollte.
In anderen Worten: DER GOLF VON SUEZ IST EIN PLATZ ZUM VERWEILEN!
Dennoch: irgendwie hab ich mich da durchgemogelt, Volvi ließ mich
nicht in Stich, und ich bin
auch nicht eingeschlafen
(wahrscheinlich hielt mich die Schiss wach!). Aber nach zwei Tagen
war ich doch froh, das Ganze hinter mir zu haben, als ich endlich
durch den Smog die Umrisse von Suez erkennen konnte.
Der Ankerplatz hier ist voll mit Yachten, die wie ich auf besseres
Wetter im Mittelmeer warten; bis dorthin trennen uns noch 100 Meilen
durch den Suezkanal, die normalerweise
in zwei Tagesetappen
zurückgelegt werden...
ABER DAS IST DANN WIEDER EINE ANDERE GESCHICHTE...!!!!!
Herzliche Grüße ...
TONI
SY Serengeti
Suez, Ägypten
P.S.: Ein Russe ist auch hier. Der wollte gegen Süden mit seinem
Boot; hat nicht einmal ein Beiboot dabei (!!), und jetzt, nach einem fatalen Motorschaden, kehrt er wieder um nach Norden –
ist doch nicht ganz sein Bier! *******************
Eine kleine, sehr spartanisch eingerichtete russische Segelyacht liegt auch hier vor Anker. Eigentlich wollten sie ja nach Süden, doch dann gab es gravierende Motorprobleme und sie kehrten wieder um. Sie haben nicht einmal ein Beiboot mit und schwimmen deshalb immer zum Ufer oder zum Boot zurück. Wenn sie allerdings Proviant transportieren müssen, sind sie auf die Hilfe anderer Yachten angewiesen. Jedenfalls will die Reparatur ihres Motors nicht und nicht gelingen, obwohl sie schon viel Geld investiert haben. Sie wollen wieder zurück nach Russland, doch noch wissen sie nicht wie, denn wenn man sie durch den Kanal schleppen muss, kostet das mindestens 3000 Dollar, und Dollar sind auf diesem Boot Mangelware.
Meine Passage durch den 100 Meilen langen Kanal läuft
problemlos ab. Beeindruckend sind die Ozeanriesen, die knapp an uns in die eine
oder andere Richtung ziehen. Die Fellachen mit ihren kleinen Fischerbooten und
deren primitiven Segeln. Sie kommen knapp an die kleineren ägyptischen Frachten
herangerudert, werfen eine Leine rüber und lassen sich ein Stück des Weges
ziehen; oft sind es bis zu fünf Fischerboote, die so wie an einer Perlenschnur
hintereinander hängen. Das Leben muss für diese Menschen schon sehr mühsam
sein.
Endlich – Port Said – ich bin im Mittelmeer! Es ist
zwar schon wieder späterer Nachmittag, aber nachdem Wind und Wetter günstig
stehen, setze ich nur den Kanallotsen auf ein anderes Boot ab und setze meine
Fahrt ohne Stop fort. Irgendwie drängt es mich weiter. Vor Port Said liegen duzende Schiffe auf Reede und warten auf ihre Durchfahrt ins Rote Meer. Ich kann mich nicht entsinnen ob ich je mehr Schiffe auf einem Fleck gesehen habe. Alle Nationen und alle Typen von Schiffen sind vertreten, vom Supertanker bis zum Spezial-Autotransporter und natürlich die Containerschiffe. Ich schlängele mich zwischen ihnen durch und bringe den Bug der Serengeti, als wir wieder freies Gewässer haben, auf Griechenlandkurs.
Es ist ein ganz besonderes Gefühl wieder in
„heimatlichen Gewässern“ zu sein, wenn man so lange unterwegs war. Es ist
wie wenn man nach vielen Jahren Abwesenheit wieder auf sein heimatliches Dorf
zugeht – da tut sich was Besonderes im Inneren. Auch im Mittelmeer heißt es
gut aufpassen, denn der Schiffsverkehr ist recht stark. Anfangs habe ich gute
Winde aus Ost und wir machen gute Fahrt. Doch bekanntlich halten gute Dinge nicht an und bald
stellt sich ein ordentlicher Nordwester ein der auch entsprechende Wellen mit
sich bringt. Ich lasse also Kreta Kreta sein und bleibe auf westlichem Kurs südlich
dieser griechischen Insel. Neue Destination: Der griechische Hafen Pylos am
Peloponnes. Offensichtlich will Äolus dem Heimkehrenden zeigen, dass man auch
in Europa manchmal mit launischen Götter zu kämpfen hat. Satte neu Beaufort
machen mir bei der Einfahrt nach Pylos reichlich zu schaffen. Das Notrigg mit
seinen missbrauchten Segeln ist halt nicht so leicht zu handhaben wie ein
normales Rigg. Dennoch: Wir sind da – wir sind endgültig in Europa
angekommen. Nach einigen Tagen Rast und Beschaulichkeit setze ich die
Fahrt nach Korfu fort, wo ich am Sonntag, dem 28. April, kurz nach Mitternacht
mein Kielwasser von 1998 kreuze. Die Weltumsegelung ist vollbracht! Es ist für
mich ein sehr bewegender Moment, als ich im kleinen Hafen südlich der Festung
von Korfu-Stadt in den frühen Morgenstunden festmache: Ein großer Traum ist in
Erfüllung gegangen, aber dieser Traum ist auch für immer verloren. Auf der
Mole des NAOK-Clubs knie ich mich nieder und lasse in einigen Minuten die
vergangenen drei Jahre auf See im Zeitraffer passieren... Aus einer Mail aus Korfu, Griechenland: ----- Original Message ----- From: Alter Chapetto <serengeti21@hotmail.com> To: ::: Sent: Sunday, April 29, 2001 3:56 PM Subject:
360 Laengengrade liegen hinter der SERENGETI... Am
29. April, kurz nach Mitternacht, kreuzte die Serengeti das eigene Kielwasser
vor fast drei Jahren vor der Suedspitze von Korfu. Irgendwie tu ich
mir schwer das zu begreifen - ABER SO IST ES. Mein
Gefuehl? Einerseits ein einzigartiger, in Erfuellung gegangener Traum,
andererseits aber auch ein verlorener Traum! Bis
bald in Oesterreich! TONI SY
SERENGETI Korfu,
GR ******************* Auf der Fahrt von Pylos nach Korfu gab es noch eine
Schrecksekunde: Mitten in der Fahrt, ganz ohne erkenntlichen Grund, setzte mein
treuer Freund „Volvi“, so nenne ich meinen Dieselmotor, aus. Schlagartig,
einfach so. Alle Überprüfungen ergaben nichts, und als ich aus lauter
Verzweiflung nochmals den Zündschlüssel drehte, sprang er auch sofort wieder
an und lief als wäre nie etwas geschehen. Da kenne man sich aus! Schon am 2. Mai heißt es wieder „Leinen los“ im NAOK- Hafen von Korfu und mein allerletzter Schlag nach Izola in Slowenien beginnt. Äolus und die Meeresgötter sind mir wieder einmal wohlgesinnt: In nur fünf Tagen schaffe ich die Strecke nonstop, vorbei an mir wohlbekannten Punkten wie Vis, und Porer an der Südspitze Istriens, bis Piran, wo ich ein letztes Mal einklariere. Dann noch ein kurzer Sprung rüber nach Izola, und am 6.Mai um 14.30 Uhr liegt meine Serengeti schon sicher vertäut in der dortigen Marina. Die Weltumsegelung ist vollbracht – ein Traum ist zu Ende
! Aber auch: ICH BIN WIEDER DAHEIM !
Segeln mit österreichischem Weltumsegler in den schönsten Revieren Kroatiens !
Segeln Sie doch mit!Weitere Informationen
erhalten Sie auf der Internetseite
HAFTUNGSAUSSCHLUSS / DISCLAIMER Änderungen und Irrtümer vorbehalten ©Anton Bozic, Wien (Adriatic Sailing & Tours)
|